Problem Sondengeher

Hallo zusammen,

ich bin stinksauer und sehr frustriert. Ich habe neulich schon mit dem Grundstückseigentümer der sehr gut erhaltenen Viereckschanze hier bei uns gesprochen, da sind wohl nach wie vor Sondengeher unterwegs, auch wenn es nicht mehr so schlimm ist wie noch vor ein paar Jahren. Die Schanze war ursprünglich eingezäunt, was die Leute aber nicht abgehalten hat, den Zaun niederzureißen oder aufzumachen, und das etliche Male. Besonders einer geht dort regelmäßig, kandidiert ganz ehrenhaft für die lokale SPD, aber dann sowas abziehen.

Gestern hab ich dann noch mit dem Eigentümer der zweiten Schanze gesprochen, der wusste nicht mal, dass die auf seinem Grund liegt, hat mir aber erzählt, dass da auch regelmäßig jemand geht, der ihn immer vorher fragt, ob er aufs Feld kann. Die Leute meinen immer, es ist damit getan, wenn man vorher gefragt wird.

Bei der Neolith-Siedlung hab ich auch mit einer Anwohnerin geredet, selbes Spiel, regelmäßig Sondengeher, einer hat ihr auf ihre Frage, was er da macht, gleich mal eine “Spitze” gezeigt, wohl eine Pfeilspitze. Gestern auch deutlich Fußspuren im Acker.

Ich kann so etwas nicht verstehen. Hab neulich mit dem BLfD gesprochen, die sind auch fuchsteufelswild, es darf ja auch im Umkreis von mehreren hundert Metern zu einem Bodendenkmal nicht gesondelt werden, und die Aussage war klar: Man will KEINE privaten Sondengeher, selbst wenn Funde gemeldet werden. Abgesehen davon, dass es von den betroffenen Gebieten hier auch keinerlei Meldungen gibt, Funde verschwinden also in irgendwelchen Privatarchiven oder wird vertickt.

Das Ganze ist also ein Wettlauf mit der Zeit. Wenn man nicht grad jemand in flagranti erwischt, dessen Namen und Anschrift bekommt und womöglich noch rausfindet, was er schon gefunden hat, ist es aussichtslos. Wenn ich da als Frau daherkomme, schon zweimal. Und dabei bin ich so gar nicht schüchtern. Da ist man schon fast geneigt, die Indiana-Jones-Peitsche auszupacken und zu Feldbegehungen mitzunehmen😉. Nö, echt, bin so dermaßen sauer …

Wie seht ihr das? Und wie verhaltet ihr euch gegenüber solchen Leuten, wenn ihr sie antrefft?

LG

Inez

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Servus,

ich bin hier noch nie einem Sondler begegnet und habe auch noch keine systematischen Spuren erkannt. Aber schön ist das ganze nicht. In Manching wurde vor ein paar Jahren auf einer Baustelle innerhalb des Oppidums illegal gesondelt. Man möchte gar nicht wissen was da verloren gegangen ist…

Gruß Shard

Servur Shard,

ich hätte es auch nicht gedacht, wäre das nicht bei den Gesprächen rausgekommen. Ich habe gemeint, es sei nicht so schlimm hier. Weit gefehlt.

LG

Inez

Hallo Inez,

ich hatte schon öfter mal das Vergnügen Sondengänger auf diversen Fluren anzutreffen, dies am häufigsten auf vom BlfD bereits registrierten Fluren. Besonders beliebt sind die Bereiche in welchem sich bei röm. Kastellen das Lagerdorf befand. Neulich traf ich beim RK in Pfünz einen Sondler der meinte ich hätte ihn noch nicht bemerkt. Er warf seine Sonde beiseite und machte auf dem Feld Liegestützen, so als wäre er Freizeitsportler. Ich ging hin und und hob die Sonde auf und freute mich über meinen Fund. Dann meinte er, es wäre seine. Ich antwortete, dann holen wir doch gleich mal die Polizei, denn gerade hier wäre das Sondeln streng verboten. Das darauf folgende Drama hättet ihr erleben sollen. Er versprach hoch und heilig hier nicht mehr zu sondeln.

