hier folgen mehrere Objekte, aber eines nach dem anderen.
Zuerst versuche mich mal an einem in vielerlei Hinsicht schwierigen Objekt. Den Habitus mit Fotos zu vermitteln ist wirklich nicht einfach.
Das Material ist ein sehr hartes Felsgestein, etwas Kortex ist an unberiebenen Flächen an den Seiten noch als seidig glänzend zu erkennen. Die Form ähnelt einer halben Herzmuschel, die Oberseite gleichmäßig gewölbt, die Unterseite beinahe plan, eine leichte Innenwölbung zur mutmaßlichen Schneide hin ist wahrnehmbar. Ein rezenter kleiner Abbruch vorne rechts.
Das Stück wirkt insgesamt roh, ist aber voll funktional.
Der Fundort ist eine Ackerfläche auf einer Anhöhe nahe der Lahn in der Gegend von Gießen. Hier ist also vom Paläolithikum bis ins Neolithikum alles vertreten.
An Felsgestein traue ich mich nicht ran, bin also für jede Beurteilung dankbar. Schonungslos bitte, ich froh über jedes Teil, das ich nicht vorlegen brauche…
Hallo,
da muss ich Dich leider enttäuschen!
Es gibt keinerlei Anhaltspunkte die darauf schließen lassen könnten das es sich um eine Dechsel handelt.
Genauso sehe ich das übrigens auch bei dem Eingangs gezeigten Stein.
Grüße Bucentaur
danke für deine Einschätzung, enttäuscht bin ich keineswegs. Das sind Teile aus der untersten Schublade, das sei nochmal betont.
Trotzdem halte ich solche Stücke für wichtig, die Rohmaterialvorkommen in meiner Region muss man in die Bewertung mit einbeziehen. Und schließlich, auch wenn jedes Einzelne solcher Stücke große Unsicherheiten in sich birgt, führen sie mit häufiger werdendem Auftreten bei der Suche immer wieder zu attraktiven Stellen.
Ich nehme doch an, dass sich auch der erfahrene Feuersteinsucher auf der Suche nach neuen Plätzen von vermeintlichen Ad hoc- und zweifelhaften opportunistischen Geräten leiten lässt. Nur dass die eben anders aussehen als hier bei uns. Das vor Ort leicht verfügbare Material macht den Unterschied.
Man muss das unter Kontrolle haben, unbedingt, aber übertriebene Selbstzensur kann, wenn’s dumm läuft, auch fatale Folgen haben.
Ich versuche hier, ein Gespür dafür zu bekommen, was geht und was nicht. Und ganz ernsthaft hoffe ich auf Erfahrungswerte was den Umgang mit Archäologen angeht.
ich kann dir nur sagen, was ich tun würde: nicht vorlegen. Ich bin Anfänger, aber bei solchen Steinen hätte selbst ich erkannt, dass es keine Werkzeuge sind.
Klar, wenn solches Gestein dort ansonsten nicht vorkommt und dann noch vermehrt auftritt, kann man dran denken, das mal zu erwähnen und Steine zu zeigen. Aber wenn es nur der eine ist, kannst du dir die Mühe, sparen, denke ich. Auch: Würden die Leute massenhaft (mal überspitzt ausgedrückt) irgendwelche “Ad-hoc-Werkzeuge” zusammentragen, wenn sie sicher die Möglichkeit gehabt hätten, richtige Werkzeuge in relativ kurzer Zeit herzustellen, aus Material, das dort anstehend ist oder das zur Werkzeugherstellung eingebracht wurde? Ich denke nicht. Aber wie ich oft bei solchen Themen sage: Was weiß ich schon.
„Klar, wenn solches Gestein dort ansonsten nicht vorkommt und dann noch vermehrt auftritt (…)“
Sorry, das hatte ich wohl für zu selbstverständlich gehalten. Und anstehen tut bei uns hier praktisch gar nichts Brauchbares, einzig die Lahn liefert Material.
