kiffende Römer?

Hallo allerseits, es ist ja allgemein bekannt, dass in Rom gern dem Wein zugesprochen wurde. Vermutlich haben die Legionäre auch mal gallisches Bier probiert. Was ist bekannt über deren Umgang mit anderen Rauschmitteln , wie z.B. Haschisch oder Pilzen?

Hallo Matogoro, Deine Frage hat auch mich interessiert und ich habe mich deshalb etwas kundig gemacht. Demnach hat man z.Bsp. die berauschende Wirkung des Mohns schon bei den Sumerern gekannt. Man schließt das aus dem Namen für die Mohnpflanze, die man Pflanze der Freude nannte. Er wurde wohl vornehmlich bei Mysterienkulten verwendet. In Ägypten fand man Vasen (um 1500 v.Chr.) die eindeutig eine angeschnittene Mohnkapsel darstellen. Bei chemischen Untersuchungen konnten Mohnreste eindeutig nachgewiesen werden. (Kreutel 1988) Es ist umstritten, ob das ägyptische Wort ‘spn’ oder ‘shepen’ wirklich, wie angenommen, Mohn heißt. Wenn es aber stimmt, so war Opium in über 700 Arzneimitteln enthalten. Die Verwendung als Medizin war auch in Griechenland verbreitet. Man kannte aber auch die berauschende Wirkung des Opiums. Bereits Homer schreibt in seiner Odyssee, daß Telamachos wegen der erfolglosen Suche nach seinem Vater verzweifelt war und Helena ihm Nepenthes gab. Das war ein Mittel was einem das Gedächtnis an Leid und Schmerz nahm. So wurden z.Bsp. die Häupter von Gottheiten wie Hypnos ( der Schlaf), Nyx ( die Nacht) und Thanathos (der Tod) mit Mohn bekränzt. Plinius d.Ä. sagt, daß sowohl Diagoras von Melos (Arzt) als auch Epistratos den Gebrauch von Opium bei Ohrenschmerzen zurückwiesen, weil sie es als starkes Gift betrachteten und man sich daran gewöhnt. ( die Suchtgefahr war also offensichtlich schon bekannt) Vom Hanf berichtet Herodot, daß die Skythen im Rauch der Hanfkörner badeten. Die Orakelpriesterinnen in Delphi sollen sich durch das Einatmen von Lorbeerrauch in Stimmung versetzt haben. Das Einatmen von Kräuterrauch ( Huflattich, Lavendel, Majoran, Feldthymian und Kümmel) zu Heilzwecken war jedenfalls in Griechenland und Rom üblich.Das Rauchen von Kräutern war wahrscheinlich schon vor der Römerzeit bei den Kelten bekannt. Es sind in Keltensiedlungen kleine Bronzepfeifen gefunden worden. Man vermutet den Gebrauch deshalb schon für die Bronzezeit. ( Menzel-Tettenborn 1974) Die Kelten mischten z.Bsp. ihren kranken und weinenden Kindern Mohnsaft in den Brei, um den Schlaf herbeizuführen. Die Germanen pflanzten Mohn auf dem Odainsackr an und diese Äcker waren Stätten der Genesung. Bei der ganzen Gesundraucherei und medizinischer Einnahme dürfte aber die berauschende Wirkung nach und nach in den Vordergrund gerückt sein. Was Deine Frage nach den kiffenden Römern anbelangt, so schreibt Dio Cassius vom Donau Feldzug des Kaisers Marc Aurel: „Er konnte die Kälte nicht ertragen und auch nicht zu den versammelten Truppen sprechen, und er aß sehr wenig, und nur nachts. Während des Tages nahm er nichts zu sich außer der Droge, die Theriak (eine Medizin die Opium enthält) genannt wird … Man sagt, daß diese Gewohnheit es ihm möglich machte, diese und andere Dinge zu ertragen." Schon Otto Zierer schreibt in seinen Bänden Bild der Jahrhunderte darüber. Damit ich mir jetzt nicht alles einzeln zusammenklauben muß hier eine Zusammenfassung von Dr.Winfried Hoerster in der StK - Zeitschrift für angewandte Schmerztherapie über das Thema: Theriak, ebenfalls eine Mixtur unterschiedlichster Zusammensetzung, war immer mit reichlich Mohnsaft versetzt. Der Begriff „Theriak“ wurde erstmals von NIKANDROS ca. 170 v. Chr. erwähnt. Von zahlreichen berühmten Ärzten im römischen Imperium sind verschiedenste Mixturen überliefert: GALENUS von Pergamon, HEROPHILUS von Alexandria und APOLLODORIUS. Theriak spielte eine ungeheuer wichtige Rolle nicht nur im Arzneimittelschatz, sondern mehr noch als Lust und Laster verschaffende Droge im Laufe der Jahrhunderte quer durch die römische, arabische und scholastische Apotheke bis ins 19. Jahrhundert. Alle Ärzte in der römischen Geschichte haben mit Mithridat und Theriak experimentiert. Die verschiedensten Mixturen wurden üblicherweise an Straftätern und Sklaven getestet, ehe sie dann zum allgemeinen Gebrauch freigegeben werden konnten. Nicht nur Kaiser NERO hat es täglich eingenommen, auch MARC AUREL, wie GALENUS beschrieben hat. TITUS ist an einer Überdosis Theriak verstorben, HADRIAN hat den Tod seines Lustknaben ANTINOUS nur im Opiumrausch ertragen können. MARC AUREL, der Philosoph auf dem Kaiserthron, war opiumsüchtig. In den Schriften seines Leibarztes GALENUS von Pergamon finden wir deutliche Hinweise einer echten Abhängigkeit: MARC AUREL hat täglich Theriak zur „Immunisierung“ eingenommen. Das römische Reich wurde gerade von einer Pestepidemie durchzogen und GALENUS empfahl Theriak als Schutz vor Ansteckung. Als der Kaiser über seinen Staatsgeschäften häufiger benommen einnickte, ließ er den Mohnsaft weg. Dies führte zu schlaflosen Nächten voller Unruhe, so dass er vom opiumhaltigen Theriak wieder gezwungenermaßen einnahm. Während MARC AUREL Krieg führte, vergnügte sich seine Frau FAUSTINA mit Hilfe der süßen Pillen aus Mohnsaft mit der römischen Gesellschaft auf das liederlichste. Kaiser SEPTIMUS hatte Opium für den allgemeinen Gebrauch freigegeben. Der Bedarf stieg so rasch an, dass die Anbaugebiete des Imperiums den Bedarf nicht mehr decken konnten, so dass Opium u. a. auch aus Indien importiert werden musste. Das waren, im wahrsten Sinn des Wortes, berauschende Zeiten im alten Rom. Gruß Kurti

