Liebe Freunde der Mittelalterarchäologie,
dieses Gefäß wurde Anfang der 1990-er Jahre von mir als Ehrenamtlichen Beauftragten des LAD-BW bei der Sanierung des Unteren Schlosses, dem heutigen Rathaus, von Neuhausen/Fildern im Auftrag der Landesarchäologie geborgen. Es lag zerscherbt direkt unter dem ausgebauten Fußboden eines Raumes im Erdgeschoß in einer, sagen wir, Bauschuttschicht. Dahin gelangt vermutlich bei einer früheren Umbaumassnahme. Die Mittelalterkeramiker des LAD haben es als Blumentopf/Übertopf angesprochen, mit der Zusatzbemerkung “sowas noch nie gesehen”. Es hat mehrere Löcher im Boden (Wasserablauf?), ist nicht glasiert aber bemalt. Eine breit gestreute Anfrage der Referatsleitung und der Mittelalterarchäologie der Uni Tübingen brachte die zeitliche Einschätzung um 1700, stylistisch möglicherweise Bezug nehmend auf die Türkenbelagerung von Wien und ähnliche und den Verweis auf ähnliche zeitgleiche Pfeifenköpfe. Aber sowas noch nie gesehen. Es ist ein Januskopf, eine Seitezeigt ein moustachebärtiges Gesicht mit Turban, auf der anderen das fragmentierte Gesicht eines schwarzen Menschen. Beide Ohren haben Löcher für Ringe.
Das Gefäß beindet sich in der Schausammlung des Archäologischen Landesmuseums in Rastatt.
Vielleicht ist Ihnen schon mal irgendwo sowas begegnet.
