Lebenserwartung von Frauen im Neolithikum

Hallo,

ich suche Informationen über die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen im Neolithikum und zwar getrennt für Jäger umd Sammler sowie baüerliche Kulturen. Durch die neolithische Revolution kam es ja zu einer Bevölkerungsexplosion. Das bedeutet mehr Geburten pro Frau. Geburten sind aber ein Risikofaktor. Deshalb interressiert es mich inwieweit die Sterberate der Frauen zugenommen hat bzw ob die Lebenserwartung abgenommen hat. Das könnte Hinweise auf die Wertigkeit der Geschlechter geben und damit über Erbfolge und das Patriarchat.

Ich nehme an, du hast heute ebenfalls diese Doku gesehen:

https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/maechtige-maenner-ohnmaechtige-frauen-102.html

Ähnliche Doku (die ich noch nicht gesehen habe):
https://www.arte.tv/de/videos/097508-000-A/frauen-und-maenner-der-steinzeit/

Ich wage übrigens zu bezweifeln, dass es eine genügend große Stichprobe gibt, um zu einer entsprechenden (allgemeingültigen) Aussage kommen zu können.

Konkrete Belege aus Studien habe ich jetzt auf die Schnelle nicht finden können, aber ein Zitat, das aber das Vorhandensein solcher Studien nahelegt:

B. Röder -  “Frauen - Zeiten - Spuren” (sucht man nach diesem Titel, findet man in vielfach zitiert):

“Gut untersucht und auch für spätere neolithische Kulturen Mitteleuropas nachgewiesen ist jedoch die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter. Während im Mesolithikum Männer und Frauen eine ähnlich hohe Lebenserwartung hatten, sank diese mit der Neolithisierung speziell für die Frauen drastisch ab. Frauen starben in der Bandkeramik im Schnitt ein Jahrzehnt früher als Männer. […] Die meisten Frauen starben im dritten Lebensjahrzehnt […] Als wichtiger Faktor, der die Lebenserwartung der Frauen herabsetzte, wird ihre Belastung durch die sehr früh und dann in kurzen Abständen aufeinander folgenden Schwangerschaften vermutet. Angesichts der oben geschilderten archäologischen Indizien für ein starkes Anwachsen der Bevölkerung in bandkeramischer zeit ist diese Erklärung plausibel.”

Google Books spuckt zum Thema diese Ergebnisse aus:

https://www.google.de/search?q=neolithikum+studie+lebenserwartung+frauen&newwindow=1&source=lnms&tbm=bks&sa=X&ved=2ahUKEwjx4-GYjM_xAhXE-aQKHUn1A-MQ_AUoAXoECAEQCw&biw=965&bih=809

(Arghhh… Google Books hat anscheinend irgendwas an der Benutzbarkeit/Darstellung der Suchergebnisse geändert. Ärgerlich!)

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Hallo Grisha,

in der Publikation von Eric Biermann, Köln 2001, Alt- und Mittelneolihikum in Mitteleuropa, findest du unter Kapitel 9.4, Bevölkerung, Krankheiten und medizinische Versorgung, eine Passage über die Lebenserwartung.
Das ist aber leider nicht viel :/ 

Grüße,

Thorsten

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Das ist wohl wie ich es vermutet habe. Meine Theorie ist das die erhöhte Sterblichkeit der Frauen grossen Einfluss auf die Erbfolge hatte. Die Menschen hatten erstmals Besitz den sie vererben konnten.Die höhere Lebenserwartung der Männer begünstigte dabei die Vererbung von Besitz an die Söhne. Das hatte große gesllschaftliche Folgen. Frauen mussten zum Wohnort ihrer Männer wechseln, waren nicht so wichtig, ( so hart es klingt sie starben wahrscheinlich früh ). Darin liegt wahrscheinlich eine der  Hauptursachen für die zunehmende Ungleichheit der Geschlechter und die Entwicklung des Patriarchats.

Schade das viele Männer und leider auch Frauen noch immer in der Steinzeit leben.

Hallo,

es gibt doch ein paar Beispiele für Matriarchate (Südamerika, Indonesien?)

Auf welcher Entwicklungsstufe stehen denn diese Gesellschaften und warum haben sie sich so entwickelt?

Gruß,

Hugin

Hugin schrieb:

Hallo,

es gibt doch ein paar Beispiele für Matriarchate (Südamerika, Indonesien?)

Auf welcher Entwicklungsstufe stehen denn diese Gesellschaften und warum haben sie sich so entwickelt?

Gruß,

Hugin

Gute Frage,wiederlegt aber nicht meine Theorie. Patriarchaische Gesellschaften sind eindeutig in der Mehrheit. Ich werde mich aber mit matriarchischen Gesellschaften befassen.Meine Hauptintension ist zu verstehen woher die soziale und ökonomische Ungleichheit der Menschen kommt und die entwicklung von Machtstrukturen und Eliten.

Grüße,

Grisha

Warum unterstützen Frauen patriarchalische Gesellschaften und beschneiden z.B. ihre Kinder?

Meine Theorie ist, dass in Jäger und Sammler Gesellschaften, die Frauen verstärkt ‘zu Hause’ geblieben sind (Schwangerschaften etc.), die Männer verstärkt auf Jagd waren und auch verstärkt auf der Jagd umgekommen sind. Dadurch waren die Frauen wichtiger und es gab öfter Matriarcharte. Erst mit Ackerbau und Viehzucht ist das gekippt. Deshalb meine Frage, wenn die heutigen Matriarcharte noch Jäger und Sammler sind, würde das meine Theorie bestätigen.

Gruß, Hugin

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Hugin schrieb:

Warum unterstützen Frauen patriarchalische Gesellschaften und beschneiden z.B. ihre Kinder

Eine gute Frage! Solche Fragen stelle ich mir auch öfter. Und selbst in fortschrittlichen Demokratien bevorzugen es Frauen unverständlicherweise, Männer in führende Positionen zu wählen. Das gilt  natürlich nicht für alle Frauen!

Hugin 

Meine Theorie ist, dass in Jäger und Sammler Gesellschaften, die Frauen verstärkt ‘zu Hause’ geblieben sind (Schwangerschaften etc.), die Männer verstärkt auf Jagd waren und auch verstärkt auf der Jagd umgekommen sind. Dadurch waren die Frauen wichtiger und es gab öfter Matriarcharte. Erst mit Ackerbau und Viehzucht ist das gekippt. Deshalb meine Frage, wenn die heutigen Matriarcharte noch Jäger und Sammler sind, würde das meine Theorie bestätigen.
Gruß, Hugin

Diese Theorie kann ich gut nachvollziehen. Der Nachweis wird aber schwierig, wobei schon einige Funde darauf hinweisen.
Und meine Theorie (als Mann!):
Der Beginn von Ackerbau und Viehzucht war das Ende des Paradieses. 
Wobei ich doch lieber im hier und jetzt lebe!

Viele Grüße