Mittlerweile ist es ohnehin so, dass auch in Bayern für Bodenfunde das “Schatzregal” Gültigkeit hat. Jeder archäologische Bodenfund geht automatisch in den Besitz des Freistaates über. Bis vor einiger Zeit galt in Bayern noch die Hadrianische Fundteilung (jeweils 50% Eigentumsanteile hatten der Finder und der Grundstückseigentümer). Auch diese Regelung brachte nicht unerhebliche Probleme mit sich.

Grüße Bucentaur

Hallo Bucentaur,

ja, ich kenne die Bestimmungen, wie gesagt, darüber habe ich mich schon des Öfteren mit dem Amt unterhalten. Sie sind “not amused” über die Sondler und wollen eigentlich gar keine privaten haben.

Das Problem ist nun halt, dass wahrscheinlich noch mehr Leute unerlaubt Funde sammeln und behalten, eben wegen des Schatzregals. Ich habe mich entschlossen, das Merkblatt vom BLfD zu den Sondengängern an die Grundstückseigentümer zu verteilen, die haben nämlich im Großen und Ganzen gar keine Ahnung und denken, wenn sie zustimmen, dann passt das so.

Auf Youtube gibt es ja diverse Kanäle, wo sie sich gegenseitig feiern, welche tollen Funde sie machen. Ich hatte mal geschaut, ob auch Videos zu unserer Gegend online sind, bin aber nur zu welchen übers Rottal fündig geworden. Wenn ich die Typen schon sehe, dazu die martialische Musik und die Dauerwerbung für irgendwelche Sonden, da kommt mir ehrlich gesagt das Frühstück hoch. Das war besonders aufschlussreich, besonders rechtsstreu tun, falsche Infos verbreiten und den Grabungstechniker, der sich eingeschaltet hat, niedermachen und beschimpfen. https://www.youtube.com/watch?v=mdYA5r6f8TQ

Ich schreibe eigentlich keine Kommentare, weil es eh sinnlos ist, aber bei dem konnte ich nicht anders. Ich denke auch, dass viele sich einfach denken, Mensch, lustig,. kauf ich mir so ein Teil und suche Schätze, ist ja auch in diversen Reportagen immer wieder mal so thematisiert. Die hören maximal, dass sie den Eigentümer fragen sollen, aber dass es da gesetzliche Bestimmungen gibt, wissen sie nicht oder ist ihnen egal. Heutzutage herrscht ja Egoismus vor und “Nach mir die Sintflut”, also was soll’s?

Habe mich entschlossen, sollte ich jemanden antreffen, erstmal nur Interesse zu heucheln, damit ich möglichst viele Infos rauskriege, wie Name, ob schon Fund etc., und dann melden. Direkte Konfrontation wird nicht viel bringen, da lassen sich die wenigsten abbringen. Bisschen Falschheit sollte hier zielführender sein. Hab auch überhaupt kein Problem damit.

LG

Inez

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Moin zusammen,

interessante Diskussion. Gerade Bayern war ja hinsichtlich der Sondelei ein Eldorado - bis das Schatzregal kam. Bei mir in NRW haben wir aber das gleiche Problem. Illegales Raubgräbertum, gerade auf Bodendenkmälern inkl. Wallburgen, ist hier an der Tagesordnung. Bei Begehungen gerade an Abschnittswällen etc. sind kleine Grabungslöcher und kleinere Schrottansammlungen obligatorisch. Ich persönlich spreche jeden mit Sonde, egal auf Acker, Wiese oder Wald auf die Genehmigung an. Da hatte ich schon einiges an Streitgesprächen, ob und wo mal überhaupt sondern darf. Waldflächen sind in NRW sowieso verboten. Nur auf gebrochenem Boden, also Acker und evtl. Wiese kommen da in Frage. Eine Genehmigung kostet pro Kreis / kreisfreier Stadt 75 €/a. Manch einer hat keine Lust, das Geld zu bezahlen… Die Genehmigung beinhaltet das genaue Suchareal und den Zeitraum und muss dann jährlich erneuert werden.

