mit 41 noch Archäologie studieren!

Hallo, Villeicht interessiert es ja jemanden: Im Gegensatz zu vielen (allen?) hier bin ich ja ein alter “Sack” und beneide alle diejenigen, die mit 26 vor der Entscheidung stehen, ob oder ob nicht Archäologie. Also an diesem Punkt stand ich auch einmal und hab mich für einen sicheren und gutbezahlten Job entscheiden. Es lief alles wie von selbst: ich machte mich selstständig, gründete eine Familie, baute ein Haus. Nur da war immer dieses dumpfe Gefühl, das ich verdrängte. Wer kann sich schon selbst verwirklichen? Einige wenige Previligierte nur, Künstler vielleicht, dachte ich. Mach einfach weiter, so wie alle anderen. Aber entweder du bewegst dich nur auf ausgetretenen Wegen und bist so von Charakter, daß du deinen Lebenstraum irgendwann als pubertäre Träumerei begräbst, oder du beschreitest, wenn es an der Zeit ist, doch einmal die “überwachsenen Pfade”. Du must dann natürlich eine Menge Gestrüpp beiseite räumen. Eine Lebensplanung mit Anfang bzw. Mitte 20 auszurichten auf eine sichere Anstellung bis zum Renteneintritsalter, dieser Gedankengang ist zwar elterngerecht, ging aber in meinem Fall vollkommen an mir vorbei. Vor 2 Monaten hab ich meinen Betrieb verkauft. Das Geld reicht für genau 5 Jahre. Zum Wintersemester 2003 schreib ich mich in “Vor- u. Frühgeschichte” ein und freu mich wie ein kleines Kind. Nur über die Nebenfächer bin ich mir noch nicht ganz im klaren. Kunstgeschichte? Und was noch? Klassische Archäologie ist bei uns leider im Moment für Erstsemester gesperrt (“Hoch leben die Betriebswirte”). Vielleicht hat jemand einen Tip?

Das nenn ich doch mal mutig;-) Hallo hamsun. Willkommen in der Welt derjenigen, die verrückt genug sind, ihren Traum zu leben. Du (geht das in Ordnung?) bist vielleicht ein wenig oberhalb der normalen Altersgruppe, was das Archäologie-Studium angeht, aber ich kenne auch den ein oder anderen, der weit über 30 erst angefangen hat. Viele von denen jobben nebenbei in ihrem alten Beruf. Was die Fächer-Kombi angeht, ist Kunstgeschichte schon nicht schlecht. Wenn Du Dich für die Antike interessierst, wäre natürlich Klass. Arch. ganz gut, vielleicht kannst Du ja später noch einsteigen. Ein Nebenfach kann man sich immer noch mal zulegen und auch wechseln. Günstig wären auch Alte oder Mittelalterliche Geschichte, Geographie oder - wenn Dich ein bestimmtes Land/Region interessierst - Ägyptologie, Vorderasiatische Archäologie, Altamerikanistik; Skandinavistik,… Ein “normaler” Student würde sich die geeignete Uni aussuchen, bei Dir scheint das wohl nicht einfach so möglich zu sein, oder? Besorg Dir doch einfach Info-Material von den verschiedenen Fächern und guck Dir mal so ein paar Veranstaltungen an. Wenn Du momentan nichts zu tun hast:stuck_out_tongue_winking_eye: - geh doch einfach mal in ein paar Vorlesungen in den verschiedenen Fächern oder besuch die Studieninfo (gibt’s ja auch in der Studentenvariante für einfachere Kommunikation). Ich wünsch Dir jedenfalls alles Gute und einen Job danach[unsure]. Anni

