Rätselhaftes Objekt




Hallo,

bitte schaut euch mal dieses Objekt an. Ich habe es auf dem Dachboden meines Bauernhauses zwischen den Sparren entdeckt. Ich vermute, dass es meine Vorfahren, die hier im äußersten Südosten der Uckermark Gutsbesitzer waren, auf dem Acker gefunden und für eine Steinaxt gehalten haben. Steinbeile hat man wohl als Schutz vor Blitzeinschlag auf Dachböden deponiert, habe ich im nachbarörtlichen Heimatmuseum mal unter einer Sammlung “richtiger” Steinbeile gelesen. Allerdings hat dieses Ding so gar keine Ähnlichkeit mit einem solchen. Vielleicht was zur Feldbearbeitung? …oder ein Kultobjekt? Was meint ihr?

Grüße
Mathias

Hallo und herzlich Willkommen,

ich musste bei dem Fund als erstes an einen Steinpflug denken (ziemlich weit unten):

Aber Mal sehen was die Steinexperten, wie @StoneMan , @SvenHorn oder @Bucentaur sagen.

Gruß Shard

Hallo Mathias,
willkommen im Forum!
Das sieht ja sehr interessant aus.
Aber ein Artefakt sehe ich hier nicht. Das ist wohl ein Stein, an dem weichere Teile verwittert sind.
Viele Grüße

Moin,

das sieht für mich aus, als wenn - wie bei mir im Garten geschehen - ein halber Sack Zement liegengeblieben ist und vom Regen “verflüssigt” wurde. Der “Kiel” war ein Loch im Boden unter dem Sack und hatte sich verfüllt.

Gruß

Jürgen

1 Like

Hallo StoneMan,

ja, tatsächlich, so sieht das aus.

1 Like

Danke Leute. Na wenn das kein ernüchternder Forums-Auftakt für mich war :smile:. Aber klingt beides plausibel. Für die Abwitterungsvariante spricht, dass es nicht wirklich aussieht wie Zement.

Jedenfalls hat mich dieser Dachbodenfund dazu animiert, mal gezielt auf Spurensuche in der näheren Umgebung zu gehen und möglicherweise hab ich ein paar interessante Funde gemacht. Muss mich nur noch dazu durchringen, sie hier zu präsentieren, da doch ein gewisses Geofakt-Risiko besteht, was mir irgendwie unangenehm wäre.

Moin,

auch eine negative Erfahrung ist eine Wissenserweiterung und kann am Ende positive Ergebnisse erbringen.

Außerdem haben wir lediglich Fotos und können uns auch irren.

Also nur zu :slightly_smiling_face:

Gruß

Jürgen

Servus,

nur keine Angst, ich hab hier auch schon einen Dachziegel als vermeintliches Keramikrandstück präsentiert. Peinlich ist mir das überhaupt nicht. Ich hab das Stück auch immer noch in der Sammlung, weil ich anderen dann zeigen kann wie schnell man sich irren kann.

Gruß Shard

Hallo Mathias,
Danke fürs Zeigen dieses ungewöhnlichen Objekts. Ich kann Dir zwar nicht sagen was es ist, aber ich halte es sicher für ein Artefakt. Das schließt freilich mit ein, daß sich jemand einen Spaß erlaubt und das selbst geschnitzt hat ;), oder es ein “Kunstwerk” ist. Aber das wären ja auch Artefakte, nur eben nicht alt.
Meine Kriterien für ein Artefakt sind:

  1. in der Vorderansicht ist es spiegelsymmetrisch und hat eine Art Bootsform, bzw. dessen Kiel. Beide Seitenflächen sind oben ähnlich herausgearbeitet.
  2. In der Mitte ist der Rest einer alten Oberfläche, das was so glatt wirkt. Also geologisch oder künstlich geglättet.
  3. Der geglättet wirkenden Mitte widersprechen die bearbeiteten obderen und unteren Teile, denn sie weisen meiner Meinung gepickte Bearbeitungsspuren auf.

