Moin, kennt sich jemand hier mit Glasperlen aus? Ich habe heute eine bei mir auf der Hauskoppel gefunden (Nordfriesland).
Hallo Meyer1910,
eine schöne Perle hast du da gefunden. Solches blaue Glas hatten schon die Kelten. Für deren Glasschmuck ist es charakteristisch.
Das heißt aber nicht, dass dein Fund so alt ist.
Würdest du noch Ansichten von der Seite zeigen?
Durch die Eindellungen hat sie auch was von einer römischen Melonenperle: Römermuseum - Schmuck
Das lohnt sich, weiter zu recherchieren. Ich empfehle dir, den Fund dem zuständigen archäologischen Landesamt vorzustellen. Wenn es ein Museum mit archäologischen Stücken in der Nähe gibt, wäre das auch eine Option.
Viele Grüße
Die Wikinger hatten wohl auch solche Perlen:
Das würde doch gut zum Fundort passen.
Das Glas dafür könnten sie aus Ägypten haben.
Ein sehr schönes Stück,Glückwunsch.
Habe ich hier bei uns schon von den Römern gesehen.
Grüße vom Niederrhein
Vielen Dank für eure Hilfe
Moin, ja hab ich gleich eingemessen und demnächst gehts damit zum Archäologischen Landesamt. Vielen Dank nochmal für eurre Hilfe
Hallo Meyer1910,
deine Perle verleitet mich zu meiner ersten Antwort hier im Forum!
Ich setze mich zur Zeit mit Gräberfeldern in Ostdeutschland auseinander und da sind mir einige sehr ähnliche Stücke begegnet die ich dir mal rausgescannt habe:
(Schmidt 1976, 281, Taf. 93,6.)
“Einzelfund aus Obermöllern, gerippte Glasperle, schwarz mit weißen Streifen, 1,5x2 cm.”
(Schmidt 1976, 109.)
Leider auch nur ein Einzelfund, allerdings gab es in Obermöllern ein Gräberfeld wo sich eine weitere ähnliche Perle unter den Beigaben einer Körperbestattung fand:
(Schmidt 1976, 273, Taf 85, 2c.)
Obermöllern, Grab 6: " […] Gerippte Glasperle, flaschengrün durchsichtig, 3,1 x 2cm. […]"
(Schmidt 1976, 103.)
Die Bestattung der 60-70 jährigen Frau datiert um 550 n. Chr. Das Gräberfeld wird gemeinhin den Thüringern zugeschrieben.
Hier noch eine aus Lützen, Grab 19, diesmal ein Foto wegen der passenden Farbe:
(Muhl 2022, 217, Abb.7)
Die Frau war etwa 40 und lebte zwischen 437 - 500 n.Chr.
In den Katalogen zu ostdeutschen Gräberfeldern aus dem 4. - 6. Jahrhundert finden sich zahlreiche weitere ähnliche Perlen.
Ich dachte ich gebe hiermit einen Hinweis auf eine weitere Möglichkeit neben Römern und Wikingern und vermutlich zahllosen weiteren Trägern von Glasperlen.
Deine Perle gefällt mir übrigens auch!
Viele Grüße
Muhl 2022
A. Muhl, Boten aus der Steppe in Mitteldeutschland: Archäologische Spuren der Einflüsse von Hunnen und Awaren. In: Grenzüberschreitungen - Reiternomaden in Mitteleuropa, ihre östlichen Wurzeln und Verbindungen (2022) 211–246.
Schmidt 1976,
B. Schmidt, Die späte Völkerwanderungszeit in Mitteldeutschland. Katalog (Nord- und Ostteil). Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle 29 (Berlin 1976).
Vielen lieben Dank Lazarus für deine Mühen. Ich halte euch auf dem Laufenden was die Archäologie gesagt hat.
Die Perle ist auf jeden Fall antik. Mein Tipp ist ein Alter von 1000-1500 Jahren. Sie wurde auf jeden Fall an der offenen Flamme gefertigt - das lässt sich erkennen. Ich vermute es ist eine Perle aus nach-römischer Zeit. Franken und Merowinger kommen mir in den Sinn (550-750 AD im weitesten Sinne), auch wenn das im Grunde stilistisch und farblich nicht passt!. Blaues Glas war damals so beliebt wie es heute immer noch ist. Die Farbe gibt daher keine Hinweise auf Zeit und Ort der Herstellung.
Interessante Beiträge (Lazarus und Andere)! Wie es scheint, bin ich auf ein gutes Forum gestoßen, obwohl es bei mir eigentlich (fast) nur um antike Glasperlen geht.
Nach nochmaligem Studium der blauen Perle, gehe ich nunmehr von einer “pre-Roman” Glasperle aus.
Warum?
Römisch ist sie nicht!
Fränkisch ist sie nicht!
Merowingisch ist sie nicht!
Islamisch ist sie nicht!
Später als 1200 AD ist sie nicht!
Da bleibt quasi nur der vorrömische Zeitraum. Das ist nur ein Argument (bzw. fünf). Zudem passt die Herstellungstechnik und die relativ “simple” Verarbeitung zur Zeit um 500 BC.
Wie bekannt, ist es schwierig von Fotos zu urteilen. Theoretisch könnte ich diese Perle heute kopieren, was bedeutet, dass quasi jeder Zeitraum denkbar ist. Ich lege mich jedoch deutlich (!) auf einen vor-römischen Zeitraum fest!
Mir selbst sind zu den Fotos von Meyer1910 die in Thüringen im spätrömerzeitlichen Frienstedt zutage getretenen blauen Glasperlen eingefallen. Der von Christoph Schmidt (2014) erstellte Fundbericht ist online verfügbar und bietet im Katalog eine Reihe von Abbildungen. Hinsichtlich der Datierung wäre ich damit eher bei Lazarus.
Gruß But
Moin Butmir,
hast Du bitte einmal einen Link zu Christoph Schmidts Fundbericht?
Danke im Voraus.
Gruß
Jürgen
Moin Stoneman,
hier der Link https://macau.uni-kiel.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dissertation_derivate_00007763/Diss_Christoph_schmidt.pdf Tafel 4 und Tafel 73-74.
Gruß But
Moin Butmir,
Danke - nur 272 MB… kleine Warnung für Handy- und Tabletnutzer
Gruß
Jürgen