Welches Gebiet wurde von den alten Griechen unter Europa verstanden?

Hallo, welches Gebiet meinten die alten Griechen* wenn sie den Begriff Europa verwendete genau? Entspricht das dem heutigen Spanien? *) Mit alten Griechen meine ich z.B. Plato etc. Vielen Dank Michael

Wenn ich das noch recht im Kopf habe, beinhaltet der Begriff nicht die geographische Bedeutung heutiger Zeit, sondern eher als Abgrenzung von der griechisch zur persisch beherrschten Welt. Mehr müsste hier zu finden sein: Linda-Marie Günther: Die Wurzeln Europas in der Antike. Bildungsballast oder Orientierungswissen? Bochum, 2004

Hallo Konstantin, hmm, hier steht von Fr. Prof. Linda-Marie Günther dass die Entwicklung von Europa als geopolitischen Begriff im zweiten Jahrhundert v. Chr stattfand. Platon (+347 v. Chr.) hat diesen Begriff aber schon deutlich früher als geopolitisch eingesetzt! Was stimmt den nun?

Ich muss gestehen, daher ein wenn und müsste. Ich habe mal in dieses Buch reingeschaut und das wars dann auch. Daher ziehe ich meine Äusserung zurück :smirk:

Also wen meinst du mit “alte Griechen”. Vor der Zeit der ersten zaghaften Kolonisationen, endete die Griechische Welt bei den “Säulen des Herakles”, die zu dieser Zeit - wenn ich recht informiert bin, noch in etwa bei Sizilien verortet wurden. Erst später rückten sie weiter nach Westen. Wenn man den Begriff “Europa” vom Mythos her interpretieren will (Ranke-Graves, Griechische Mythologie. Quellen und Deutung, 175) ist “Europa” wohl am ehesten auf Kreta zu beziehen. Der Mythos von der Entführung der Europa nach Kreta scheint laut Ranke-Graves, auf eine nachweisbare Fluchtwelle Kananäischer Stämme anfangs des 2. Jahrtausends zu beruhen, der dann nach einer ersten hellenischen Invasion Kretas vom Festland (Mitte 2. Jahrtausend vC) her mit diesem zweiten Ereignis mythisch verschmolz. (Das ist eine angebotenen Interpretationen an der angegebenen Stelle.) In dem Buch tauchen zwar gewagte weitreichende Interpretationen auf, aber ich finde es spannend zu lesen. Wenn ich ihn aber richtig auf die Fragestellung hin deute, bedeutet “Europa” das hellenische “Griechenland” (noch ohne feste Grenzen) in Abgrenzung zu den “Asiaten und Afrikanern” (Semiten, Phönikier, Ägypter…, was halt so alles auf der anderen Seite der Dardanellen und des Meeres existierte. Das Gebiet jenseits Italiens war anfangs bestimmt noch nicht mitgemeint, weil schlichtweg noch nicht bekannt. Hängt aber - wie gesagt - alles davon ab, wer für dich die “alten Griechen” sind.

hallo, also mich würde interessieren wie das Weltbild zu Sokrates/Platons Lebzeiten ausgesehen hat. Insbesondere eine geografische Eingrenzung Europas und aller bekannten Länder. Mich würde auch interessieren ob Spanien (bzw. das dementsprechende Gebiet) ursprünglich was mit Europa zu tun hatte. Also ob es Europa war oder dazugehört hat. Inzwischen habe ich zwar diese Weltkarte von Hekataios von Milet gefunden (passt genau in diese Zeit (eins zwei Generationen vor Sokrates) aber ich weiss nicht wie verbindlich die Karte ist da die originale wohl nicht mehr existiert. Zu dieser Zeit waren die Säulen des Herakles wohl da wo sie auch heute noch sind denke ich mal.

Ehrlich gesagt, habe ich da auch nicht so wahnsinnig viel drüber gelesen. Also zu der Zeit, die Du jetzt nennst, sind wir ja schon in der klassischen Periode, wie die Deutschen das nennen. Da ist das, was Du zitierst sicher schon Allgemeingut. Ich meine mich auch erinnern zu können, das die Phönizier (halt keine Griechen) auch - zumindest für Expeditionen - über die Säulen des Herakles hinausgestoßen sind und sicher auch die Britischen Inseln kannten. Die Griechen zu dieser Zeit wußten davon wahrscheinlich nichts. Es gibt zwar im Werk des Apollonios von Rhodos, Argonautika, einen Hinweis auf den Rhodanus/Erdianus, die allerdings mit dem Festland verbunden scheint, getrennt von den keltischen Seen (vielleicht ein Reflex der Meerenge zwischen England und dem Festland). Aber ich Apollonius greift ganz sicher schon auf hellenistische Erkenntnisse zurück, als er die schon vorhomerische Sage niederschreibt. Grob würde ich aber folgendes sagen: bis zur homerischen Zeit, erstreckte sich die Kenntnis der Griechen bis etwa Sizilien (Skylla und Charybdis) und basierte zum Teil noch auf den mythischen Karten der Babylonier und Sumerer. Die Weltkarte des Anaximander (um 550 vC) ist auch die Basis für die Weltkarte des Hektaios von Milet. Letzterer verbesserte seine Kenntnisse nicht nur durch eigene Reisen, sondern auch durch die Übernahme von Infos von Skylax von Karyanda, der im Autrag von Darius I. um 500 vC bis nach Indien und den Arabischen Golf unterwegs war. Nächster Sprung war Eudoxos von Knidos (4. Jhd vC), der aufgrund von Parmenides Annahme der Kugelgestalt der Erde, Klimata in Abhängigkeit von der Neigung der Sonnenstrahlen annahm und erste Höhenberechnungen von Bergen anstellte. Die Griechen erfuhren von den britischen Inseln wohl erst mit den Fahrten des Pytheas von Massilia (4.Jhd vC), die den griechischen Horizont bis nach Irland erweiterten. Aber erst Eratosthenes (3.Jhd) schuf das, was sich dann später zur Kartographie entwickelte im Unterschied von der Ethnographie, die er aus seinem Werk ausgliederte. Das kann man aber auch alles ergoogeln.