Objekt: Keramisch? Speckstein? Funktion?

Hallo,

ich habe gestern auf meinem üblichen Feld ein Tel gefunden, zu dem mir rein gar nichts einfällt, vielleicht könnt ihr mir helfen. Richtig sauber bekommen hab ich es nicht, ich dachte erst an Plastik, aber dafür ist es zu schwer (7g) und außerdem lässt es sich mit einem Messer leicht anritzen/anschaben. Ich könnte es ganz leicht umschnitzen, so einfach lässt es sich bearbeiten. Und wenn ich es mit dem Fingernagle kratzen will, bekommt die Stelle einen matten Glanz und wird bräunlich.
Vom Schabgefühl her ist es Keramik oder vielleicht noch eher so etwas wie Speckstein, so fühlt sich das Material auch an. Oder etwas ganz anderes, auf das ich jetzt nciht komme. Ihr habt sicher mehr Ideen. ich weiß auch nciht, was das sein soll. An einer Kante ist es leicht beschädigt, und es hat insgesamt sehr viel Kratzer. Einen Grat run dum das Ding gibt es nicht wie neulich bei Shards Perle, hab nochmal extra geschaut. Ganz sicher nichts Wichtiges, aber ich möchte gern wissen, was es ist.



Vielen Dank
Inez

Hallo Inez,
das scheint ein interessanter Fund zu sein. Die Materialfrage ist noch ungeklärt, es kommt rein optisch Stein oder Ton in Frage, Blei kannst Du ausschließen?
Zeitlich eingeordnet kommt m.E. ab der Hallstattzeit bis Mittelalter in Frage.
Nutzzweck Schmuck oder kleine Spinnwirtel.
Ausschließen kann man jedenfalls die recht häufig zu findenden Zündschnurperlen der Wehrmacht. Schnur mit Perle zur Stielhandgranate der Wehrmacht - Schlender Antik Militaria Shop

Grüße Bucentaur

Hallo Bucentaur,

vielen Dank für deine Einschätzung! Definitiv kein Blei. Das Material fühlt sich wirklich am ehesten wie Speckstein an und sieht auch so aus, Gewicht dürfte wohl auch hinkommen. Keramik kann ich eigentlich ausschließen, die verhält sich anders. Kann Speckstein sein?
Aus welchem Material wären diese Perlen der Stielhandgranaten? Wüsste allerdings nicht, dass es hier überhaupt zu Gefechten gekommen wäre. Meine Mama hat als Kind ganz in der Nähe gewohnt (ca. 3 km weiter) und hat immer gesagt, sie haben vom Krieg nichts mitbekommen. Aber klar, kann ja trotzdem sein. Aber das hattest du ja eigentlich eh ausgeschlossen, ich denk auch nicht, dass es so etwas ist. Die sind auch sicher nciht aus Speckstein :grin:

Liebe Grüße
Inez

Hallo Inez,
ich denke die Perlen der Stielhandgranaten sind m.E. aus Kunststein gegossene Perlen, darauf lässt der umlaufende Gussgrat schließen. ja die Materialfrage kann ich von hier aus rein visuell nicht klären.
Grüße Bucentaur

ich hab sie mir nochmal eingehend draußen bei Sonnenlicht angesehen, gegossen ist die keinesfalls, dazu ist sie nicht symmetrisch genug. Das muss Speckstein sein, etwas anderes kommt eigentlich nicht infrage. Möglicherweise hat sie auch kleine schräge Striche als Verzierung rund um die Außenseite, aber das kann auch einfach durch die Lagerung im Boden entstanden sein, ist ja ein weicher Stein. Aber keinesfalls industriell gefertigt.

aber nur zum Fundkontext, so etwas möchte ich ja auch irgendwie einordnen können: Das Teil habe ich in derselben Ecke wie die ganzen weichen und Graphittonscherben gefunden. Dort existiert so gut wie kein anderer Scherbenschleier, MA- oder neuzeitliche Scherben sind in dem Feld im Verhältnis sowieso wenige, in dem Eck so gut wie keine, eher dann an der gegenüberliegenden Seite des Feldes 50 m weiter. Wenn es ein Spinnwirtel ist, könnte es ja dann theoretisch eher in den zeitlichen Kontext der weichen und Graphittonscherben passen, richtig? Ich möchte immer nur ganz vorsichtig mutmaßen, und das wäre dann halt wie immer Mittelalter, aber ich halte dieses Eck wirklich für eine Grube oder Ähnliches, bei der Konzentration an Funden. Bitte sagt mir, ob ich hier Blödsinn schlussfolgere, ich will das ja lernen.
Das Amt findet die dort gefunden Scherben sehr spannend und will sie sehen, auch das Ding, das wie ein Schleifstein aussieht.

Danke und liebe Grüße
Inez

Hallo Inez,
das passt schon. Ein Indiz kommt zum nächsten, irgend wann ist eine verbindliche Ansprache machbar.

Grüße Bucentaur

Hallo Inez,

ist das Loch konisch? Ich bin da bei Speckstein Spinnwirtel mit dabei. Ähnlich dem, den ich in meinem Garten gefunden hatte:

Der Spinnwirtel wurde auf Mittelalter datiert. Römisch wäre auch möglich gewesen.

Gruß Shard

Vielen Dank, Shard, sehr interessant! Nein, nicht konisch, das Ding auch nicht ganz so hoch/dick wie deines, nur 1 cm, und bi-konisch vom Aufbau her. Römisch fällt bei mir sicher weg, wahrscheinlich wird’s ja doch bloß wieder mittelalterlich, aber ich schau mal.

Ich bin trotzdem noch bei Spinnwirtel. Mal sehen was das Amt sagt.

Gruß Shard

ja, sieht schon so aus, die Archäologen in meiner Archäogruppe, diskutieren noch, ob es was anderes sein könnte
:grin:

Also: Specksteinwirtel, MA, und recht hübsch, meint das Amt :grin:!

Liebe Grüße
Inez

Hallo Inez,
na dann lag ich doch mit meiner Anfangs verfassten Ansprache nicht daneben.
wenn das Landesamt oder das entsprechende Museum sich einmal die Zeit nehmen würde dann wären die aufgelesenen Wirtel aus fast 4 Jahrzehnten schon lange weg. Insgesamt sind es über 400 Stck. diese Zeiten für solche Fundmengen sind aufgrund der geänderten Feldbearbeitung natürlich vorbei.
Aber nett anzusehen ist das schon, leider verschwinden solche Fundstücke für ewig in einem Archiv. Mit diesen sogenannten Archiven, gerade von den Außenstellen machte ich persönlich jedenfalls bislang keine besonders guten Erfahrungen.

Grüße Bucentaur


Wow, da sind ja ein paar richtig schöne Stücke dabei! Alle aus Keramik? Oder auch Speckstein, Blei oder ähnliches dabei?

Gruß Shard

ja, irgendwo in den Tiefen der 3 etagigen ober Schachtel könnten solche Stücke liegen oder aber in den Tiefen meines Archives.
Ad hoc kann ich ich darauf nicht zugreifen.
Bucentaur

Hallo Bucentaur,

die sehen wirklich hübsch aus! Schade, dass du keine so guten Erfahrungen gemacht hast. ich fühle mich sehr gut betreut und beraten, muss ich sagen. Hab aber schon gehört, dass das alles andere als selbstverständlich ist.

Liebe Grüße
Inez