Blaue Glasperle aus dem Fundgebiet!

Hallo Freunde der Archäologie, - als ich das Fundgebiet am Freitag das letzte Mal für dieses Jahr abgegangen bin (inzwischen liegt Schnee), habe ich neben etlichen Keramikscherben eine blaue Glasperle vom Acker aufgelesen. Leider ist diese nach dem Auftauen in zwei Teile auseinander gefallen. Wobei man am Scan der Bruchkanten schön sieht, dass dieser Bruch in der innere Struktur schon vorhanden war. - Hier sind die Scans. - - - Was denkt ihr, Neuzeit, Mittelalter, Römerzeit oder Keltenzeit?

Monochrome, blaue Perlen sind zeitlos. Besonders als Lesefund. Ins keltische Spektrum passt sie nicht. Dagegen spricht die Form und die dünne Durchlochung.  Schau mal mit der Lupe oder dem Mikroskop ob sie Luftblasen und Verunreinigungen enthält. Würde beides fehlen, spricht das auch für jüngers Glas. K:-)

  • Hallo Quinar, - keltisch schließe ich, so wie du wegen dem kleinen Loch nach intensiver Recherche auch aus (untypisch). Es befinden sich aber kleine Bläschen in der Glasperle. Sie kann =glasperle&no_cache=1]römisch, spätantik/frühmittelalterlich, slawisch, mittelalterlich, oder natürlich auch neuzeitlich sein. Ich bin hier total unvoreingenommen. Kärnten hat ja eine sehr facettenreiche Siedlungsgeschichte mit vielen Möglichkeiten. Hier eine grobe Abfolge dazu: - - Vorkeltische Bevölkerung (deren Herkunft einigermaßen im Dunkeln liegt). - Europas größter Waffenweihefund vom Laaser Riegel/Förk (pdf-Datei - Artikel ab Seite 15) aus dem 4 Jh.v.Chr. bei Nötsch im Gailtal. Landesmuseum Kärnten - - ca. ab dem 3. Jh.v.Chr. Zusammenschluss der vorkeltischen und keltischen Stämme unter den Norikern und Freundschaftsvertrag (Bündnis) mit Rom. Die Römer hatten es bei uns vor allem auf das damals berühmte “Ferrum Noricum” und auf das Tauerngold abgesehen. Die Hauptstadt dieses Reichs befand sich wohl auf dem Magdalensberg. - - 15. v.Chr. friedliche Integration Noricums als Provinz in das römische Reich. Gründung der neuen Hauptstadt Virunum, welche heute zum größten Teil unter Ackerboden liegt. - - ab dem 5. Jh.n.Chr. Völkerwanderungszeit mit Niedergang der römischen Restverwaltung. Die Ostgoten unter Theoderich herrschen über Teile Kärntens, kulturelle Nachblüte mit überregional wichtigem frühchristlichem Pilgerzentrum auf dem Hemmaberg bei Globasnitz mit 5 ergrabenen gleichzeitigen frühchristlichen Kirchenanlagen, darunter wurden zwei als arianisch/ostgotisch bestimmt, sowie ein ostgotisches Gräberfeld in Globasnitz. - Ostgotenschädel aus Globasnitz mit damals “schickem” Turmschädel Museum Globasnitz - - ab dem 6. Jh.n.Chr. slawische Landnahme bei gleichzeitigem Niedergang des frühen Christentums im Land. Die 5 Kirchen auf dem Hemmaberg brennen nieder und geraten in Vergessenheit. So entsteht innerhalb von zwei bis drei Generationen aus der keltoromanischen Bevölkerung und den slawischen Einwanderern ein neues Volk, die Karantanen. - - Um 743 ersucht Borouth, der erste namentlich bekannte Slawenfürst, die Bajuwaren vor 743 um Hilfe gegen die Awaren. welche von Herzog Odilo von Bayern auch gewährt wird. allerdings unter der Voraussetzung der Anerkennung der bairischen bzw. fränkischen Oberhoheit. - - Danach friedliche Landnahme bajuwarischer und fränkischer Siedler und seid über 1000 Jahren überwiegend friedliches Zusammenleben beider Volksgruppen in Kärnten. Ausnahmen waren der Abwehrkampf gegen die SHS-Armee nach 1918 mit anschließender Volksabstimmung über die Einheit Kärntens, sowie die Rassenideologie der Nazis unter denen unsere Kärntner Slowenen zu leiden hatten, sowie nachfolgende Partisanenübergriffe nach 1945 an ehemaligen Nazis. Diese Ereignisse haben leider bis heute tiefe Narben in beiden Volksgruppen hinterlassen. - Informativer Artikel über die Geschichte Kärntens auf Wikipedia… - :detective:

Hallo Quinar, der zuständige Archäologe des Landesmuseums Kärnten hat mir heute zur blauen Glasperle geschrieben. Er hält diese für frühmittelalterlich (so ca. 8. Jhdt.), die zuletzt geposteten Keramikscherben fügen sich nach seiner Aussage wieder früher (Eisenzeit/Römerzeit) ein. Die beabsichtigte Besichtigung mit dem Archäologen des Bundesdenkmalamtes und dem Archäologen des Landesmuseums Kärnten findet im Frühjahr statt, da diese wenig Sinn macht, wenn Schnee liegt. Solang müssen wir uns noch auf einen genaueren Befund der Forscher gedulden. Schöne Grüße nach Deutschland!

