Der Unterschied zwischen Kelten und Germanen

Hallo zusammen, Bereits Julius Caesar und Tacitus hatten Probleme, den Unterschied zwischen Kelten und Germanen genau zu beschreiben. Der Name “Kelten” stammt von den Griechen und der Name “Germanen” wiederum von den Kelten. Die Unterschiede sind m.E. immer noch unklar. Wichtiges Unterschiedsmerkmal: Während die Kelten eine ehrenvolle Kaste der Druiden mit Verantwortung für die Religion und die Justizregeln kannten, fehlte diese Kaste bei den Germanen. Mir ist nun afgefallen, dass im neuen dtv-Atlas "Weltgeschichte 2006 (auf Seite 18) bereits in der Bronzezeit zwischen den Bereichen “Nordische Bronzezeit” und “Hügelgräberkultur” eine Lücke eingezeichnet wurde. Innerhalb dieser Lücke mit einer Nord-Süd-Distanz von ca. 200 km, die sich in etwa erstreckt von der Nordsee bis zur Oder zwischen den Breitengraden von Bremen und Koblenz, wurden während der Bronzezeit keine Bernsteinfundstellen registriert. Nördlich dieser Lücke (im späteren Germanenbereich) und südlich dieser Lücke (im späteren Keltenbereich), sowie östlich der Oder werden dagegen viele Bernsteinfundstellen registriert. (Quelle: Christa Stahl: Mitteleuropäische Bernsteinfunde von der Frühbronze-bis zur Frühlatenezeit, Verlag: J.H. Röll 2006, ISBN 3-89754-245-5 Dissertation 2004 Philosophische Fakultät der Julius-Maximilian-Universität Würzburg). Diese Lücke deutet m.E. deshalb auf eine geringe Bevölkerungsdichte. Frage: Weiß jemand, ob diese Zone mit geringer Bevölkerungsdichte zwischen Kelten- und Germanenbereich an anderer Stelle nachgewiesen werden kann oder andere Gründe für den Unterschied zwischen Kelten und Germanen angegeben werden? Für Hinweise bedanke ich mich im Voraus. Mit freundlichen Grüssen, -JOR-

vieleicht hat man bisher ja auch nur die Richtigen Funde noch nicht gemacht? :wink: Gruß Kadesch

Hallo Kadesch Inzwischen habe ich tatsächlich einige Details zum Thema Kelten und Germanen herausgefunden. Als ich die Frage vor einigen Monaten ins Forum platzierte, war ich der Meinung, dass der Bernstein im Altertum ausschließlich an der Nordsee und an der Ostsee gefunden und von den Germanen und Kelten in den Süden exportiert wurde. Das stimmt jedoch nicht ganz. Es gibt noch viel mehr Bernsteinvorkommen südlich dieser Küstenregionen. Germanen und Kelten haben die Bernsteinquellen ausgebeutet und zunächst lokal (nördlich der Alpen) verhandelt. Die Fernhandelsrouten in den Süden sind lt. Stahl-Arbeit(Mitteleuropäische Bernsteinfunde von der Frühbronze- bis zur Frühlatenezeit, Christa Stahl, Verlag J.H. Röll, Dettelbach ISBN 3-89754-245-5) erst später entstanden. Es ist daher denkbar, dass die Kelten und Germanen längere Zeit getrennt voneinander gelebt haben. Die Argonauten, die in vorchristlicher Zeit Bernsteinvorkommen geortet haben, sind offensichtlich zunächst nach Norditalien (Apenninen), Südfrankreich (Rhonemündung) und ggf. auch nach Nordspanien (Pyrenäen) gesegelt. Die europäische Bernsteinvorkommen sind sehr detailliert beschrieben in Buch: Bernstein-Tränen der Götter von M. Ganzelewski und R. Slotta (Version 1996, ISBN 3-7739-0665-X) Darin wird dokumentiert, dass Bernstein praktisch überall in Europa gefunden wird. Allerdings sind viele Fundstellen, die im Altertum nachweislich ergiebig ausgebeutet wurden, heute erschöpft. Eine Übersichtskarte dieser Bernsteinfundstellen (nach Stahl-Arbeit und aus dem Buch “Bernstein” von Ganzelewski/Slotta) habe ich in folgendem Manuskript veröffentlicht: http://www.joannesrichter.homepage.t-online.de/Androgyn/Bernsteinrouten_BK.pdf Aus heutiger Sicht kann ich feststellen, dass etwa die Hälfte dieser Bernsteinvorkommen einen sog. “Brenner”-Namen führt, z.B. Pyrenäen (von Griechisch Pur = Feuer), Amberes (Antwerpen) und die französischen Departments Bearn und Brenne, sowie das Berner Land in der Schweiz. Aus archäologischer Sicht ist interessant, ob man noch nachweisen kann, wie unsere Vorfahren den Bernstein gewonnen haben. Dazu habe ich die sog. Lehmgruben in Verdacht, die innerhalb vielen, alten Siedlungen nachweislich vorliegen. Man hat zum Beispiel in den Steinzeitsiedlungen Köln-Lindental und Arnsbach die Wohnräume und die sehr umfangreichen Lehmgruben weit voneinander entfernt angelegt. Die Lehmgruben mit i.d.R. “sehr unebenen” Bodenflächen gehörten offensichtlich nicht zum Wohnraum oder zum Vorratskellerraum und wurden trotzdem durch Umwallungen gegen Angriffen geschützt. Eine Umwallung deutet auf wertvollen Besitztümer und wäre für reine Tonquelle oder als “Pferch für die Schweinezucht” eine zu kostspielige Investition. Wie man Bernstein in Lehmgruben findet, hat Theodor Fontane genau beschrieben in in seinem Aufsatz Wanderungen durch die Mark Brandenburg aus dem Jahr 1870 beschrieben: „Distrikt Glindow ist etwa zwei Quadratmeilen groß (vier Meilen lang und eine halbe Meile breit) und zerfällt in einen Bezirk diesseits und jenseits der Havel… Der Lehm in diesen Bergen ist sehr mächtig. Dabei mag als etwas Absonderliches hervorgehoben werden, dass sich in diesen Lehmlagern Bernstein findet, und zwar in erheblicher Menge. Die meisten Stücke sind haselnussgroß und somit ohne besonderen Wert, es finden sich aber auch Stücke von der Größe einer Faust, dabei sehr schön, die bis zu fünfundzwanzig Talern verkauft werden. Wer solch Stück findet, hat einen Festtag…“. Vielleicht weiss jemand, ob Archäologen tatsächlich Bernsteinstücke in den keltischen Lehmgruben gefunden haben. Grüsse, Joannes Richter
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