Hallo, das ist wirklich eine interessante Geschichte. Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Eine Frage habe ich noch: gibt es außer den erwähnten Bronzepfeifen noch andere archäologische Belege, Gerätschaften, Pfeifen aus römischer Zeit? Danke und Grüße matogoro

Hallo Matogoro, Zitat: …gibt es außer den erwähnten Bronzepfeiffen noch andere archäologische Belege, Gerätschaften, Pfeifen aus römischer Zeit? Ende Nach meinem Wissen gibt es keine historischen Berichte, die explizit aussagen, daß aus Pfeifen geraucht wurde und schon garnicht, daß geraucht wurde, um sich zu berauschen. Antike Ärzte und Geschichtsschreiber berichten ausschließlich vom Räucherwerk zu kultischen Zwecken und vom Inhalieren des Rauches zu medizinischen Zwecken. Plinius der ältere schreibt z.Bsp.: Bei veraltetem Husten sollen wir Huflattichwurzeln auf glühende Zypressenkohlen legen und den entstehenden Rauch durch einen Trichter einatmen. An anderer Stelle spricht er von Röhrchen und berichtet, daß nach jedem Raucheinzug ein Schluck Wein eingenommen wird. Da man heute die Wirkung der ätherischen Öle der verwendeten Pflanzen genau kennt, kann man mit Sicherheit sagen, daß durch das Inhalieren Rauschzustände hervorgerufen wurden und zwar sowohl durch das Einatmen von Räucheropfern bei Ritualen wie beim Inhalieren zu Heilzwecken. Das kann man auch aus den Schilderungen über die Praktiken der Räucherzeremonien von Priestern, Sehern und Schamanen entnehmen, so daß daran eigentlich kein Zweifel besteht. Was nun die Rauchutensilien anbelangt, so habe ich mich mal in anderen Foren umgesehen. Demnach liegen in der Münchener Staatssammlung Pfeifenköpfe mit der Legende: “hallstattzeitliche Pfeifenköpfe” (Fundort Oberpfalz).“ In Salzburg im Carolinum Augusteum liegt eine Pfeife aus dem 3-4.Jhdt n.Chr. ( 15 cm lang, gerader Stiel, zylindrischer Pfeifenkopf, Mundstück deutlich abgesetzt ) mit der Legende: "Pfeife aus Eisen, gefunden in einem römischen Gutshof in Kemating bei Bergheim…“ Im Archäologischen Landesmuseum Zürich liegt eine Pfeife mit der Legende: Fragment einer Pfeife aus Eisen. Lenzburg Kanton Aargau. Von letzterer hier ein Foto: [inline Pfeifenfragm.Schweiz.jpg] Herr Dr. Articus (Helms-Museum Hamburg) schreibt zu dieser Pfeife: Zitat: Lieber Herr …, interessant, dass das Archäologische Landesmuseum so dem Forschungsstand hinterherhinkt. Es sind tatsächlich metallene Rauchpfeifen, aber nicht aus der Römerzeit, sondern aus dem 18./19. Jahrhundert, über die ich in unserer Fachzeitschrift “Knasterkopf” mal berichtet habe. Die Römer haben definitiv nicht in heutigem Sinne geraucht. Ich werde den Kollegen dort mal meinen Aufsatz schicken, damit sie das korrigieren können. Vielen Dank für den Hinweis ! Ihr Rüdiger Articus Ende Zu den Pfeifen in München und den schweizer Funden äußert man in Fachkreisen, daß die eisenzeitlichen Funde Saugfläschchen sind und die römischen, eisernen Pfeifen aus dem 18./19. Jahrhundert n.Chr. stammen, die bei den Grabungen nicht aussortiert wurden. Da wäre dann noch die Pfeife in Salzburg aus dem römischen Gutshof. Auch ein Sortierungsfehler? Mir sind das jedenfalls etwas zu viele Fehler an völlig unterschiedlichen Orten. Mir scheint, daß Dr.Articus noch so manches Museum anschreiben muß. Vielleicht weiß aber einer unserer Forumsarchäologen etwas darüber. Gruß Kurti attachment_587.jpg