Hallo Ostrogoth. Hab vielen Dank für Deine Info. Würde mich freuen, wenn Du uns erhalten bleibst und gelegentlich mal was von Dir hören lässt. Schöne Weihnachtszeit

  • Hallo Quinar, - natürlich bleibe ich euch erhalten, genau so eine Homepage über Archäologie habe ich gesucht. Bei euch gibt es so viel Interessantes zu lesen und zu lernen. - Bin noch dabei die Randscherben aus meinem Fundus abzuzeichnen und zu scannen, sobald das erledigt ist, stelle ich das Ergebnis gerne hier ein, wird aber noch was dauern. - Auf dem schon gezeigten Feld mit dem Baum auf dem Hügelchen zeichnen sich jetzt im Schnee, bzw im Reif möglicherweise Strukturen ab. In einem Maulwurfshügel an einem solchen Schnee-Muster bin ich auch auf kürzlich an einem frostfreien Tag auf eine etwas größere schwarze Keramikscherbe mit Muster gestoßen. Schnee liegt inzwischen auf dem Feld nur noch an vereinzelten Stellen, allerdings irgendwie teils rechteckig, teils rund strukturiert, welche sich aber aus der Ebene schwer fotografieren lassen. Versucht hab ich´s trotzdem, hier (zum Vergrößern rechts klicken und Bild öffnen): - - - - - Für´s Frühjahr haben sich ja die Archäologen angesagt, sobald sich da was neues ergibt lasse ich es euch wissen, genauso, wenn ich neue Scherben etc. finde. - Ich wünsche dir und auch allen Anderen hier frohe Weihnachten. - - - P.S.: Was haltet ihr von alten Volkssagen als mögliche Quelle für versteckte Hinweise? Sowas z.B.: - …“Eh´ der christlichen Lehre allbeseelender Strahl hierher noch gedrungen, da war ein Götzentempel all hier. Mit falschen Orakeln und anderem trügenden Blendwerk täuschten das Volk sie und leiteten es zu seinem Verderben”… usw… - Das ist ein Auszug aus eine Sage über meinen Wohnort (wo ich auch die vielen Keramikscherben aus der Eisenzeit aufgelesen habe), in einem Buch aus dem Jahr 1823. Über einen heidnischen Tempel im Ort ist heute allerdings nichts mehr bekannt.

Hallo Ostrogoth! Runde Strukturen? Auf deinen Bildern stehst du offensichtlich am " Wendekreis des Traktors" !! Bei solchen Volkssagen gebe ich auf vieles nichts. allein schon deswegen dass es sich um eine Literaturform handelt, die natürlich ihre Geschichten hinsichtlich Spannung und Morallehren damit aufpeppt, dass da mal Heiden im Busch waren und man jetzt froh sein sollte Christ zu sein etc. Sprich ein Erzählelement. also nur weils da steht würd ich nicht viel drum geben. Ausserdem hin oder her die Scherben hast du . und mehr als einen Hinweis auf einen schauderlichen Heidentempel, der einfach blabal sein kann, hast du eh nicht. keine details. also ist es für den Fund ziemlich egal! Aaaber hübsche Perle!! Gruß Melchior

Hallo Melchior, - danke erstmal für deine Antwort. Auf allen anderen Feldern rundherum sind die “Wendekreise des Traktors” allerdings schon weggeschmolzen, nur auf diesem Feld nicht, wie du auf meinen Fotos vielleicht auch teilweise erkennen kannst. Auf dem gepflügten Acker daneben wo ich vor dem Frost die Keramikscherben aufgelesen habe, liegt noch Schnee… - Hatte aber trotzdem zuerst auch den Traktor in Verdacht, dann ist aber die Fantasie mit mir durchgegangen und ich dachte bei den Schneeresten an Frost- und Schneemerkmale aus der Luftbildarchäologie :) - Zu den Sagen - dass die meisten Elemente aus Sagen Fantasie sind, ist mir klar, nur wird dir sicher auch bekannt sein, daß Sagen im Gegensatz zu Märchen oft auch ein Körnchen Wahrheit enthalten, nicht das ich den Inhalt von Sagen als ultimativ gültige Wahrheiten hinstellen möchte. Witzig bei unserer Sage ist, dass sich diese im Laufe der letzten 200 Jahre vom Inhalt her stark gewandelt hat und inzwischen nicht mehr von Heiden mit ihren Tempeln, sondern von leibhaftigen Teufeln erzählt. - Es gibt übrigens schon einige gewichtige und auch sehr interessante Hinweise mehr zu einem möglichen vorchristlichen Kultplatz im Ortsgebiet als diese eine Sage, aber dazu möchte ich mich erst im Frühjahr nach dem Besuch der Archäologen äußern. - Aber letztlich ist es eh egal, denn tatsächlich habe ich lediglich etwas über 50 Keramik-Scherben aus der Eisenzeit im Umkreis von 500 Metern um mein Haus herum an den Rändern von gepflügten Äckern und aus Maulwurfshügeln aufgelesen und bin dabei auch über die Perle aus der Karantanenzeit gestolpert, was mich besonders freut, was aber letztlich gar nichts darüber aussagt, was sich im Boden befindet. Wenn wirklich was interessantes im Boden sein sollte, werden wir es wohl 2014 von den Archäologen von Bundesdenkmalamt und Landesmuseum erfahren. Bis dahin sind das tatsächlich alles müßige unwissenschaftliche Spekulationen. - Apropos Spekulation - Frohe Weihnachten -  :smiley:

Hallo Ostrogoth, den restlichen Schnee würde ich nicht werten wollen. Da bist du ohnehin zu nah dran mit der Kamera. Schönes Weihnachtsfest nach “Süddeutschland”