Eine Fundstelle - Tonscherben, Kupferbleche, Eisen und Besteck

Hallo Community, ich bin neu hier und stelle mich kurz vor. Mein Name ist Sascha, 48 Jahre, und ich gehe bei Gelegenheit mit meinen Jungs und einem Metalldetektor durch unsere pfälzische Landschaft auf der Suche nach nichts Bestimmtem.
Ich habe durch Zufall an einer Fundstelle einen bunten Haufen an Materialien gefunden. Es handelt sich dabei um einen ca 30cm großen Eisenring (kein Bild) sowie diverse Kupferteile, Tonscherben und wohl Besteck. Details seht ihr in den Bildern. Die Fundstelle war auf einer Anhöhe am Waldrand auf einem Feld. Die Teile lagen alle in einer Tiefe von ca. 40cm. Die Fragen wäre hier natürlich was das mal war bzw. von wann das war. Ich habe schon versucht auf dem Messer eine Marke zu erkennen, glaube auch das dort eine ist, kann es aber nicht wirklich erkennen. Die Tonscherben sagen mir garnichts und es ist auch kein Stempel zu erkennen. Es ist jedoch eine leichte Musterung zu sehen. Die Kupferteile haben eine massive grüne Patina, aber darunter ist Fakt Kupfer. Es ist aber außer einigen Nieten keinerlei Mustertung o.ä. zu erkennen. Das eine Stück könnte der Rest einer Gabel sein, welche auch eine Verzierung zeigt, was wohl eher für eine jüngere Datierung spricht.
Hat jemand ähnliches gefunden und könnte mir bei der Datierung usw. helfen?




Gruß
Sascha

Hallo,
mit der Sonde unterwegs!
Ich hoffe Du meldest die Funde!?
Das Messer liegt wohl schon eine Weile im Entsalzungsbad.
Bei dem vermeintlichen Besteckgriff könnte es sich ebenso gut um das Griffstück eines römischen Spiegels oder einer antiken Casserole handeln. Die Scherben sind ebenfalls römisch und wenn sie im Fundzusammenhang gefunden wurden könnte es sich um die Reste eines römischen Brandgrabes handeln. Etwas spekulativ denn die Fotos sind nicht die Besten und Größenangaben fehlen auch.

Die Funde gehören gemeldet und sollte sich mein Verdacht bestätigen ist das Sondeln dort ab sofort ohnehin passee.

Bucentaur

Hallo,

wenn es sich nicht um ein altes weggeworfen Fondueset aus den 70ern handelt, werde ich das definitiv melden. In unserer Gegend gab es tatsächlich mal eine römische Straße.
Was mich allerdings irritiert ist die Schleifkerbe am Messer, die es wohl erst später gab. Oder es ist dort schlicht ein Stück herausgebrochen.
Verzeihung wegen der Fehlenden Größenangaben. Im Anhang dazu 2 Bilder.
Ich habe alle Teile lediglich gewaschen und davor für 10 min in ein Wasser- Essig- Gemisch gelegt.

Gruß
Sascha

Hier noch ein Bild aller Teile. Die lagen alle auf einer Fläche von 40x40cm in ca 40cm Tiefe direkt beieinander.

Gruß
Sascha

Hallo Sascha,

mir stehen etwas die Haare zu Berge. Warum? Weil ihr mit eurer Ausgrabung einen Fundzusammenhang unwiederbringlich zerstört habt. Und wahrscheinlich habt ihr noch nicht einmal alles geborgen.

Dass ihr da keine Reste eines 70erJahre-Picknicks gefunden habt, sollte durch die Lage in 40 cm Tiefe eigentlich klar sein. Mal ganz abgesehen davon, das eine Suchtiefe nur bis ca. 15 cm erlaubt ist. Und @Bucentaur hat schon darauf hingewiesen, dass sich bei dem „bunten Haufen an Material“ womöglich um ein Brandgrab handelt.

Zum Sondeln benötigt ihr eine Genehmigung vom zuständigen Landesamt. Mit der Genehmigung ist nicht nur eine Fund-Meldepflicht verbunden, es gibt auch Schulungen, um genau das – Zerstörung eines Fundzusammenhanges – zu vermeiden. Hach… sorry, aber es ist zum Haare ausraufen. Seid froh, dass ihr da keine weitere Himmelsscheibe gefunden habt. Teufels Küche wäre euch sicher.

