Da ich momentan wegen eines ausgefallenen Fluges am Rande Europas, auf der Azoreninsel Corvo festsitze, habe ich Zeit und Muse auf meine diesjährigen Aktivitäten auf der Inselgruppe ein wenig zurückzublicken und insbesondere eine Struktur, die mir dort aufgefallen ist, schon einmal vorzustellen.
In einigen meiner vorherigen Beiträge für das Forum, habe ich auf die megalithischen Objekte auf der Azoreninsel Terceira hingewiesen. Interessant wäre es zu wissen, ob auch auf einer der anderen Inseln Spuren aus präportugiesischer Zeit zu finden sind. So standen in diesem Jahr die Inseln Faial und Corvo im Fokus meiner Spurensuche.
Insbesondere Faial erwies sich da als echte Überraschung: In der Nähe eines Ortes mit Namen Almoxarife hat mich ein Objekt in Erstaunen versetzt (s. Foto), das ich in der Form bisher nur von meinen Besuchen in Schottland oder Irland kannte. Könnte es sich hierbei tatsächlich um ein Hügelgrab handeln? Was ist eure Meinung?
Dieses Bild zeigt eindrucksvoll die typische Weidelandschaft im Inselinneren von Faial, die geologisch eng mit der beschriebenen Almoxarife-Formation und dem zentralen Vulkankegel verknüpft ist.
Die im saftig grünen Gras verstreuten, dunklen Gesteinsbrocken im Zentrum des Bildes sind hervorragende Beispiele für die dortigen vulkanischen Prozesse:
Geologische Zuordnung des Bildes
Vulkanische Bomben und pyroklastische Blöcke: Bei den großen Felsen auf der Wiese handelt es sich um vulkanisches Auswurfmaterial. Während der explosiven Phasen der Spaltenausbrüche im Bereich Almoxarife wurden diese tonnenschweren Basalt- und Hawaiit-Blöcke aus den Förderschloten geschleudert und landeten auf den umliegenden Hängen.
Typische Verwitterung: Die raue, dunkle Oberfläche der Steine entsteht durch die kontinuierliche Verwitterung der alkalireichen Lava im feuchten, subtropischen Klima der Azoren. Sie bieten heute Moosen und Flechten einen idealen Nährboden.
Fruchtbarer Boden: Das extrem intensive Grün der Wiese im Vordergrund rasiert auf dem extrem fruchtbaren Vulkanboden (Andosol), der aus feinerer vulkanischer Asche hervorgegangen ist.
Hintergrundvegetation: Die bewaldeten Hänge im Hintergrund zeigen den Übergang zur typischen Macchie-Vegetation und den aufgeforsteten Baum-Heide-Beständen, die sich an den steilen Wänden des ehemaligen Grabenbruchs hinaufziehen.
Ich sehe da auch nur eine natürliche Gesteinsformation.
Gruß Shard
Edit:
Zum Thema megalitische Objekte:
In den letzten Jahren gab es unter Forschern hitzige Diskussionen über vermeintliche megalithische Spuren und Stufenpyramiden auf den Nachbarinseln Pico und Terceira. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten jedoch fast ausnahmslos, dass es sich dabei entweder um faszinierende Launen der vulkanischen Natur handelt oder um historische landwirtschaftliche Steinschüttungen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.
Danke für Deinen ausführlichen Kommentar, Shard! Vielleicht hast Du Recht und es handelt sich nur um vulkanischen Auswurf, der sich zufällig so angeordnet hat. Aber vielleicht ist es doch eine megalithische Grabanlage. Dann wäre das eine archäologische Sensation! Nur eine wissenschaftliche Untersuchung der dort vorhandenen Strukturen kann das klären.
Deine allgemeinen Ausführungen zur Megalithkultur auf den Azoren teile ich nicht. Ich habe vor 2 Jahren die Azoreninsel Terceira besucht und was ich dort bei Posto Santo gesehen habe, lässt bei mir keinerlei Zweifel zu. Für die Skeptiker habe ich nochmal den Link zum YouTube Video von Felix Rodriguez angehängt, der damals die Ausgrabungen geleitet hat. https://www.youtube.com/watch?v=hBPyCYo97VQ
Ich kann nur jedem empfehlen, doch einmal eine Reise nach Terceira zu planen, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Beste Grüße von Boadicea12, noch immer von den Azoren!
Ich habe inzwischen Prof. Rodriguez von der Universität der Azoren das Foto des besagten Objekts übermittelt. Mal sehen, was sich daraus ergibt.
Auch auf der Insel Corvo ist mir eine ungewöhnliche Steinstruktur aufgefallen. Es kann aber noch ein wenig dauern, bis ich hierzu meine Beobachtungen vorstelle.