Minoischer Ring; Abb. Schlangengöttin; echt oder Fälschung, soll ich das melden und wo?

Hallo liebe Freunde,

mein Name ist Lukas ich bin Jurist aus Hamburg und habe einen Ring, bzw. ein Ringfragment, geschenkt bekommen und seitdem habe ich den Archäologen in mir entdeckt :slight_smile:

Vorab, ich habe kein Interesse daran den Wert zu erfahren oder mich in irgendeiner Weise zu bereichern, ich möchte nur erfahren, ob ich auf der richtigen Fährte bin und ob ich die Sache irgendwo melden sollte.

 

Ich habe den Ring von einem griechischen Geschichtslehrer (dem Vater meiner Freundin erhalten). Dieser konnte allerdings kaum weitere Erkenntnisse liefern.

Der “Fundort” ist 1967 in Athen (irgendein Antiquitätenhändler) gewesen, der behauptete diesen Ring aus Kreta zu haben. Mein Schwiegervater hat das (goldene) Ringfragment von einem Juwelier auf einen silbernen Ring setzen lassen. Einer zuständigen Behörde wurde der Fund - bislang - bestimmt nicht gemeldet.

Meine Recherchen haben in mir die Vermutung geweckt, dass es sich bei der Abbildung auf dem Ring um eine Darstellung der minoischen Schlangengöttin bzw. einer Schlangenpriesterin handeln könnte, ähnlich den Figuren, die von Evans im Tempel von Knossos gefunden worden sind (Minoische Religion – Wikipedia).

Allerdings habe ich auch herausgefunden, dass nachdem Evans die Figuren um 1910 gefunden hatte, viele Fälschungen von ähnlichen Artefakten auf den Antiquitätenmärkten auftauchten.

 

Ich würde gerne eure Meinung dazu hören und vor allem hätte ich gerne einen Tipp, wo ich weitere Informationen finden kann und an welche Stelle ich mich wenden kann.

 

Vielen Dank und viele Grüße

 

Lukas

Jetzt die Bilder:

 

Hallo!

Sicher das das Gold ist ? Sieht aus wie ein (Messing?) Siegelring

 

LG

Die originalen minoischen Siegelringe sind aber von der Machart ganz anders. Meist eine auf den Ring aufgesetzte Platte und nicht aus einem Stück gemacht.

Unter der Suche “minoan seal ring” musst du dich mal durchgraben, vielleicht findest du doch noch was Ähnliches.

LG

 

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Moin,

eine Dichteermittlung ist sehr einfach; hier auch recht schön erklärt > Klick <

In diesem Falle, Bronze oder Messing von Gold zu unterscheiden, ist es auch recht sicher.

Dichte Bronze/Messing = 7,4…8,9/8,1…8,7

Gold = von 10 bis 19 g/cm³, je Karat (333 - 999) unterschiedlich.

Schafft man schon mit einer Küchenwaage, eine Briefwaage auf jeden Fall.

Gruß

Jürgen

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Hi Luci und Jürgen,

Vielen Dank für eure antworten. Das mit dem “golden” war nur zur farblichen Unterscheidung gemeint, ich gehe nicht davon aus, dass der Ring aus Gold ist, wohl eher Bronze oder Messing. Mit der dichtemessung werde ich vermutlich erstmal nichts, weil daß ringfragment auf einen silbernen aufgesetzt worden ist. Das müsste ich vorher auftrennen.

Ich werde mich mal durch die Bilder Google und melde mich dann.

Danke nochmal!

 

@Lukas32
Die Figur sieht schon nach besagter Schlangengöttin (Priesterin) aus, aber die Abbildung paßt nicht in die mir bekannte Darstellungsform der Minoer. Die stellten Figuren schon ziemlich früh realistisch dar wie StoneMan ja schon anmerkte.
Die Figur scheint mir eher den Linear- A und B-Schriften auf Tontafeln geritzt und auf Keramik gemalt nachempfunden zu sein. Die Randzier findet man z.Bsp. auf einem geschnittenen Siegel wieder.
Ebenfalls fehlt für Göttinen und Priesterinnen der charakteristische Volantrock mit Schürze und natürlich last but not least die freien Brüste. Dazu kommt noch, dass die Schlangengöttin nach wissenschaftlicher Auffassung noch nie auf Siegeln und Gemmen abgebildet wurde. (Siehe unten im Zitat von K.Schuhmann.)
Das Motiv ist so eindeutig, dass ich den Ring auch keinem anderen Kulturraum zuordnen möchte. Es muß ja auch nicht unbedingt eine beabsichtigte Fälschung sein, denn nostalgische Nachbildungen oder besser Nachempfindungen gibt es von der Antike bis heute.
Wenn Deine Freundin aus Kreta ist, dann wirst Du doch sicher mal dort hinfliegen !? Wenn ja. dann frage doch mal im Museum in Heraklion nach. 
Hier wäre auch noch eine Möglichkeit nachzufragen, denn dort läuft oder lief ein Projekt: Corpus der Minoischen und Mykenischen Siegel
Akademie der Wissenschaften

