Anfrage aus dem Fratzenbuch

Moinsens,

im Fratzenbuch wurde um Bestimmung und Deutung eines interessanten Steines gebeten.
Der Stein ist stark massiv von Scharten bedeckt, einmal durchbohrt und zweimal angebohrt…
Mein erster Gedanke ging in Richtung Schwefelkies/ Pyrit… zum Funkenreißen eben…
Die Oberfläche scheint recht glatt zu sein, aber das kann m.E. ja bei alten Knollen / Brocken ja vorkommen, zumal wenn sie massiv genutzt und in Behältnissen verstaut wurden.
Die schöne Knolle von “Steinzeitwissen” finde ich nicht mehr…
Die Länge beträgt 5,5cm und das Gewicht 32,1gr.
Pi mal Daumen geschätzt (natürlich nicht so genau berechnet, wie Ardea das mit den Informationen täte) ergibt das eine Dichte von ca. 3 - 3,5. Das ginge dann doch eher in Richtung Lydit…

Fundzusammenhänge gibt es nicht, da vom Großvater in der Kindheit geschenkt bekommen…

FB 001




FB 005

Gruß
Thomas

Moin Thomas,

ich nehme an, du hast auch nur die Fotos und kannst die Härte nicht bestimmen, richtig?

Angesichts der vielen Riefen und Kratzer (und deren Tiefe und Glätte!) würde ich allerdings eher an einen weicheren Schiefer denken.

Und die Fotos reichen leider nicht aus, um zu erkennen, ob es sich bei den hellen Partien überhaupt um Einschlüsse handelt. Wenn ja, könnte es sich vielleicht auch um Pyritschiefer handeln.

LG Barbara

Hallo,
für mich sieht das mit den tiefen Riefen auch eher nach einem weicheren Gestein aus.
Und ich sehe da ein Amulett, die angebohrten Löcher sind die Augen, darunter Nase und Mund. Das ganze erscheint allerdings eher kindlich, naiv. Was aber überhaupt nichts über das Alter aussagt.
Viele Grüße

Jepp…

ist ein seltsames Teil…
@StoneMan Jürgen, hast Du irgendein Bauchgefühl bei dem Teil? Eher nicht, oder? Sonst hättest Du ja schon geantwortet…
Ich hatte die Dame gebeten mal die Dichte genauer zu bestimmen, aber ich denke der Überschlag reicht da schon…

Gruß
Thomas

Moin!

Wenn es sich doch um härteres Gestein handeln sollte, dann gäbe es für die Riefen eine natürliche Erklärung: Geschiebe-Spruren. Und dann ist eine Seite als Gesicht nachbearbeitet worden.

https://sammlung-online.stadtmuseum.de/Details/Index/508038

LG Barbara

@ Alle

Was Steine anbelangt, so beschäftige ich mich normalerweise nur mit Diamanten und sonstigen hochwertigen Edelsteinen ( :sunglasses: ), aber bei dem Amulett würde ich auf Turmalin tippen.

Turmalin gibt es mit schwarzer Haut und innen grau bis rötlich braun. Ebenfalls würden die Kristalriefeln passen, so wie die Dichte von 3,15 und 3,26.

Turmalin innen grau

Kristallriefeln im Rohstein

Die “Schnitte” kann man auch mit einer Feile ausführen und ansonsten schließe ich mich der Meinung von SvenHorn an.

Gruß
Kurti

Hallo,

es könnte sich bei dem Gestein möglicherweise um Gagat handeln.
Ein Gestein, welches von der Altsteinzeit bis heute Verwendung fand.
Ob es sich in der Tat um Gagat handelt kann man natürlich aus der Ferne überhaupt nicht fest machen.
Gagat fand jedenfalls eine vielseitige Verwendung.
Jedoch ist Gagat ein amorpher Kohlenstoff, Dichte 1,3; Härte von 2,5 bis 4, Farbe ist schwarz bis bräunlich.
Bucentaur

