Ist das ein Hornstein-Schaber?

Hallo Freunde der Archäologie, erst mal ein erfolgreiches und gutes neues Jahr euch allen.  Da die Witterung in den letzten Wochen bei uns so mild ist, habe ich wieder drei Feldbegehungen gemacht, dabei habe ich den Suchradius an den “Wendekreisen des Traktors” etwas ausgedehnt. An 3 weiteren Äckern und mehreren Maulwurfshügeln im Umkreis von ca. 800 Metern um mein Haus konnte ich 90 weitere Keramikscherben aus dem bekannten Spektrum (ca. Eisenzeit) auflesen. Es sind auch wieder einige schöne Randscherben dabei. Aufgrund der Witterung dauert das versprochenen Abzeichnen und einstellen der Randscherben auch noch was @Quinar. Suchen und auflesen macht einfach mehr Spaß als abzeichnen. Aber natürlich mache ich die versprochenen Randscherben in den nächsten Wochen fertig und stell sie hier ein. Nun zu meiner Frage, ich habe bei den Begehungen auch einen Hornstein? gefunden, den ich für bearbeitet und benutzt halte. Der Stein läge in seiner vorliegenden Form zum Schaben auch richtig gut in den Fingern :detective: Hier sind einige Fotos (falls die Auflösung für eine Beurteilung nicht reicht, Scann ich das Teil nochmal von allen Seiten ein. . . . Was denkt ihr?

Hallo, ein Kieselgestein, mit zwei kreisrunden fossilen Einschlüssen, ist es auf jeden Fall. Das konkave Ende spricht nicht für einen Feuerschlagstein, wie ich zuerst annahm. Ob die breite Lateralretusche menschlichen Ursprungs ist, sieht man evtl., wenn Du sie nochmal im Makromodus ablichtest und einstellst. :slight_smile:

Hallo Quinar, danke für deine schnelle Antwort. . Hier ist der Stein nochmal vergrößert gescannt, vielleicht kann man daran erkennen ob da Retuschen menschlichen Ursprungs sind. .

Der Stein hat keinerlei Merkmale eines Abschlags. Die steile, regelmäßige Retusche und die verschliffenen Dorsalgrate sprechen, ebenso wie die matte Oberfläche, für eine Kyroretusche.

Du meintest sicher Kryo-Retusche :) - also ist der Stein natürlichen Ursprungs ohne menschliche Gewalteinwirkung. . Danke für deine wertvolle Hilfe, ich bleib also bei meinen Scherben :-*> 

  1. Gibt es denn in dieser Region natürliche Hornsteinvorkommen? 2. Ich würde das Teil trotzdem mal jemandem vom Landesamt zeigen (oder wie das bei Euch heißt), denn ich wär mir da nicht ganz so sicher, dass es kein Artefakt ist. Schönes Wochenende TB 

Hallo theo123, . es gibt bei uns im ganzen Ort verteilt tatsächlich richtig große Konglomerat-Felsbrocken teilweise mit “eingebackenen” Hornstein-Stücken. Diese Felsbrocken stammen aus einem großflächigen nacheiszeitlichen Bergsturz unbekannter Zeitstellung von dem man die Spuren im Tal heute noch deutlich sehen kann. . In den Karawanken direkt nebenan gibt es dicke Schichten von Dolomit mit Hornstein-Lagen und -Knollen, sowie 40 Meter mächtige plattige Hornstein-Kalke. Inwiefern diese für Steinwerkzeuge geeignet sind kann ich als Laie leider nicht beantworten. Hier ein Link zum Aufbau unseres Gebirges dazu vom Bau des Karawanken-Straßentunnels (pdf).  . Funde an Feuerstein-Werkzeugen aus diesem Material sind aber im unmittelbaren Umkreis soweit ich weiß nicht bekannt geworden. Werde den Stein mal zwischen meine Scherben legen und ihn im Frühjahr bei der Begehung mit dem Bundesdenkmalamt (BDA) ganz beiläufig unserem Urgeschichtler vom Landesmuseum Kärnten vorlegen. . Eigentlich unglaublich ist die Unwissenheit in der Bevölkerung was die Meldung von Funden anbelangt, wurde ich doch tatsächlich von der Nachbarin gefragt, ob man für eine Meldung beim Bundesdenkmalamt für die Meldung bzw. Begehung nicht etwas bezahlen muss!!! . Dir auch ein schönes Wochenende.

Na klar kann man ihn vorführen. Evtl. wird aus der Kyro dann eine GSM-Retusche. Ehrlich Theo langsam fängst Du an mir echt auf den Nerv zu gehen. Nicht immer nur Zweifel bekunden, jetzt ist es bei Dir mal ins Feld zu führen, was Dich zur Annahme veranlasst, dass es sich um ein Artefakt handelt? Lieber Theo, was bitte hat das Anstehen von Horstein mit dem Artefaktcharakter des hier gezeigten Steins zu tun? Selbst, wenn Silex nicht natürlich vorkommt, ist außer der Tatsache, dass der Stein verbracht wurde, nichts bewiesen. Wie der dahin gekommen sein kann, habe ich schon vor etlichen Monaten geschrieben. Genutzt hat es scheinbar nichts.