Sollte ich einen Sondengänger sehen, lasse ich mir erstmal die Funde zeigen und frage anschließend nach der Genehmigung. Meistens liegt keine vor, die Sondler verlassen dann das Areal und fahren einfach woanders hin, um dort weiterzumachen. Und so lange Discounter auch günstige Detektoren anbieten, wird es immer mehr werden und so mancher wichtiger Fund ohne Kontext verschwindet im Nirvana.

Ein großes Problem sind auch unsere Nachbarn mit den gelben Nummernschildern: Diese kommen / kamen in Scharen auf die linksrheinischen Äcker in Nähe von Legionslagern und Römerstraßen, teilweise mit Nachtsichtgeräten!!! Die Äcker sind dort so leer, dass man bei Prospektionsmaßnahmen seitens des Amtes nicht mal mehr einen Knopf findet.

Ergo, das Problem ist flächendeckend über die BRD. Man muss aber anmerken, dass gelistete Sondengänger in Zusammenarbeit mit Archäologen und den Ämtern schon viele sehr schöne Dinge gefunden und erforscht haben.

In diesem Sinne,

Liebe Grüße,

Thorsten

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Hallo Thorsten,

es ist wirklich schlimm, aber auch ein wenig Zeichen unserer Zeit. Nachdenken, mitdenken, Rücksicht nehmen … muss man alles nicht mehr. Das fällt mir in so vielen Bereichen auf.

Ich hatte nochmal ausführlich Korrespondenz zur Thematik mit dem BLfD und eine Liste mit gute Argumentationshilfen vor allem für die Grundstückeigentümer bekommen, da sind gute Sachen dabei. In Bayern hat man da wirklich so einiges versäumt und dadurch auch irgendwie versaut. Dazu kommt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz durch verschiedene Reportagen etc. auch von ansonsten “vernünftigen” Sendern viel höher geworden ist, und teils sogar Richter etc. eher Richtung Sondler tendieren, ist wohl schon alles vorgekommen. Hauptsache, sich nicht vom Gesetzgeber gängeln lassen, das ist das eine Motto, sich nichts gefallen lassen das andere. So wie in dem erwähnten Video, wo sie alle über den bösen Grabungstechniker hergefallen sind, was der sich einbildet, die Sondler zu fragen, was sie da treiben. und eine Genehmigung ist ja Freifahrtschein (die es in Bayern ja wie schon erwähnt nicht gibt), wie’s aussieht.

Ich habe jetzt jedenfalls recht eindeutige Handlungsanweisungen, auch meine eigene Sicherheit betreffend, es laufen ja immer mehr Idioten rum. Am besten Polizei rufen, denn wer verrät einem schon, ob er wirklich was gefunden hat oder nicht. Polizei darf wenigstens Taschen durchsuchen. Kfz-Kennzeichen notieren, sowas halt. Löcher melden, vor allem frische, eigentlich alles logische Sachen.

Ja, und die gelisteten Sondengänger gibt es hier ja nicht. Das Amt hat wiederholt betont: Kein privater Sondengeher arbeitet mit dem BLfD zusammen, es wird niemand vom BLfD geschickt, es gibt schlicht keinerlei Kooperation - sie wollen keine privaten Sondengänger,. Aus.

Es ist halt auch so, dass auch diejenigen, die Funde melden, ja doch gegraben haben und dadurch wer weiß wie viel zerstört oder durcheinandergebracht haben, brauch ich euch ja nicht erklären. Das ist halt nochmal was anderes als Lesefunde aufklauben. Sie haben schon recht: Wer hört schon nach ein paar Zentimeter Hummus auf, wenn es gepiepst hat. Gräbt doch jeder weiter.

Naturschutzgebiete und auch Wälder (ganz besonders) sind hier natürlich auch verboten. ich denke aber, dass z. B. kaum jemand weiß, dass man auch mehrere hundert Meter um eine Bodendenkmal rum ebenfalls nicht verloren hat mit einer Sonde. Wenn diese Sachen überhaupt interessieren sollten …

LG

Inez

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