Hier gab es auch keine Gletscher, die alles herum geschoben und geschreddert haben. Die Wahrscheinlichkeit der Verschleppung der Materialien durch Mensch oder Maschine lässt sich abschätzen, und auch für Beschädigung und Zerfall von Fels- und Kieselgesteinen gelten gewisse Gesetze. Andere als oberhalb der Feuersteinlinie!
Alles Statistik eigentlich, am Ende Intuition. Und bei den gezeigten Stücken gibt es mehr Pros als Kontras, weshalb ich sie als eher Artefakt als Geofakt abgelegt habe.
Mit Augenrollen und Kopfschütteln komme ich klar. Aber dass die Urteilsfähigkeit beim Archäologen in Frage gestellt wird… Ich frag mich halt, wo die stehen. Den ein oder anderen Wandel hats doch schon gegeben in den letzten 20 Jahren.
Du hast ja schonmal nicht gleich zu gemacht, Inez. Bist auch noch nicht so lange dabei.
Meine Sammlung aus 25 Jahren erzählt eine Geschichte. Jeder Fund trägt etwas dazu bei. Ein paar wie diese gehören dazu, und einige noch spekulativere. Ziel ist es, soweit zu kürzen, dass alles Beachtung findet und Wesentliches beisammen bleibt.
Die Geschichte muss man lesen wollen, und darin unterscheiden sich die Menschen. Auch, und vielleicht sogar besonders in der Archäologie/Geschichte. Aber - nach allem was ich bisher so gelesen habe, habe ich das Gefühl, da hacken doch schon immer mal wieder junge Krähen manchen älteren die Augen aus…
Es tut mir leid, wenn ich immer wieder so schlechte Vibes in Richtung Amt sende. Ich rechne halt einfach mit dem Schlimmsten, habe das Gefühl, es hängt vom Zufall ab was mit meinen Sachen passiert. Es fing ja schon so blöd an, wie ich bereits schrieb, als vor zwanzig Jahren meine Fundmeldung ignoriert wurde. Vor ein, zwei Jahren hat ein Bekannter, der auch an Heimatkunde interessiert ist, dem LDA eine Meldung über eine Beobachtung im Gelände gemacht - Antwort waren ein paar Textbausteine und eine Moralpredigt übers Sondengehen. Kürzlich ist mir aufgefallen, dass auf der Website das Online-Meldeformular abgeschaltet wurde.
Ich kann mir also gut vorstellen, was da los ist. Es wäre ja nicht die einzige Behörde, die im Notbetrieb läuft.
Wer weiß, vielleicht ist meine Angst übertrieben. Aber es ist halt schon ein kleines Lebenswerk. Und am Ende wirds wohl eh darauf hinauslaufen, alles aufs Nötigste herunterzubrechen, und das wird dann auch sicher nicht verloren gehen.
Sorry, deshalb eiere ich hier so ein bisschen rum und suche nach Ausreden…
das Thema wäre wunderbar in der Plauderecke aufgehoben.
Ich selbst habe negative Erfahrungen mit dem Amt gemacht, aber viel viel mehr positive. Und wie meist im Leben hängt da viel von den Personen ab. Auch von einem selbst.
aber doch nicht “irgendwo”, sondern im zuständigen LDA.
In vielen Bundesländern, vermutlich allen, gibt es Personalprobleme. Ebenso ist es in vielen
LDAs so, das nicht genügend Zeit für uns Sammler übrig ist.
Aus eigener Erfahrung kommt es auf den jeweiligen Kontakt im Amt an. Das wesentliche
aber ist die Fundmeldung. Also kommt es auch auf uns an.
Wer mal eben 400 Artefakte anschleppt oder eine Wagenladung Keramik-Scherben (nicht ausgedacht, sondern Realität aus anderen Foren), der wird nicht bevorzugt “bedient”.
Ein Bundesland will meine Funde gar nicht haben - über die Gründe sage ich nichts.
Ein anderes Bundesland quittierte meine Fundmeldungen mit einem Kommentar, “So tolle Fundmeldungen habe ich noch nie gesehen”.
