Sommerpause ist vorbei, und es geht heiter weiter!
Nachdem ich die Via Claudia Augusta immer etwas stiefmütterlich behandelt hatte (was vor allem daran liegt, dass ich die Strecke nie gefahren bin), habe ich mir diese Straße jetzt einmal etwas genauer angeschaut und dabei gelernt, dass diese neben dem in der deutschsprachigen Literatur meist hervorgehobenen Startpunkt Verona ein weiteres caput viae hatte (mit Abzweig in Trient), und das ist der an der Adria gelegene römische Hafen Altinum.
Wie immer habe natürlich erst einmal Luftlinien gemessen und dabei überrascht festgestellt, dass Altinum, wie bekannterweise auch der römische Hauptort der Helvetier Aventicum (Avenches) in der Westschweiz, sehr genau 3 Meridiangrad (150 Leugen, 225 m.p.) von Augsburg entfernt liegt. Das sind also keine zufälligen Orte, sondern jeweils Anfangs- und Endpunkte der jeweiligen Straßen:
Dann stellte sich heraus, dass der bedeutende pannonische Stützpunkt Carnuntum jeweils sehr genau 4 Meridiangrad (200 Leugen, 300 m.p.) von Altinum und Augsburg entfernt liegt:
wie das so ist, so bald man etwas veröffentlicht, merkt man kurz danach, dass man noch etwas Wichtiges übersehen hatte.
In diesem Fall die Distanz von Aventicum (Avenches) nach Vipitenum (Sterzing), die mit 333.5 km wiederum sehr genau (+0.06%) 3 Meridiangrad, bzw. 150 Leugen oder 225 m.p. entspricht.
Obendrein liegen beide Orte exakt auf dem selben Breitengrad 46.89° N — wie auch die von dieser Linie geschnittene Straßenstation Inutrium (Nauders)! [1] [2]
Da es sich damit hier um einen Kleinkreis handelt, habe ich die Linie in der jetzt aktualisierten Karte in Blau dargestellt (alle anderen Linien sind Großkreise, die in dieser Web-Mercator-Projektion leicht gebogen erscheinen):
[1] Falls jemand nachmessen möchte ist zu beachten, dass das Zentrum von Aventicum rund 1 km nordöstlich des heutigen Ortskerns von Avenches gelegen hat, während Vipitenum südlich des Ortkerns von Sterzing lag, östlich von Thuins.
[2] Nach aktuellem Forschungsstand wird die Gründung von Aventicum dendrochronologisch auf 15 BCE bis 8 BCE datiert, eine keltische Vorgängersiedlung [an diesem Ort] wird ausgeschlossen. Da davon auszugehen ist, dass Vipitenum, wie wohl auch Inutrium, im Rahmen des Alpenfeldzugs 15 BCE oder bald danach als künftige Straßenstation bestimmt worden war, sind diese Gründungen also als etwa gleich alt und jedenfalls als augusteisch anzusehen.
aller guten Dinge sind drei, und damit hier eine nochmals überarbeitete Karte, in der vor allem Tabernis (Saverne/Zabern) noch hinzugekommen ist, wie auch der Abzweig der Via Claudia Augusta nach Verona, und, damit Locarno nicht so allein dasteht, auch noch die Route über den San Bernardino, wobei hier nicht ganz sicher ist, inwieweit diese bis Mitte des 1. Jahrhunderts schon genutzt wurde.
Außerdem wurden einige weitere bekannte Etappenorte hinzugefügt und ein paar kleine Fehler bereinigt.
Dass Saverne recht genau 3 Meridiangrad nördlich von Aosta auf praktisch dem selben Längengrad liegt wie die Lager Olfen und Bentumersiel aus den Germanienfeldzügen, kam ja schon häufiger in meinen Beiträgen vor. Hier passt das sehr schön in das neue Bild, dass sich mit Altinum (und Kempraten!) jetzt ergibt:
PS: An der Stelle ein Gruß an die Teilnehmer des Geschichtsforums. Wer das Thema weiter diskutieren mag: hic est Rhodos — und wir haben Verbandszeug im Haus.
… Und hier noch ein Update, ergänzt um das Militärlager Argentorate (Straßburg), das wie Aventicum sehr genau 3° von Vipitenum entfernt lag. (Straßburg wird dann in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts caput viae der durch den Schwarzwald führenden Kinzigtalstraße nach Augsburg, via Waldmössingen, Rottweil und Tuttlingen.)
danke für das freundliche Feedback. Natürlich ist mir das Phänomen der “Clustering Illusion” bekannt. Dieses zu vermuten, ist die natürliche Reaktion, wenn man mit der Zeitphase und den Ereignissen um die es geht nicht sehr vertraut ist (das ist ebenfalls nicht böse gemeint).