@Quinar - Zumindest hab ich was dazugelernt - nämlich das Kryo- bzw. GSM-Retuschen an Hornstein natürlichen Ursprungs sind! . Wenn ich Hornsteine mit vermeintlichen Bearbeitungsspuren finde zeige ich sie euch wieder und ihr als Routiniers dürft das dann ausdiskutieren :-"  . Hier sind die Retuschen gut erklärt:  http://www.steinzeitwissen.de/erkennungsmerkmale-steinzeitlicher-artefakte/pseudoretuschen

Das mit der Gewalteinwirkung ist so eine Sache. Vor meinem geistigen Auge läuft manchmal auch ein “Gewaltfilm” ab. :smiley: Ach so, ein Schaber ist es definitiv nicht. Der Ausdruck impliziert nämlich eine altpaläolithische Zeitstelltung. G_G

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@Quinar - Mei des oame Pipale, bin mehr für “Solidarity:wink: Übrigens ich hatte kürzlich meinen sehr scharf geschliffenen metallenen Vignetten- und Pickerl-SCHABER im Einsatz, der ist ganz sicher nicht “altpaläolitischer Zeitstellung”, sondern eindeutig Neuzeitlich und noch sehr gut erhalten… X-D

Gib ihn noch 10 000 Jahre, dann interessiert sich auch einer für den Schaber.  >:)

Der ist in nur 1000 Jahren schon ein Artefakt :innocent: Halte den Stein eigentlich für zu weich und von zu uneinheitlicher Struktur für ein Werkzeug, aber die vermuteten Kryo-Absplitterungen am Grat sehen relativ gleichmäßig aus, das ließ mich vermuten, es könnten Spuren menschlicher Bearbeitung sein. Aber egal, darauf liegt wie du eh weißt mein Schwerpunkt ohnehin nicht.

Das möchte ich so nicht im Raum stehen lassen. Gerade das Ausschließen menschlicher Bearbeitungsspuren ist mein selbstgewählter Aufgabenbereich in diesem Forum. :stuck_out_tongue:

@Quinar - Im Frühjahr den Stein dem Urgeschichtler vom Kärntner Landesmuseum und dem Archäologen vom BDA Vorlegen oder nicht, das ist die Frage? . Ich tendiere nach deinen Festlegungen dazu, den Stein nicht vorzulegen, da das die Archäologen vom der für mich viel wesentlicheren Frage, ob hier eine eisenzeitliche Siedlung oder etwas ähnliches war, bei der Begehung ohnehin nur ablenkt. Wenn weitere für mich verdächtige Hornsteine auftauchen sollten, kann ich ja dich fragen und diese gegebenenfalls später auch noch den Archäologen vorlegen. Was denkst du? . Den versteinerten Seeigel habe ich übrigens auch gleiche erkannt (aufgrund von in Archäologie-Online und in Mineralienatlas.de angeeignetem Wissen), hübscher Fund  :) 

Vorlegen schadet nicht. Ist immer wichtig die Funde in der Hand zu halten. Das hier sind Fernansprachen. Ablenken tut der Stein nicht. Es kommen auch Silxfunde im metallzeitlichen Kontext vor.  :slight_smile:

Vorlegen!

Danke für Deine umfangreiche Auslassung zum Stück! X-D Könntest Du uns mitteilen, aufgrund welcher Annahmen Du zur ausführlichen Aussage gekommen bist? :-"

Hallo Ostrogoth! Ich halte das Stück für sehr viel jünger als die bisherige Diskussion, nämlich für einen Flintenstein. Ein Feuerstein, der in einem neuzeitlichen Steinschloss - Gewehr oder Pistole - dazu da ist, den Zündfunken zu schlagen. Das Stück ist nicht besonders “schön” und nicht mehr werkstattfrisch, sondern benutzt. Die vielen kleinen, sehr steilen Retuschen an der einen Kante sind Benutzungsspuren. o.k., ich bin kein Experte, und mir nicht völlig sicher, dass ich richtig liege, würde aber empfehlen, in diese Richtung einmal ernsthaft recherchieren. Wenn meine Deutung stimmt, erübrigt sich die Frage, ob das Rohmaterial in der Region vorkommt. Flintensteine würden zu Massen in Manufakturen hergestellt und verkauft. Vier Freude!

Da würde ich auch mal recherchieren. Bei google kann man anfangen. Flintensteine wurden in Massen gefertigt und verkauft. In ihrer überwiegenden Masse stammen sie aus Frankreich (dieser Silex mit wohl nicht) - und sehen auch ein wenig anders aus- :-" Aber egal, evtl. ist es auch eine mittelpaläolithische Klinge. 8)