Alles in allem erinnert es mich an rätselhafte Steinobjekte im akeramischen Neolithikum (Göbekli Tepe usw.), an mesoamerikanische Steinstelen und an ozeanische Steinkeulen (“war clubs”). Wenn ich eine Funktion angeben sollte würde ich sagen entweder eine kleine Skulptur, die mit der “Finne” in der Erdoberfläche befestigt werden kann, vielleicht eine Art Grenzmarke für Felder, die Giebelverzierung eines (neolithischen?) Hauses oder eine Art Amboss. Anscheinend gibt es Ambosse aus Stein.
Den oben genannten “Steinpflug” hielte ich auch für möglich, aber mir ist so etwas nicht bekannt, und den im Beitrag gezeigten Stein aus dem Heimatmuseum halte ich für ein Naturstück mit Karstverwitterung.

Du könntest damit z.B. auch mal in ein ethnologisches Museum gehen, z.B. in Berlin (falls das geöffnet hat). Am Besten vorher nachfragen - bestimmt gibt es dort jemand der sich in Kulturen der so genannten Naturvölker (das ist nicht abwertend gemeint, bezeichnet nur Kulturen die u.a. noch mit steinzeitlichen Werkstoffen umgehen können) auskennt und Dir weiterhelfen kann. So etwas nennt man dann “Funktionsbestimmung durch ethnologischen Vergleich”.Oder vielleicht fällt den anderen Steinspezis hier noch etwas ein.

Jedenfalls: ich halte es für eine bedeutende Sache. Wenn es alt ist, ist ein Steinbeil dagegen Massenware.

Ach ja; spendierst Du uns noch ein Foto von der Oberseite?

viele Grüße, Matthias

Auch ne interessante Einschätzung, vielen Dank! (eigentlich genau das, was ich hören wollte😉). “Funktionsbestimmung durch ethnologischen Vergleich” ist ein guter Tipp, das werde ich mal in Angriff nehmen.

Anbei noch die restlichen Ansichten vom Stein. Und in Kürze zeige ich euch selbstgefundenes vom Acker. Vielleicht lässt sich ja sogar ein Zusammenhang zu meinem “abgewittertenZementArtefakt” herstellen. Es sind antropomorph/zoomorph anmutende Stücke dabei, soviel verrate ich schon …also entweder es wird spektakulär oder es ist NICHTS! :sweat_smile::see_no_evil:


Moin in die Runde,
Ich finde das Objekt auch spannend, hätte es sicher auch mitgenommen wenn der Weg nicht zu weit wäre.
Zum Thema Artefakt kann ich noch beitragen, dass es sehr auf das Gestein ankommt. Es ist m.E. nach am wahrscheinlichsten, dass es sich wie Sven Horn schon schrieb um eine Auswitterung von weicheren Gesteinsschichten um einen härteren Kern handelt. Vorraussetzung dafür ist allerdings, dass der runde Umriss des originalen Steins schon während der mineralisierung im Boden enstanden ist. Dabei wird die Mitte am stärksten mineralisiert, und ist am härtesten, und bleibt bei Verwitterung dann übrig. Am häufigsten kommt sowas bei Sedimentgesteinen vor. Bei Granit zum Beispiel ist es eher ungewöhnlich.

@Mathias kannst du in etwa einschätzen um was für ein Gestein es sich handeln könnte?

Das wird ein Geologe am besten klären können, vielleicht kannst du es auch nochmal in einem Geologie Forum posten.

Z.B. Mineralienatlas - Fossilienatlas - Index

Greetings,
Schoersch

Danke für deine Einschätzung!
Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, ne Mischung aus Feldstein und Sandstein…wenn ich mit den Fingernägeln gegen den “Kiel” klopfe, klingt es leicht metallisch. Es gibt ein paar Dörfer weiter einen geologischen Garten, da könnte ich mal nachfragen.

Wie läuft es hier im Forum eigentlich, neuer Stein neues Thema starten, oder hier weitermachen?