Eine Illusion ist es ja nur, wenn man in einer zufälligen Datenmenge Muster zu erkennen scheint. Meine Koordinaten sind aber alles andere als zufällig, da sie, von älteren italischen Startpunkten abgesehen, allesamt wichtige Orte bezeichnen, die innerhalb weniger Jahrzehnte ex nihilo von einer bekannten Zentralmacht gegründet worden waren.
Wenn da neben dem militärlogistisch wichtigen Adriahafen Altinum [1] gleich drei Augusta-Orte und dazu noch das bedeutendste römische Militärlager in Österreich, Carnuntum, eine entscheidende Rolle spielen, kann man doch kaum noch von zufälligen Punkten sprechen. Und Aventicum war der von den Römern [um 15 BCE] bestimmte Hauptort der Helvetier, während gleichzeitig oder kurz danach Augsburg zum Hauptort der Vindeliker erkoren worden war — beides geplante Gründungen auf der grünen Wiese, ohne keltische Vorgängersiedlungen (zwischen denen recht genau mittig auf der Straße Ad Fines (Pfyn) liegt, der Grenzort zwischen Helvetien und Rätien).
Als im Sommer die Entdeckung zweier augusteischer Lager im hessischen Reimershausen bekannt gegeben wurde, konnte das meine Hypothese der diskreten Distanzen nicht widerlegen, im Gegenteil:
Hier noch ein genauerer Blick auf die Gegend um das Legionslager Mainz, von dem aus Drusus um 12 BCE (drei Jahre nach dem Alpenfeldzug) erstmals über den Mittelrhein vorstieß:
Rödgen war vorgeschobenes Versorgungslager in der Drusus-Phase (12 – 9 BCE) und existierte längst nicht mehr als Lahnau-Dorlar (und die Zivilsiedlung Waldgirmes) um 5 CE gegründet wurde — das nur am Rande.
Gruß, Timo
[1] Aufgrund von Schleuderbleifunden in Graubünden wird die Beteiligung von Vexillationen syrischer oder ägyptischer Legionen am Alpenfeldzug vermutet. Deren schnellster Weg hätte per Schiff nach Altinum geführt.
Danke fürs nicht böse sein ich verstehe deine Aufregung und sehe natürlich auch das Muster.
Das Problem dabei ist, dass ihr m.E. das Pferd von hinten aufzäumt. Ihr sucht euch bereits bestehende Orte und und versucht auf diese willkürlich ausgesuchte Distanzen und/ oder Winkel darüber zu legen, um diese zu verbinden.
Die Frage ist, was hätte es den Römern gebracht, auf leeren Landkarten eine neue Siedlung/Befestigung/Lager an Orten zu errichten, die aufgrund von Distanzen/Winkeln passend sind?
Viel logischer ist doch, Orte zu wählen, an den Frischwasser, Anbindungen an Handelsstraßen, bereits Baumfreie Flächen o.ä. zu finden sind.
Im Nachhinein bestehende Orte mit willkürlich festgelegten Parametern in Beziehung zu setzen ist mit allem möglich. Das könnte ich z.B. auch mit slawischen Burgwällen oder mit Städten die im 12.Jh. Gegründet wurden machen. Wenn ich lange genug suche, finde ich bestimmt eine mathematische Beziehung, eine Scheinkorrelation.
Du kannst beim du bleiben, ich bin allein verantwortlich
Und von wegen “willkürlich ausgewählter Distanzen” kurz etwas zur Forschungsgeschichte:
Nachdem mir zuvor schon sehr regelmäßige Entfernungen zwischen augusteischen Standorten aufgefallen waren, habe ich einmal die Luftliniendistanzen zwischen den Drususlagern am Mittel- und Niederrhein vermessen. Begonnen habe ich damit in Xanten (Vetera I), und maß von dort zum nächsten Lager Moers-Asberg 27.78 km.
Jetzt kam mir der Zufall zur Hilfe, als ich mit einer Faustformel aus der Fliegerei abschätzen wollte, ob zwischen diesen Standorten eine theoretische Sichtverbindung bestanden hätte. Dazu musste die Distanz von 27.78 km in Nautische Meilen umgerechnet werden, wobei sich sehr überraschend einfach 15 ergab, ganz ohne Nachkommastellen. Und die gleiche Distanz misst man zum nächsten Stützpunkt in Neuss. Weiter nach Bonn sind es dann 30 NM (300 Stadien), wie auch von dort nach Koblenz.