Hallo Anni, danke für deinen Zuspruch. Natürlich ist das mit dem “Du” ok; nur weil ich vielleicht 20 Jahre (?) älter bin, ist das noch lange kein Grund mich zu siezen. Nicht immer sind Alter und graue Haare (also das ist jetzt nicht auf mich gemünzt) Ausdruck einer sich entwickelnden Persönlichkeit oder Lebenserfahrung, der man überzogenen Respekt entgegen bringen sollte. Viele haben einfach nur mehr Jahre auf dem Buckel (Puckel?), mehr nicht. Im Bundesangestelltentarif (BAT) ist das Hauptkriterium der Höherstufung und der damit verbundenen Gehaltssteigerung einfach nur älter zu werden. Also, ich find das kein großes Verdienst, das wird man ja ohnehin. Ich glaub das ist aber ein typisch deutscher Ansatz. Ouuh, jetzt komm ich aber gewaltig vom Thema ab. Sorry. Zur Nebenfächerwahl: Ich dachte eventuell auch an Geologie. Wie wäre das? Das wird von unserem Lehrstuhlinhaber auch sehr gerne gesehen. Bis Studienbeginn wollte ich eigentlich mich mit Latein auseinandersetzen, denn da bin absoluter Frischling; bin aber zu allem bereit und möchte da so schnell wie möglich durch. An einigen Stellen wurde hier die Möglichkeit eines privaten Schulungsanghebotes angedeutet, als Fernstudium. Daran wäre ich sehr interessiert. Gibt es da irgendwas Empfehlenswertes? Und wie ist die Aktzeptanz eines solchen Zertifikates bei den Unis? Und was den Job danach betrifft, freu ich mich schon auf den Kampf Mann gegen viel jüngeren Mann (Frau) um die viel zu wenigen Möglichkeiten des entgeltlichen Arbeitens. (Das meinte ich jetzt nicht ganz ernst). Aber das wird man sehen, wenn es soweit ist. Länger als 5 Jahre wird nicht mehr im Voraus gedacht. Das hab ich mir geschworen. Bis dann Claus (mit Hamsun kann ich doch nicht signieren, das wär anmaßend!)

Hi! Finde es auch große Klasse, dass Du den Mut hast Deinen Traum zu verwirklichen! Respekt!:wink: Mein Freund ist auch schon in Deinem “reiferen Alter” (:stuck_out_tongue_winking_eye:) und studiert ebenfalls UFG, also bist nicht völlig allein. Wo wirst Du eigentlich studieren?? Das mit Geologie als NF ist eine sehr gute Idee, braucht man als Archäologe ständig. Ciao Jana

Hallo Jana, schön, daß es noch Gleichgesinnte gibt, denn in meiner Familie und meinem Bekanntenkreis hat mich die überwiegende Mehrheit für total durchgeknallt erklärt:-O, ausnehmend meiner Liebsten (Frau) :-*>, die mein Abenteuer zu unserem erklärt hat. Außerdem lieg ich weder jemandem auf der Pelle, noch bin ich finanziell von jemand abhängig :smirk: und Rechenschaft nur mir selbst schuldig. Und bzgl. des “reifen Alters”, ist das ja wie mit dem Wein, das weißt Du ja. B-) ( um ausnahmsweise mal eine abgegriffene Floskel zu benutzen) Aber vielleicht kannst Du mir ja einen Tipp geben wegen meines unstillbaren Verlangens Latein zu lernen, insbesondere bzgl. Fernstudium, Dauer und Anerkennung? Wär` echt dankbar.

Ach ja, ich werd wahrscheinlich in Saarbrücken studieren. Trier stünde auch noch zur Wahl, wäre aber mit einer täglichen Autofahrt von 2 h verbunden.

Hi! Also ich weiß, dass ein Fernstudium über die Studiengemeinschaft Darmstadt möglich ist. Da bekommst Du Hefte fürs Selbststudium, sind recht gut zu verstehen. Außerdem gibt es an der Uni sicherlich Lateinkurse, wo man innerhalb von drei Semestern diese tolle Sprache lernen, Ciao Jana

Hallo hamsum, ich finde es auch sehr gut das du dich entschlossen hast Archäologie zu studieren. Besonders wenn man andere in deinem Alter betrachtet: Auch wenn sie zum Beispiel viel Geld verdienen. Aber ich glaube nicht das es eine Erfüllung ist wenn sie jeden Tag aufstehen, zur Arbeit gehen, irgend etwas machen das ihnen keinen Spass macht und ihr leben nicht erfüllt. Dann geschafft nach Hause kommen, kaum mit den vielleicht vorhandenen Kinder kommunizieren und schlafen gehen. Und am nächsten Tag alles von vorne. Es kann vielleicht auch nicht jeder machen was er will. Aber wenn sie dann kaum über irgendetwas nachdenken, sich für nichts interessieren. Ihnen zum Beispiel egal ist was für eine verschmutzte Umwelt wir unseren Nachfahren hinterlassen, finde ich das sehr traurig. (Ich bin ganz schön vom eigentlichen Thema abgekommen:-*>) Jedenfalls würde ich auch gern Archäologie studieren. Ich stehe noch ganz am Anfang. Eins meiner Probleme war natürlich die Unsicherheit in diesem Beruf. Wirkliche mentalische Unterstützung bekomme ich leider nicht. Aber durch das was du geschrieben hast ist mir auch klar geworden das mir irgend ein Job wo ich vielleicht viel Geld verdiene nichts bringt. Denn ich könnte niemals glücklich werden. Und mich selbst könnte ich auch niemals entdecken. Denn ich wäre nicht wirklich ich selbst. Ich würde mich auf eine Antwort freuen. Amaunet