http://www.cms.adwmainz.de/informationen.html

Linear A Schrift:

Minoisches Siegel, Insel Tavşan Adası

Ein goldener Siegelring sah z.Bsp. so aus: Archäologische Museum von Heraklion

Funde von Evans aus demTempel von Knossos  im Archäologischen Museum Iraklion, mittelminoisch IIIB.
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/af/Museu_arqueologic_de_Creta24.jpg 

Ruprecht – Karls – Universität Heidelberg, Kristin Schuhmann 
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/propylaeumdok/378/2/Schuhmann.pdf
Die minoische Schlangengöttin Seite 54
ZITAT: Schlangen in Verbindung mit einer stehenden weiblichen Gestalt als so genannte Schlangengöttin begegnen uns erst in minoischer Zeit und ausschließlich in Form von Tonidolen, sie erscheint nie auf Gemmen und Siegeln. Solche Tonidole werden immer in Palästen oder Haus-Heiligtümern auf Kreta gefunden, nie in Höhlen oder Heiligtümern unter freiem Himmel…
Schlangen in Verbindung mit stehenden Frauen spielen im Antiken Griechenland spätestens seit der Bronzezeit eine bedeutende Rolle. Tatsächlich befinden sich die Schlangen nur bei den Figurinen aus Knossos in weiblicher Hand, ansonsten sind nur männliche „Schlangenbeschwörer“ bekannt. Die Bildwerke einer Frau mit erhobenen Armen und Schlangen in den Händen, vor allem die Fayence-Figurinen aus den Temple Repositories in Knossos, rangieren unter den naheliegendsten Beispielen für eine minoische Potnia Theron…
Auch die Kleidung gibt uns noch weiter Aufschluss über das Wesen der Gestalt. Das Gewand setzt sich aus drei Teilen zusammen: ein Mieder, ein Volantrock und eine Schürze. Es könnte sich um eine besondere feierliche Tracht oder auch um eine Gewandung handeln, die speziellen sozialen Schichten vorbehalten war
. ENDE

Übrigens hat sich ja herausgestellt, dass die “Schlangengöttinen” in Toronto und Boston Fälschungen sind.
http://www.geocities.ws/films4/goettinnendaemmerung.htm

Wo wir gerade beim Thema Schlangengöttin sind, war dieses steinzeitliche Idol schon eine solche?
http://www.holiday-crete.com/history_firstcretans_de.html#.WADrMI-LTcs

Gruß
Kurti

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Ergänzung:

Das ist die Figur aus Toronto mit dem Penisschutz. Das Bild kann durch Anklicken vergrößert werden und dann sieht man deutlich, dass es keine Schürze ist wie bei der Schlangengöttin.

Hey Kurt,

Wow, vielen Dank für die tolle Antwort. Ich werde mich jetzt zunächst an das prpjekt der Akademie der Wissenschaft wenden und werde hier dann berichten.

 

Vielen Dank und viele Grüsse 

 

Lukas

 

Hallo,

Ich habe mich an Prof.  Pini gewandt und folgende Antwort erhalten:

 “Bei Ihrem Ring handelt es sich leider um ein Exemplar, das für den Touristenmarkt gefertigt wurde. In den 60-iger und 70-iger Jahren konnte man entsprechende Stücke häufig in „Antiquitätenläden“ in Iraklion finden. Es tut mir leid, Ihnen keine erfreulichere/interessantere Auskunfz geben zu können.”

 

jetzt bin ich schlauer. 

 

Viele grüße

Lukas 

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@Lukas32

Danke, dass du dich noch mal gemeldet hast. Da lagen wir mit unserer “nostalgischen Nachahmung” ja eigentlich so ziemlich, fast genau, quasi richtig. :-D

Beste Grüße

Kurti

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