@ Bucentaur

Hallo Bucentaur,

in der Tat ist Gagat noch wahrscheinlicher. Da bin ich natürlich nicht drauf gekommen, denn in meinen Kreisen kennt man das bestenfalls als Brennstoff ! :rofl:
Hier mal ein Bild dazu:

Gruß
Kurti

ja,
und fand aber,
da relativ leicht zu bearbeiten auch Verwendung als Schmuckstein!
In der Nähe von Passau wurde z.B. ein stilisierter Fisch aus Gagat aufgelesen das zeitl. aus dem Magdalenien stammt.
Gruß
Bucentaur

@ Bucentaur

Hallo Bucentaur,

Gagat als Material ist so überzeugend, dass man das wohl auch im “Fatzebuch” akzeptieren wird ! :stuck_out_tongue_winking_eye:
Was die Zeitstellung anbelangt haben wir allerdings die freie Auswahl ! :thinking:

Gruß
Kurti

So ihr Lieben,

Danke Euch für Eure Einschätzungen… Habe das mal in verkürzter Form weitergegeben.
Mit Hinweis, sich beim zuständigen Amt zu melden… (nachdem wohl schon andere Infoeinsammelversuche gescheitert waren).
Gagath klingt sehr verlockend, hat aber eben eine recht geringe Dichte… die Ermittlung dauert noch an, oder kommt nie… :wink:

Gruß und ein schönes Wochenende!
Thomas

@ Irminfried

Hallo Irminfried,

was die Dichte anbelangt komme ich auf ca. 1,16 Gramm, wenn ich mit Maßen von 5,5o x 2,50 x 2,00 cm = 27,50 cm³ rechne ! 32,10 gr : 27,50 cm³ = 1,16 gr. Das wäre dann nahe an der Dichte von Gagat !
Erkläre doch dem Fragesteller mal das " Archimedesprinzip", um das tatsächliche Volumen zu bestimmen. Da Gagat schwerer ist als Wasser müßte es ja im Wasser untergehen und nicht schwimmen, tät ich meinen tun !?

Gruß
Kurti

Nachtrag:
Kommando zurück !!! :blush:
Ich habe mir in der Vergrößerung nochmal die “Dicke” des Stücks angeschaut. Das dürften wohl nur 1,50 cm sein und wenn ich die Rundungen noch abziehe, dann sind wohl deine 3,00 gr bis 3,50 gr für die Dichte wahrscheinlicher !
Das spräche dann wiederum für Turmalin oder dein Lydit, welches auch diese Quarzfalten aufweisen kann. Die Härte von beiden beträgt im Schnitt ca.7 Mohshärte. Bei beiden Materialien wäre wohl mit einem Schnitzmesserchen nicht gedient.

Gruß
Kurti

Moin Irminfried, moin @ll,

wenn ich mehr als ein Bauchgefühl hätte, hätte ich mich tatsächlich gemeldet, aber die ersten beiden Beiträge (Barbara und Sven) sind plausibel (weicheres Gestein) und da konnte ich nichts hinzufügen.

Solche “Dachbodenfunde” locken die Ämter leider, aber naturgemäß, nicht hinterm Ofen vor.

Gruß

Jürgen

@ StoneMan

Hallo Jürgen,

auf gut Deutsch, du kennst auch kein “weicheres” Gestein mit diesen typischen Kristallriefeln oder auch Quarzfalten genannt. Alleine schon die Begriffe Kristall und Quarz suggerieren bei mir aber “Härte” !?
Dazu jetzt meine Frage.
Angenommen die Mohshärte 7 träfe zu, wäre es dann möglich mit “Silex” in der Frühzeit die “Schnitzerei” herzustellen ?
In neuerer Zeit wäre es sicher mit einer Feile oder dünner Schleifscheibe für einen Laien möglich gewesen ! Das “Gesicht” sieht m.E. tatsächlich “gewollt” aus !?

