Kein Traditionshandwerkszeug aus Knochen. Gelöst als Knochen mit Nagespuren von Kleinnagern

Hallo allerseits,

ich lese schon eine Weile mit, doch dies ist mein erster Beitrag.

Gerne möchte ich einen Fund aus dem letzten Herbst zeigen, den ich mich noch nicht einzuordnen traue.

Ein Fersenbein, ich nehme an von einem ausgewachsenen Rind. Der Knochen war bemoost und seine Oberfläche ist teilweise stark angegriffen. Er muss sich also schon längere Zeit an der Oberfläche befunden haben.

Ob er jemals unter der Erde lag, lässt sich nicht sagen. Nun ist aber meine Hoffnung, dass er eben das mal war, denn schließlich bin ich ja auf der Suche nach steinzeitlichen Hinterlassenschaften. Das heißt, ich suche auch hauptsächlich dort, wo man auch welche erwarten kann. In diesem Fall ein heute bewaldetes Gebiet intensiven Eisenerzabbaus, der bis ins Mittelalter reicht. In der Gegend der mittleren Lahn übrigens.

Die Suche nach Vergleichsstücken hat sich als sehr schwierig erwiesen, ich habe das Gefühl, man weiß mehr über die Werkzeuge der Steinzeit als über das Handwerk der letzten paar hundert Jahre. Kein auch nur annähernd ähnliches Stück habe ich gefunden.

Müsste ich raten, würde ich metallzeitlich sagen, weil die Schnitte wirken, als seien sie mit einer langen Klinge gemacht. Nicht alle Schnitte machen technisch Sinn, scheinen also Zierde zu sein. Mineralisierung ist teilweise stark, was aber nichts heißen muss. Das wars dann auch schon.

Also wenn jemand Ideen dazu hat oder gar etwas weiß - ich würde mich sehr freuen…

Gruß
Marco

PS: Der Fund ist noch nicht gemeldet! Eine länger zurückliegende Meldung anderer Funde beim LDA war nicht auf Interesse gestoßen und ich hoffe, hier den ein oder anderen guten Tipp zu bekommen, wie ich meine bisher gemachten Funde sinnvoll für einen zweiten Versuch aufbereite.

Moin und Willkommen Mann_mit_Hund,

auf den ersten Blick sehen mir die unregelmäßigen “Schnitte” wie Nagespuren von Nagern wie
Maus oder Eichhörnchen aus.

Insbesondere an den Kanten (Calcaneus 5) wo vermeintlich Ober- und Unterzähne gleichzeitig,
an zwei zueinander stehenden Flächen, genagt haben.

Eine zeitliche Einordnung aufgrund der Spuren kann man meines Erachtens nicht vornehmen.

Gruß

Jürgen

Edit hinzugefügt: “an zwei zueinander stehenden Flächen”

Nachtrag:
Scrolle einmal zum fünften Bild herunter.

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Danke Jürgen, das scheint ja wirklich eindeutig.

Tatsächlich war mein erste Gedanke beim Aufheben, das Teil sei angenagt. Bei Betrachtung mit der Lupe hatte ich die Idee aber (wohl zu) schnell verworfen, weil ich die laienhafte Vorstellung hatte, es müssten Gegenbisse zu sehen sein, was ja nicht der Fall ist. Aber was weiß ich schon, wer da wie mit welcher Methode knabbert.

Nun bin ich wirklich froh, dieses lästige Fundstück weit weg legen zu können. Vielleicht findet sich ja noch ein Nagetiererfahrener.

Die Website, zu der du verlinkt hast, ist echt gruselig. Bei uns hier habe ich auch mal so einen Ort entdeckt, als „Knochenschlucht“ bekannt, wie ich später herausfand. Jäger werfen dort seit Jahrzehnten ihre Schlachtabfälle hinein. Ich dachte, ich sei im Vorhof zur Hölle, weil ich die Vorstellung hatte, die Tiere seien eine hohe Felswand heruntergestürzt und wären qualvoll verendet. Es stank auch höllisch, weil dort ein ganz junges Wildschwein lag, das von Millionen Maden zerfressen wurde. Schweinepest war damals schon Thema…

Gruß
Marco

Nachtrag: Schon mal ein Teil weniger, das ich den Archäologen vorlegen muss. :+1:

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Danke fürs Ändern des Threadtitels, wer auch immer das war. Wenn das so Tradition ist, verspreche ich das in Zukunft selbst vorzunehmen.

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