15 Nautische Meilen entsprechen dem Viertel eines Meridiangrades (60 NM = 1°), oder in antiken Maßeinheiten 150 Stadien oder 12.5 Leugen.
Allein die in der historischen Fachliteratur offenbar völlig ignorierte Kompatibilität der römischen Längenmaße mit der vom Erdumfang abgeleiteten neuzeitlichen Nautischen Meile (1 NM = 10 Stadia; 1° = 60 NM = 50 Leugen = 75 m.p.) sollte viele Fragen aufwerfen. Willkürlich sind diese Distanzen sicher nicht, zumal in der vorliegenden massiven Häufung.
Planerische Sicherheit. Wenn ich zwei Stützpunkte wie etwa Bonn und Koblenz in einer Distanz von einem halben Meridiangrad (25 Leugen, 300 Stadien) zueinander anlege, kann ich von vornherein sicher sein, dass die Strecke zwischen beiden Orten sich in drei Etappen à 20/22 km teilen lässt — die bevorzugte Tagesmarschdistanz. Außer im Hochgebirge funktioniert das nahezu überall.
Zwischen Bonn und Koblenz liegen auf der römischen Route so auch passend nach 22 km Remagen und weiteren 22 km Andernach, von wo es je nach Route noch 20 bis 22 km nach Koblenz sind.
Da lustige daran ist allerdings, dass Bonn, Remagen, Andernach und Koblenz als Stützpunkte am Rhein schon angelegt worden waren, Jahrzehnte bevor die Straße zwischen diesen Orten teilweise mühsam aus dem Fels geschlagen worden war (Unkelstein).
Da hatte man einmal gut gemessen, und ein halbes Jahrhundert später ein sauberes Ergebnis.
Bei der Gelegenheit habe ich hier noch etwas Feines. Eine Karte des älteren (gallisch-)römischen Stützpunktes Vesontio (Besançon) in Beziehung zu sieben augusteischen Gründungen aus den auf den Alpenfeldzug 15 BCE folgenden Jahren:
Sieht das nach einer Clustering Illusion aus? Allein schon die perfekten 450 Stadien zwischen Zülpich(-Hoven) und dem augusteischen Lager in Venlo, sowie die sehr sauberen 800-Stadien-Distanzen von Alzey und Pachten nach Zülpich sprechen doch eher dagegen, vom Gesamtbild ganz zu schweigen.
[In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts wird dann im Dekumatland der bedeutende Stützpunkt Arae Flaviae (Rottweil) angelegt, wiederum in sehr genau (- 0.18%) 2 Meridiangrad oder 1200 Stadien Luftlinie von Vesontio.]
Das ist zwar nicht alles ganz perfekt, aber doch wohl zu schön um dem Zufall geschuldet zu sein, zumal die Zahl der bekannten augustuszeitlichen Gründungen nicht allzu groß ist.
Zu Brigobannis (Kastell Hüfingen) ist anzumerken, dass es als Standlager erst in den 40er Jahren des 1. Jahrhunderts angelegt worden war. Allerdings dürfte der Ort schon während der Vorstöße ausgehend vom kurzlebigen Legionslager Dangstetten (15–9 BCE) erkundet worden sein. Aber nach Drusus’ Tod 9 BCE hatte Tiberius andere Prioritäten als das spätere Dekumatland, und die Legio XIX wurde von Dangstetten nach Niedergermanien verlegt (und schließlich 9 CE in der Varusschlacht aufgerieben).
Denn wie ich ja schon vor Jahren gezeigt habe findet man solche Korrelationen auch bei den Koordinaten der minoischen Paläste auf Kreta. Oder vor einiger Zeit zwischen Alpengipfeln.
Oder vielleicht bei Kaffebohnen, die man auf den Tisch schüttet.
Natürlich sind Deine Koordinaten Fakten und dass das Orte mit römischem Bezug sind zweifelt auch niemand an.
Die Linien werden da aber a posteriori definiert, weil sie schön aussehen und ins Schema passen (die nicht schönen lässt Du ja immer weg).
Und dann extrapolierst Du aus Deiner Auswahl, dass das ja damals schon so gemacht worden sein muss. Das ist Hypothesenbildung aber keine Beweistechnik.
Und die Statistik bemühen - so wie es die Physik oder Pharmazeutik machen - um die Irrtumswahrscheinlichkeit des gesamten methodischen Ansatzes zu berechnen, kann man durch immer weitere noch so schöne Bilder nur schwer umgehen… (wobei ich nicht verstehe dass das immer neue Bilder werden - widersprechen die sich nicht irgendwann oder lassen sie sich nicht zu einem “Gesamtkunstwerk” verbinden?)
