Das Geheimnis der Pyramiden der Azoreninsel Pico: Wer hat sie erbaut?

In meinem Beitrag “Das Rätsel des Kolumbariums auf der Azoreninsel Terceira: Welcher Kultur ist es zuzuordnen?”, wurde u.a auch die Frage nach den Erbauern der auf der Nachbarinsel Pico befindlichen Pyramiden aufgeworfen

.
Es wurde die Meinung vertreten, daß diese von den frühen portugiesischen Siedlern bei der Rodung und Urbarmachung landwirtschaftlicher Flächen errichtet wurden [Madalena (Azoren) – Wikipedia]. Da ich Zweifel an dieser Hypothese habe und auch eine Stellungnahme hierzu ankündigte, bin ich im Mai 2025 zu einer einwöchigen Reise nach Pico aufgebrochen, um mir vor Ort ein Bild machen zu können.
Nachfolgend möchte ich meine Eindrücke und meine Schlussfolgerungen zur Diskussion stellen:
Geht man zur Tourist Info auf der Inselhauptstadt Madalena und erkundigt sich nach den hiesigen Pyramiden, bekommt man eine Karte ausgehändigt, der eine Ansammlung der von den einheimischen als Maroiços bezeichneten Bauwerke in Form eines eines ca. 6 km² umfassenden Dreiecks aufweist
.
Der Großteil der über 100 am Rande von Madalena befindlichen Pyramiden befindet sich innerhalb des von Wanderwegen umgrenzten Gebiets. Ich habe bei meinen Streifzügen im Westteil der Insel lediglich noch drei Objekte gefunden, die pyramidenähnlichen Charakter aufwiesen und stark von der Vegetation überwuchert waren, aber sich in unmittelbarer Nähe des “Pyramidendreiecks” (ca. 200-300 m Entfernung) befanden. In anderen Teilen der Insel konnte ich keine Pyramiden ausmachen.
Hier stellt sich die Frage, falls die frühen portugiesischen die Erbauer der Anlage gewesen sein sollten, was bezweckten sie mit der Errichtung dieses “Pyramidenclusters”?. Auch in anderen Teilen von Pico wurden ja landwirtschaftliche Flächen erschlossen, aber dort gibt es keine Pyramiden. Eigentlich sollte man doch erwarten, daß diese durch die landwirtschaftliche Nutzbarmachung gleichmäßig über die Insel verteilt sein sollten? Ich finde darauf keine Antwort!
In meinem Azorenreiseführer (Azoren, Michael Bussmann, Michael Müller Verlag) ist auf Seite 329 vermerkt, daß das Leben der frühen portugiesischen Siedler von Hungersnöten geprägt war. Sollten sie in ihrem Überlebenskampf tatsächlich noch Zeit und Muse gehabt haben komplexe Pyramidenstrukturen mit Stufen, Kammern und Rampen zu erschaffen?
Das scheint nur schwer nachvollziehbar!
Was für einen Zusammenhang könnte es denn sonst zwischen den Portugiesen und den Pyramiden geben?
Die in Pico-3 abgebildete Pyramide hat sicher schon bessere Zeiten gesehen. Eingeklemmt zwischen Weg- und Grundstücksmauer scheint ihre Basis beschnitten. Wurden Teile der Pyramide von den Portugiesen abgetragen und zur Errichtung der Mauern genutzt?
Ein weiteres Beispiel zeigt Pico-4:

Ich habe den Eindruck, daß hier einmal eine Rampe zur Spitze der Pyramide führte, die allerdings bei der Anlage des Grundstücks gekappt wurde und deren Steine neue Verwendung beim Bau der Grundstücksmauer fanden. So neige ich eher dazu, die frühen portugiesischen Siedler als Zerstörer der Pyramiden zu betrachten und nicht als deren Erbauer!
Wer also hat die Pyramiden von Pico errichtet? Die Azoreninsel hat eine Besonderheit zu bieten, einen mächtigen Vulkan (Pico-5)
. Und interessanterweise sind in unmittelbarer Nähe der Vulkane Ätna auf Sizilien oder Teide auf Teneriffa auch Pyramiden dieser Art vorgefunden worden. Gibt es also einen Zusammenhang zwischen Pyramide und Vulkan? Vielleicht müssen wir sogar weit in die Vergangenheit zurückgehen, um diesen Zusammenhang zu verstehen.
Ich habe in meinen Beiträgen über die Hinterlassenschaften megalithischer Siedler auf der von Pico ca. 120 km entfernten Nachbarinsel Terceira berichtet.
Vom Hügel bei Posto Santo, dem Hauptfundort der neolithischen Relikte auf Terceira hat man einen hervorragenden Blick Richtung Südwesten, dorthin wo sich Pico befindet (Terceira-1)
. Ein dumpfes Grollen aus dieser Richtung oder gar eine dunkle Wolke am Horizont war für diese Menschen sicher äußerst besorgniserregend. Was lag also näher als dem “Feuergott” Opfer darzubringen und zu versuchen ihn zu besänftigen! Ich könnte mir daher gut vorstellen, daß die neolithischen Siedler zu bestimmten Zeiten die Insel Pico aufsuchten, dort eine Art “Heiligen Bezirk” errichteten um dem “Feuergott” zu huldigen oder ihn zu besänftigen. Die Pyramiden sind dabei dem Vulkan nachempfunden. Ja, ich denke der ganze Pyramidencluster in Form eines Dreiecks soll den Vulkan widerspiegeln! Auch das poröse Vulkangestein, das zum Bau der Pyramiden verwendet wurde könnte speziell zur Vulkanimitation ausgewählt worden sein
.
Es unterscheidet sich deutlich von den massiven Steinblöcken auf Terceira, die für die dortigen Mauern eingesetzt wurden (Terceira-2)
.
Die Menschen der Megalithkultur auf Terceira müssen wahre Meister der Steinbearbeitung gewesen sein. Fast fugenlos sitzen in diesem Teil der Mauer die Blöcke aufeinander. Es erinnert mich stark an diverse Bauten in Südamerika, beispielsweise an die Festung Sacsayhuamán nahe Cuzco, die ähnliche Charakteristika aufweist. Ein weiteres Indiz für einen Zusammenhang zwischen der neolithischen Siedlern auf Terceira und den alten Kulturen Süd- und Mittelamerikas?
Einen weiteren Faktor, der eher für die Menschen der Megalithkultur als Erbauer der Pyramiden spricht, möchte ich nicht unerwähnt lassen: In der Publikation “Land, Sea and Skyscape: Two Case Studies of Man-made Structures in the Azores Islands” von F. Pimenta et al. aus dem Jahr 2011
https://www.academia.edu/77885985/Land_Sea_and_Skyscape_Two_Case_Studies_of_Man_made_Structures_in_the_Azores_Islands
wird von einer Ausrichtung der Pyramiden berichtet, wobei eine Linie vom Gipfel des Vulkans entlang der Pyramiden den Ort der Sommersonnenwende festlegen soll. Für die Menschen des Neolithikums waren solche Indikatoren zur Bestimmung der Jahreslänge unerlässlich. Und vielleicht wurde bei den Pyramiden auf Pico nicht nur dem “Feuergott” geopfert, sondern es fanden dort auch Sommersonnenwendfeiern statt.
Am Ende meiner Reise stellte ich mir die Frage: Habe ich auf Pico die Urform der Pyramiden erblickt, wie sie später einmal in Mittel- und Südamerika gebaut werden sollten? Meine derzeitige Antwort lautet: Vielleicht!