Bittebitte, stellt euer Hobby auf legale Füße! Das macht genauso viel Spass und verhilft euch zu mehr Wissen durch fachkundige Begleitung. Und: Meldet diesen Fund!

Infos und Kontakte findet ihr hier:
http://www.suchgenehmigung.de/laender.shtml

LG Barbara

OK, hört auf mich zu schlagen ich habe es ja verstanden und ich bin bereits mit der zuständigen Denkmalpflege im Kontakt.

Gruß
Sascha

1 Like

Hallo Sascha,

ich freue mich wirklich über diese Rückmeldung! :+1: Damit sehen wir deinen zukünftigen Vorstellungen von Funden nun mit (ungetrübtem) Interesse entgegen. :slight_smile:

Und halte uns bitte informiert, wenn du konkrete Infos zu diesem Fund bekommen hast. Denn das ist schon spannend. :wink:

LG Barbara

Ich habe mal bzgl. des Sondelns in der Pfalz Internet (www.pfalzdigital.de) recherchiert. Die Fundstelle ist quasi Ackerboden (bewegter Boden) an einem Waldrand, was wohl nach einem alten Weg aussieht. Somit habe ich wohl nicht gegen alle Regeln verstoßen.
Zur Historie meiner Aktivitäten:
Unweit der Fundstelle haben Bekannte aus dem Ort am Wegesrand bereits Reste aus dem 2. Weltkrieg gefunden. Das Zeug liegt da teilweise an der Oberfläche bzw in wenigen cm Tiefe. Daher sind wir dem Weg nur weiter gefolgt. Und wenn es “piept” hört man ja nicht zwangsweise nach 15cm auf zu buddeln. Die 15cm Grenze kannte ich nicht und bin euch schon mal dankbar für die Belehrung.
Ich bin auch gespannt was sich bei den gefunden Sachen ergibt. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Gruß
Sascha

Hallo Sascha,
hier ist eine private Seite zum Thema “Sondeln”, auf der eine Menge Informationen zusammengetragen wurde:
https://www.schatzsuchen.org/

LG Barbara

Ich habe mir mal die Kupferbleche genauer angeschaut und dort sehe ich Verbindungen, wie genietet. Das kleine Stück hat zudem einen Rand mit einer Art Wellenform.
Der große Ring ist sehr schwer, ich vermute Eisen, aber ebenfalls mit Kupferteilen versehene (grüne Pfeile) wobei am oberen Rand zwei Bolzen (rote pfeile) zu erkennen sind.

Vielleicht hilft es ja noch weitere Details bzw. Ideen zur Herkunft zu finden, während ich auf unsere Denkmalpflege warte. Nach stundenlangem Stöbern im Internet finde ich wenig vergleichbare Bilder.





Gruß
Sascha

Diese „Nieten“ an den Kupferteilen habe ich schon beim Betrachten deiner ersten Fotos gesehen. Und leider konnte auch ich keine Erklärung finden, habe Vergleichbares bisher nie gesehen und keine Idee, welche Form das Teil wohl ursprünglich gehabt haben könnte.

Aber ich hatte vermutet, dass ihr beim Ausgraben vielleicht nicht alle Kupferteile erkannt und geborgen habt. Ein wichtiger Grund, warum Schulungen zum Umgang mit solchen Funden wirklich wichtig sind!

Wartet also ab, was die Fachleute vom Denkmalamt dazu sagen können.

LG Barbara

Moin Sascha,

sieht interessant aus… ich habe auch eine Vorstellung, was das sein könnte, aber wie oben schon mehrfach angemerkt, ist hier eine fachliche Begutachtung zwingend.
Bitte halte uns auf dem Laufenden.

Gruß
Thomas

Erste Rückmeldung von der Landesarchäologie: Ja das ist fakt archäologisch und sehr interessant.
Da das lokal zuständige Institut (Speyer) den ganzen Tag irgendwo irgendwas “ausgräbt”, kann es aber etwas dauern bis da weitere Schritte folgen.
Auf Nachfrage habe ich anbei nochmal ein paar Bilder der Tonscherben. Einzelne Teile sind passend zueinander und ergeben sichtbare Strukturen, wie z.B. bei den zwei etwas gerundeten Teilen ist eine runde Vertiefung zu erkennen.