Das heisst nicht dass Deine Hypothese falsch ist, sie ist nur nicht belegt.
Ich bewundere jedenfalls Deine Beharrlichkeit gegen den Strom zu schwimmen… Ohne das kommen keine neuen Erkenntnisse auf den Tisch (siehe z.B. Nobelpreise).
Mitnichten. Nirgendwo sind 20km Luftlinie auch 20km Fußmarsch, schon gar nicht, wenn ich die Gegend im Vorfeld nicht kenne.
Stell dir vor, du stehst mit deiner weißen Karte an Ausgangsort X und peilst deinen Zielort in exakt 25 Leugen an. Dann müsstet du erstens, komme was da wolle, die Luftlinie ablaufen - ganz egal wie das Gelände tatsächlich aussieht und zweitens exakt an der ausgemessenen Stelle Ort Y anlegen - ganz egal wie das Gelände tatsächlich aussieht.
Das macht doch in der Praxis überhaupt keinen Sinn, wenn es unterwegs und/oder am Zielort Sümpfe, dichte Dornenwälder, Schluchten, Berge, Gewässer etc. gibt.
Mehr Sinn macht doch: du stehst mit deiner weißen Karte an Ausgangsort X und gehst (von mir aus in eine bestimmte Himmelsrichtung) einfach los. Du nutzt Wege, die bereits existieren (Handels- oder auch Wildpfade), damit du zügiger voran kommst. Du umgehst große, stehende Gewässer oder Sümpfe/Moore und andere Hindernisse. Du schaust (in Hinblick darauf, dass du irgendwann mit vielen Menschen den gleichen Weg gehen willst) dass genug Platz und vor allem Frischwasser greifbar ist - wirst also, wenn irgend möglich einem Fließgewässer folgen.
Diese und viele andere Überlegungen werden in jedem Fall die Hauptrolle bei der Besiedlung/ Expansion gespielt haben, und keine Entfernungen, weil sie so hübsch exakt sind. Und wie bereits mehrfach erwähnt ist eine mathematische Korrelation zwischen bestehenden Orten zu finden nicht schwer.
Ich könnte auch die Karten und damit die Linien weglassen und ausschließlich Tabellen der Distanzen präsentieren. Das wäre dann aber wohl nur noch für manche Savants und für KIs verdaulich.
Die Linien bezeichnen diskrete Distanzen (durchgezogen: Vielfache von ¼°, gestrichelt: Vielfache von ⅓°, sowie gepunktet Richtungen). Da meine Hypothese auf diesen aufbaut, passen sie damit natürlich ins Schema — ganz unabhängig davon, ob sie ‘schön’ aussehen.
Hattest Du mitbekommen, dass das ganz neu entdeckte augusteische Lager Reimershausen (Nord) wunderschön mit meiner Hypothese harmoniert? Falls nicht, hier nochmals der Link:
Vorgestern bin ich auf ein weiteres Schmankerl gestoßen, diesmal in Noricum, wiederum unter Beteiligung von Altinum, sowie drei geplant an der Donau angelegter Kastelle:
Im vorliegenden Fall gab es aber bis Mitte des 1. Jahrhunderts keine durchgängige Straße entlang des Mittelrheins. Diese war dann erst aus dem Unkelstein gehauen worden. Zuvor war auf dem Landweg ein gewaltiger Umweg zu bewältigen.
Das bedeutet, dass hier sehr wahrscheinlich zunächst die Luftlinie zwischen Bonn und Koblenz vermessen worden war, wie zuvor die genau gleich weite Luftlinie von Novaesium nach Bonna (Neuss ist mit Gründung um 19 BCE der älteste bekannte römische Stützpunkt am Niederrhein).
Und es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, die Römer der Zeitenwende seien dazu nicht in der Lage gewesen. Ohne sehr exakte Vermessung (inklusive Nivellierung) kann man auch keine funktionierenden Aquädukte bauen.
Ein weiterer sehr wichtiger Ort, den ich bislang vernachlässigt hatte, ist die römische Straßenkreuzung Orolaunum, heute meist als Arlon und älteren moselfränkisch sprechenden Einwohnern noch als Arel bekannt.
In der folgenden Karte sind die diskreten Distanzen von Arlon zu zeitgleichen frühaugustusteischen Standorten dargestellt, sowie jene zwischen Letzteren:
[Wie schon erwähnt, besteht das Standlager in Hüfingen erst seit der Mitte des 1. Jahrhunderts; es spricht aber viel dafür, dass der Ort schon in frühaugusteischer Zeit von Dangstetten aus aufgeklärt worden war, bevor man sich dort vorerst wieder hinter den Hochrhein zurückgezogen hatte, weil die Action jetzt am Mittel- und Niederrhein stattfand.]