Moin,
Abgesehen von einigen tausend Kilometern Meer liegen auch ein paar tausend Jahre zwischen den Inkas und den neolithischen Kulturen.
Gruß,
Hugin

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Danke für den Kommentar, Auge Odins! Soweit ich weiß, ist es nicht belegt, daß Sacsayhuaman von den Inkas erbaut wurde. Es gibt Hinweise, daß die Festung eher auf die Aktivität von Vorläuferkulturen zurückzuführen ist.
Im Übrigen mußt Du mir halt irgendwie erklären können, wieso Hinterlassenschaften der Megalithkultur auf Inseln mitten im Atlantik auftauchen. Nochmals Dank für Deinen Beitrag!

Ooops,
Du hattest die Megalith-Kulturen auf den Azoren ins Spiel gebracht.
Ich habe gerade mal geschaut, das ist wohl umstritten!
Was für Hinweise gibt es denn, die die Inkas nicht als Erbauer der Festung ausweisen?
Deine Theorie hat noch ein paar Herausforderungen.
Auf Wikipedia wird berichtet, dass Wikinger die Azoren um 750 n.C. besiedelt hätten.
Gibt also noch viel zu entdecken auf den Azoren…

Was die Megalithkultur auf Terceira betrifft, habe ich in meinem Beitrag “Rätselhafte Vertiefungen in den megalithischen Relikten auf der Azoreninsel Terceira” auf ein Youtube-Video von Prof. F. Rodriguez verwiesen, Hugin. Vielleicht könntest Du Dir das mal anschauen?
Ok, meine Quelle bzgl. Sacsayhuamán ist in Deinen Augen sicher etwas fragwürdig https://atlantisforschung.de/index.php? title=Cusco%2C_Sacsayhuam%C3%A1n_und_Atlantis. Aber es gibt bei dieser Festung einige Besonderheiten, die nicht zu den Inka zu passen scheinen und dort erklärt werden. Beste Grüße von Boadiacea12

Na ja, das ist wieder so ein Schwurbeltext mit einem Schuß Ehrlich von Däniken!
Zum Beispiel “Offensichtlich bewegte sich diese Technologie jenseits jeder bekannten südamerikanischen Kultur.”.
Die Tatsache, dass die Mauern existieren beweist doch, dass es in Südamerika Leute mit entsprechenden Technologien gab, die diese Mauern gebaut haben.

Da kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen, Auge Odins: Diese Technologien müssen in Südamerika existiert haben! Die Frage ist allerdings haben sich die Indigenen diese Techniken selbst beigebracht oder hatten sie irgendwelche Lehrmeister?
Interessanterweise scheinen die präportugiesischen Siedler der Azoreninsel Terceira ähnliche Methoden der perfekten Steinbearbeitung beherrscht zu haben. Das bleibt erst mal festzuhalten.
Wir sollten auch endlich mal damit aufhören unsere Vorfahren ständig zu unterschätzen und in ihnen nur primitive Wilde zu sehen, denen wir haushoch überlegen sind. Über ihre Fähigkeiten tonnenschwere Felsblöcke von A nach B zu transportieren und Wunderwerke wie Stonehenge zu errichten staunen wir ja heute noch und wissen nicht genau wie sie das gemacht haben.
Deshalb fällt es mir auch nicht schwer diesen Menschen hervorragende nautische Kenntnisse zuzuschreiben! Irgendwie müssen sie die Azoren ja erreicht haben - oder sogar noch weiter? Auch ihre Schiffskonstruktionen müssen einzigartig gewesen sein, um solche langen Strecken zu bewältigen. Ich hoffe, man findet auf Terceira irgendwann mal noch auf Steinen oder Wänden Abbildungen davon.
Grüße von Boadicea12