Gruß
Kurti

Also für mich sieht das nicht nach Kristallstrukturen aus. Turmalin kann man auf Grund seiner Härte ohnehin ausschließen, da würde man kein Loch hineinbekommen, denke ich.
Viele Grüße

@ SvenHorn

Hallo SvenHorn,

wie erklärst du dir denn die glänzenden, schwarzen Riefel oder Falten?
Was das Bohren von Stein angeht, so waren viele der Lochäxte-und Beile aus Amphibolit, Aktinolith, Granit oder Diabas. Diese Gesteine haben eine Mohshärte von 6 bis 7. Eine Bohrung gelingt da schon mit Holz und Sand. Ansonsten z.Bsp. mit Feuersteinspitzen an einem Holzstab.
Was den Feuerstein anbetrifft konnte man mit Sicherheit Steine solcher Härte Ritzen. Mir ging es bei meiner Frage an Jürgen darum, ob man solche Keilfurchen damit machen konnte und ob er solches schon gesehen hat. Schrammen von Ackergeräten schließe ich eigentlich aus, denn dafür sieht das Gesicht mit den “gebohrten” Augen zu gewollt aus. Man sieht sogar darüber eingeritzte “Augenbrauen”. Denkbar wäre für mich noch, dass die Ritzungen vom Geröll oder Ackergerät stammen und man hat das Gesicht nur vervollkommt !?

Gruß
Kurti

Moin Kurti, moin @ll,

@ Kurti,

ich sehe in dem vorgestellten Stück keine “Kristallriefeln” und auch keine “Quarzfalten”.

Zum Gestein kann ich nur “weicheres” Gestein vermuten (ähnlich Schiefer ?), das kann man mit Silex / Flint / Feuerstein (Mohshärte von 6,5 bis 7) ritzen.

“Weich” ist relativ, so ein Stück Schiefer kann auch “hart” sein und dennoch von härterem Silex geritzt bzw. gebohrt werden.

Gruß

Jürgen

@kurti: du hast natürlich Recht, Gesteine hat man in der Steinzeit schon gebohrt, auch mit der Härte 6-7. Aber Mineralien mit solcher Kristallstruktur wie auch Turmalin (Härte 7) sollten so spröde sein, das man sie nicht so einfach bohren kann. Allerdings habe ich da keine Erfahrung und bin auch kein Mineralogie. Die Riefen sehen mir menschengemacht aus, aber eben auch in weicheres Gestein. Passend zu den Bohrungen.
Viele Grüße

@ StoneMan

Hallo Jürgen,

gut, dann eben keine Kristallriefeln ! Du hast da den besseren Durchblick ! :+1:

Was ist denn nach deiner Ansicht die Ursache für die schwarzen, glänzenden Riefeln? Sind es Geschiebespuren ? Die Bilder, der Links von Barbara, zeigen jedenfalls keine vergleichbaren Kratzer !
Ansonsten habe ich (außer den bereits genannten ) keine Steine mit solchen “natürlichen” Riefeln bei meiner Recherche gefunden. Du hast ja beste Verbindungen zu den Leuten von Steinkern und Co. Was sagen die dazu ?

Willi wills wissen, sagt Kurti ! :stuck_out_tongue_winking_eye:

Gruß
Heinz

Moin Kurti,

die Steinkerne sind Paläontologen und interessieren sich für Fossilien.

Ursache einiger dieser Riefen können durchaus intentionell sein, also von Menschen gemacht - die Bohrungen sprechen dafür.
“Geschiebespuren” in diesem Sinne sehe ich nicht. Einige Kratzer werden durch Kryoturbation (Erdbewegungen durch Frost und andere Einflüsse) entstanden sein.

Hier sieht man wie wichtig der Fundort sein kann, denn der würde das Gestein ggf. eingrenzen können.

Fundort (Erdzeitschicht), Dichte, Härte u.a. kann man nicht mittels Foto ermitteln. Ich wiederhole mich, wenn ich sage, Gesteinsarten lediglich durch Fotos zu bestimmen, ist fast nicht möglich.

Fazit:

…und mich eigentlich auch nicht :stuck_out_tongue_winking_eye:

Spaß beiseite, es ist eben zu müßig, denn Bestimmung mittels Bildvergleiche geht in so einem Falle kaum bis gar nicht.

Gruß

Jürgen

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