Zur Vollständigkeit:
An der Fundstelle piepst der Detektor weiterhin, was ein Indiz dafür ist, das dort weitere Teile liegen.
Aber ich werde da natürlich nicht eigenständig und kopflos “weiterbuddeln” und überlasse das im Falle den Experten.





Gruß
Sascha

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Meiner Ungeduld geschuldet, bin ja immer wieder am Suchem im Web. Solche Tonscherben, sowohl in Farbe und Struktur find ich mehrfach im Zusammenhang von Brandgräbern. Bei den Kupfer- (wohl eher) Bronzebleche habe ich nach stundenlangem Suchen vergleichbare Bilder gefunden, Im Anhang ein Bild davon. Es zeigt ähnliche Nieten wie bei den von mir gefundenen Blechen.
Capture.PNG

(Quelle: https://archlsa.de/de/bodendenkmalpflege/fund-des-monats/2014/august-2014.html)

Dazu würden auch die 2 halbrunden Eisenteile passen (war wohl mal der Ring oebn) sowie der eisenring.

Es bleibt spannend und ich ungeduldig…

Gruß
Sascha

So, alleine durch die Bilder ist man sich sicher, das die Teile römischer Herkunft sind. Ich habe in 1,5 Wochen einen Fundabgabetermin bei der stellv. Leiterin der Außenstelle Speyer. Weitere Details was mit der Fundstelle geschieht und ob ich ggfs dort weitersuchen darf sind noch unbeantwortet.

Nachdem ich mit der guten Dame etwas über Email diskutiert habe, bin ich leider in meinem Tatendrang etwas gebremst. Es bleibt nachwievor etwas unklar, unter welchen Vorraussetzungen Sondeln wo und wie erlaubt ist und wo eine NFG benötigt wird. Und das mit der NFG ist ja garnicht so einfach bzw. kann ja Monate dauern.

Gruß
Sascha

So, ich habe die Teile nun bei der Landesarchäologie in Speyer abgegeben. Es war ein sehr netter und interessanter Termin. Nach der ersten Betrachtung handelt es sich dabei tatsächlich um Teile aus einem römischen Brandgrab. Genaue Ergebnisse kommen noch, irgendwann. Eine detailliertere Zeitabgabe bekommt man da leider nicht. Auch das mit der Nachforschungsgenehmigung stellt sich eher als ein etwas längerer Prozess da. Die Bewerbung für das Jahr 2022 ist abgeschlossen und ich lande auf dem “Haufen” für das Jahr 2023. Das ist alles sehr ernüchternd, wenn auch aus deren Sicht verständlich. Ich habe zwar meinen Wunsch mit bereits registrierten NFG’lern aus unserer Region Kontakt aufzunehmen mitgeteilt, aber das sehe ich auch eher keine Erfolgschancen mit einer Peson und deren Erlaubnis in der Umgebung der Fundstelle zumindest passiv weiterzusuchen. Also werde ich entweder die neu gewonnen Euphorie samt Detektor an den Nagel hängen oder bei Nacht und Nebel agieren.

Sobald ich finale Ergebnisse der Fundteile habe teile ich dich euch mit.

Gruß
Sascha

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Moin,

bei dem Foto IMG_20211022_103451 handelt es sich um Terra Nigra, es ist vermutlich von der “Schulter” eines Gefäßes (Vase / Amphore).

Gruß

Jürgen


Alles was in der Grafik schwarz ist, habe ich als Scherben.

Ich habe etwas recherchiert und das könnte tatsächlich passen. Bin mal gespannt was das offizielle Ergebnis ergibt.



Hallo,
ich tendiere eher dazu, dass es sich bei den Eingangs gezeigten Keramikfragmenten um engobierte Grauware handelt.
Terra Nigra oder auch Rätische Ware haben eine andere Tonstruktur und Konsistenz im Bruch.
Siehe beispielhaft für Grauware mit vergleichbarem Dekor dieses Gefäß.

Bucentaur

Ich schaue da mal nach aber vom ersten Eindruck passt das besser. Bzgl. dem einen Metallstück bin ich durch Stöbern auf eine Schöpfkelle gestoßen und es sich somit nicht um eine Gabel handeln könnte. Zwischenzeitlich dachte ich mal an eine Fibel, aber da finde ich keine vergleichbaren Bilder.


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