Mir scheint, mit diesen Karten kommen wir dem von @hns gewünschten Gesamtkunstwerk etwas näher.
Dass es immer neue Bilder werden mag daran liegen, dass die (Vermessungs-)Schichten von Jahrzehnten und Jahrhunderten übereinanderliegen, innerhalb derer es immer wieder Strategiewechsel gegeben hat. Allein in augusteischer Zeit gab es ein ständiges Hin und Her: da wurden große Standlager offenbar ohne zwingenden Grund plötzlich aufgegeben und einige Jahre später durch nahe gelegene neue Stützpunkte ersetzt (Dangstetten → Vindonissa, Oberaden → Haltern, Rödgen → Lahnau, etc.).
Aber nach viel Pinselei kann ich jetzt eine (vorläufige) Karte präsentieren, die es wirklich in sich hat und wohl zu recht als ein Kunstwerk bezeichnet werden kann, das die antiken Geodäten hier abgeliefert haben:
[Die zwei Orte für die kein Platz für eine Beschriftung gewesen ist sind Antunnacum (Andernach)
und Confluentes (Koblenz). – Edit: Und Rigomagus (Remagen) fehlt ganz, mehr dazu im nächsten Beitrag.]
Durchgezogene Linien: Distanzen von 1/4° (150 Stadien) und Vielfache
Gestrichelte Linien: Distanzen von 1/3° (200 Stadien) und Vielfache
Fette Linien: Rechte Winkel [± 1°] — (ich zähle neun davon, aber bin mir fast sicher, dass da mindestens noch ein bislang übersehener Zehnter ist.)
Blaue Linien: Breitengrade (Kleinkreise auf ~gleicher Breite)
Besonders faszinierend ist hier der zwar ein ganz klein wenig von Ost-West abweichende ‘Breitengrad’ zwischen Augustobona Tricassium (Troyes) und Augusta Vindelica (Augsburg) von 4.5° Länge, der absolut perfekt über die Hauptstraßenkreuzung des Vicus in Lahr verläuft (!):
Dieser römische Stützpunkt am Rhein fehlt oben in der Karte. Ich hatte ihn lange wenig beachtet, weil er bis vor einigen Jahren als nachaugusteisch (tiberisch/claudisch) galt und somit nicht zu den ersten Gründungen gezählt hätte, denen mein besonderes Interesse gilt.
Inzwischen liegt offenbar ein (früh-)augusteischer Befund aus Remagen vor, was mir aber leider zunächst entgangen war. Denn es ist schon ein Witz, dass jetzt ausgerechnet dieser Standort alles klar macht.
Hier also der neue, stratigraphisch blitzsaubere [alle Orte datieren in die frühaugusteische Agrippa/Drusus-Phase] Karten-Layer Remagen:
[Dass da bei den Distanzen von Remagen nach Namur und Nijmegen (Kops-Plateau) zweimal eine Abweichung von + 0.84% erscheint ist kein Kopierfehler. Sie sind im Rahmen der Messgenauigkeit tatsächlich genau gleich weit.]
Falls dieses in sich geschlossene Netz dem Zufall und nicht umfangreichen Vermessungen geschuldet sein sollte, dann fresse ich eine Dioptra!
Danke! Also mein erster Eindruck: offenbar ist Remagen der “Knotenpunkt” von dem aus alles vermessen wurde. Anders bekommt man diese vielen Glatten Werte ja kaum hin.
Aber warum ist Barkhausen nicht so vermessen worden, dass auch die Entfernungen nach Nijmegen und Rödgen “glatte” Werte haben? Das müsste doch ein Kinderspiel für den Positionskonstrukteur gewesen sein, eine der beiden Entfernungen genauso auf exakt 2° / 1200 st zu legen (beide geht offensichtlich nicht) wie nach Remagen.
Vielleicht hätte man Rödgen auch exakt in der Verlängerung von Namur-Remagen anlegen können, so dass der Abstand Alzey-Rödgen ebenfalls auf 1° kommt (ja, das geht auch ohne Nachmessen, rein geometrisch überlegt)?
Arlon und Pachten hätte ich ein bisschen weiter südwestlich/südlich plaziert, damit deren Verbindung auch 1° / 600 st Entfernung bekommen hätte.
Aber ich denke ja nicht wie ein römischer Vermessungsspezialist, der vielleicht doch geologische und andere Faktoren berücksichtigt hat und nicht nur glatte Entfernungen.