Letzteres Bundesland hatte bald auch die Personalnot heimgesucht und meine Fundmeldungen
blieben erst mal liegen.
Mein Rat an Dich, mache vorbildliche (Einzel-) Fundmeldungen, dann klappt es vielleicht auch mit der Archivierung. Jedes LDA hat seinen eigenen Vordruck.
Was vorbildlich ist, hängt vom jeweiligen LDA ab. In der Regel sind es:
Genaue Koordinaten des Fundes
Maße und Gewicht des Fundes
Detailliere Beschreibung des Fundes
Gute Fotos mit allgemein anerkannter Abfolge der Ansichten
Hallo,
bin schon sehr neugierig denn bis auf die kleine neolithische Pfeilspitze habe ich von Dir noch keine adäquaten bzw. wirkliche archäologisch interessante Lesefunde gesehen.
Nach 25 Jahren Feldbegehungen sollte oder könnte man schon interessantere Fundstücke als die von Dir bislang vorgelegten “Natursteine” erwarten. Vielleicht schreckt die Denkmalbehörde auch davor zurück eine Halde von Naturgestein bearbeiten zu müssen.
Ist beileibe nicht böse gemeint aber anders kann ich mir das nicht vorstellen denn eigentlich sind gerade die Bodendenkmalpfleger generell sehr interessiert an Fundmeldungen.
Grüße Bucentaur
Vielen Dank für Eure konstruktiven Kommentare. Würde ich nicht so viel um den heißen Brei schleichen … sorry nochmal.
So wie du das vorschlägst, Jürgen, soll das werden. Alles muss möglichst professionell aufbereitet werden. Manches wird sich wohl zusammenfassen lassen, Anderes Stück für Stück. Und es muss so aufbereitet werden, dass wichtige Zusammenhänge leicht erkannt und nicht auseinandergerissen werden. Das alles will geübt sein.
Es sind auch keine 400 Funde, unter 100 kann ich bleiben. Zum Glück hatte ich mich recht früh auf etwas spezialisiert, wo Funde sehr selten sind. Es gibt nur eine Stelle, die ich über zwanzig Jahre geputzt habe - und da wird gewiss auch das ein oder andere für dich dabei sein, Bucentaur. Diese werde ich als Nächstes vorstellen.
die Zusammenhänge ergeben sich automatisch im Amt, weil die einzelnen Funde in den “Archäologischen Atlas” eingetragen werden.
Mein Kontakt im ALSH hatte mir mal geschrieben, dass er auf der Karte gesehen hat, dass ich an anderer Stelle was gefunden hatte und bat mich dort noch mal intensiver nachzusuchen.
ich war genau wie die anderen verwirrt, was du eigentlich meinst mit den Krähen usw., vor allem, was das mit dem Forum zu tun hat. Du hattest oben geschrieben: “Du hast ja schonmal nicht gleich zu gemacht, Inez. Bist auch noch nicht so lange dabei.” Das hattest du wohl auch irgendwei kontextuell mit der Behandlung durch das Amt vermischt, nehme ich mal an. Denn warum sollte ich als Lernende zumachen?
Ich selbst habe wie Shard bislang nur sehr gute Erfahrungen mit dem Amt gemacht und fühle mich exzellent betreut, muss ich sagen - und ernst genommen. Und auch ich wurde schon an bestimmte Stellen geschickt, um mich dort umzusehen. Es ist also nicht kategorisch so, dass man nur abegwimmelt wird. Aber wie die anderen schon sagten: Die Ämter und Museen sind voll mit Sammlungen, bei denen oft 95% entsorgt werden müssten - so man denn Personal und Zeit dafür hätte -, und dass die dann nicht scharf drauf sind, wenn schon wieder jemand Natursteine bringt, kann ich verstehen. Verzeih, dass ich deine Funde immer noch als Geofakte bezeichne, für mich sind sie das relativ eindeutig. Einfach weitermachen!