Bitte öffne für jedes Einzelstück einen neuen Beitrag, wenn es nicht irgendwie zusammenhängt!
Und versuche bitte einen Namen für das Thema zu finden, womit auch wir gleich wieder erkennen, was das für ein Thema war. Also am besten schon eine kleine Beschreibung, wenn du keinen Namen dafür kennst.

Viele Grüße

Moin,

neues Thema, sonst wird die Ansprache kompliziert.

Gruß

Jürgen

Ist das Material denn weich? Also kannst du es mit dem Fingernagel oder mit einem Metallnagel ritzen?

Gruß Shard

Der metallische Klang kommt von der Härte des Gesteins, ist aber nicht aussagekräftig. Wichtiger ist die Grösse der Kristalle im Gestein. Grosse Kristalle die gleichmässig verteilt eine homogene Matrix bilden wie bei Granit, sprechen immer für Erdmantel, also kein Sediment.

Andernfalls, hier ein Link zu Konkretionen in Sedimentgestein:

Halte uns gerne auf dem Laufenden falls du noch irgendwas herraus findest👍

Mach ich gerne! …und nein, es ist nicht weich, dass man es ritzen könnte

Hallo Mathias,

ich möchte bei einem (für mich) ziemlich eindeutig bearbeiteten Stück nicht auf Fragen der Ritzbarkeit und Theorien der Mineralisierung eingehen. Wie einige schon sagten, es ist ja kein Geologieforum hier. Es geht in 1. Linie um das Artefakt, und nicht um das Material (also möglichst keine Kratzer oder Probelöcher reinbohren :wink: ).

Am Rande: Das Objekt scheint mir per Ferndiagnose aus Grauwacke, Granit oder Basalt zu bestehen.

Anscheinend wurde aus einem Geschiebeblock oder Kiesel (eiszeitlich oder jüngeres Flussgeröll) etwas herausgepickt, das 3 Komponenten aufweist die an Steinhämmer/-Beile erinnern, speziell an sogenannte Rillenbeile:

  1. Spitze/Schneide
  2. Hammerkopf
  3. umlaufende Rille zur Befestigung am Schaft (daher der Name)

Das Ganze sieht unfertig aus, und ich kenne solch ausladenden Steinbeile nicht aus unserem Kulturkreis. Daher präzisiere ich meine Prognose und lehne mich etwas weiter aus dem Fenster:

Es handelt sich möglicher Weise um ein Halbfabrikat ähnlich eines Rillenbeils. Allerdings geht das wegen der anscheinend figürlichen Darstellung auf dem Hammerkopf in Richtung Prunk- bzw. Zeremonialbeil. Aufgrund der Verarbeitung könnte ich mir ein nicht zu Ende gefertigtes, singuläres Artefakt der Jungsteinzeit oder ein Beil (Amerikanischer?) Naturvölker vorstellen.

Siehe z.B. hier:

Weiterhin schließe ich einen Fake oder “Kunst” nicht aus, bis wir hier den Nachweis eines typologisch ähnlichen Gerätes haben.

Bin gespannt auf Deine Postings weiterer Funde! Vielleicht wohnst Du ja tatsächlich in einer Gegend, wo es noch mehrere solcher außergwöhnlichen Stücke im Boden (oder anderen Dachstühlen) gibt.

viele Grüße, Matthias

Servus @Technicus ,

Na so eindeutig bearbeitet ist das Stück nicht, wenn hier Leute, die jahrelang mit Steinwerkzeugen zu tun haben, keine Bearbeitung sehen können. Ich ignoriere deine Meinung nicht, aber es ist halt nur eine Meinung.
Wäre es ein weiches Material gewesen, hätte man zumindest ein Werkzeug zu hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen können.
Und sorry wenn ich deine Meinung nicht als das Nonplusultra ansehe, sondern nur als eine von vielen, aber ich schätze die Meinungen unserer Steinexperten sehr.

Gruß Shard

Schau mal, unter “MultiTool 2000BC?” hab ich vorhin eine Art Werkzeug aus schwarzem Gestein mit ziemlich klar zu erkennenden Tierrelief gepostet