Tonscherbenfunde im Garten

Hallo

Ich habe bei der Umgestaltung meines Garten viele Tonscherben gefunden, die etwas älter aussehen. Das Grundstück befindet sich in Thüringen Nähe Weimar. Die hier abgebildeten Scherben stellen nur ein Bruchteil der gesamten Funde da. Wobei es die größten sind. Wer kann mir dazu einige Auskünfte über Alter und Kultur geben.

Viele Grüße

Andreas

Hallo Andreas,

willkommen im Forum :grinning_face:

Die Scherben sehen slawisch aus (ca.8. bis 12. Jh) Die Verzierung mit solchen Wellenbändern war typisch für diese Zeit.

Wenn ein Rand vorhanden ist, unbedingt das Randprofil dazu fotografieren.

Viele Grüße

Oli

Hallo Oli

Vielen Dank für deine Antwort. Sollte man so etwas melden, oder ist das eher uninterresant.

Hallo Andreas,

das hängt immer von den Fundumständen ab. Grundsätzlich müssen archäologische Funde gemeldet werden. Wenn solche Scherben aber z.B. in einem Aushub gefunden werden von dem die Herkunft unbekannt ist wird es schwierig. Mein Rat: melden :grinning_face:

…und die Augen weiter offen halten.

Wenn du eine Antwort vom Amt bekommst, dann halte uns hier doch bitte auf dem Laufenden, das interessiert uns auch.

Viele Grüße

Oli

Hallo Andreas!

Ich würde dir auch eine Meldung ans Herz legen, da es sich definitiv um slawische Keramik handelt. Da solch aufwändig verzierten Stücke oft als Grabbeigabe verwendet wurden, bitte unbedingt auf Leichenbrand oder Knochenfragmente achten. Die frühen Slawen (ca. 7.-10 Jh.) haben noch in Urnen- oder Brandschüttungsgräbern bestattet, später (ca. 10.-12. Jh.) ging man dann im Zuge des Einflusses der Christianisierung zur Körperbestattung über.

Ein paar Beispielbilder für Leichenbrand hänge ich an.

Beste Grüße

Luci

Hallo Luci

Vielen Dank für deine Antwort. Ich habe tatsächlich einige Knochen und Zähne gefunden. Allerdings scheinen diese Tierischer Herkunft zu sein. Auch habe mich mich in meinem Dorf mal umgehört. Die Erde stammt aus einem Aushub für ein Haus und wurde dann im Garten verteilt. Ich weiß nicht so recht, ob da noch etwas gefunden werden kann. Das eigentliche Fundgebiet befindet sich unter einem Haus. Ich werde aber mal im Museum für Ur und Frühgeschichte in Weimar eine Anfrage stellen.

Viele Grüße Andreas

Hallo Luci

Hier noch mal ein kleiner Anhang von einer Scherbe, die etwas aus der Reihe tanzt. Sie ist in Farbe und Material wohl etwas anders gefertigt. sollte diese Scherbe aus der selben Zeit stammen? Ein Großteil der Erde wurde wohl offensichtlich angefahren. Ich habe auch alles gemeldet. Ich sollte noch mal mehr Fotos schicken, den Standort angeben und die Scherben einschicken, oder vorbei bringen.

Viele Grüße Andreas

Hallo Atze!

Diese Scherbe würde ich als neuzeitlich ansprechen.

Sag gerne Bescheid, wenn du eine Antwort vom Amt bekommen hast.

Beste Grüße

Luci

Hallo Luci,

Was hat es denn dann mit ganz weißen Knochenstücken auf sich? Werden sie bei sehr hohen Temperaturen so hell?

Wenn ich Scherben finde, wie die beiden unteren Stücke auf Bild Nr. 4: Spricht es dann im Zusammenhangmit weißen Knochenstücken eher für ein abgebranntes Gebäude oder ein Grab?

Es gab hier einige verheerende Brände im Mittelalter.

Dankeschön und LG

Hallo WildeMöhre!

Meiner Erfahrung nach, sprechen Keramikscherben aus dem slawischen MA oder UFG Keramik in Verbindung mit Leichenbrand eher für angepflügte Bestattungen.

Um die Knochen zu kalzinieren sind hohe Temperaturen (~800°C) über einen längeren Zeitraum nötig, damit am Ende nur noch das Calciumphosphat als Gerüst übrig bleibt (sehr weiß, sehr haltbar).

Aus Schichten mittelalterlicher Stadtbrände sind mir keine Leichenbrandfunde bekannt.

Die Konzentration des Leichenbrandes bei einem angepflügten Grab beschränkt sich i.d.R. auf ein kleines Areal. Meiner Erfahrung nach max. 2x2m. Auf jeden Fall immer einmessen, eintüten und mitnehmen.

LG Luci

P.S.: Anbei ein Foto von einem Acker, auf dem ein Brandgräberfeld der RKZ angepflügt wurde. (Beim Tiefpflügen wurde der gelbe Sand unter dem Mutterboden aufgeackert.) Im roten Kästchen die ungefähre Streuung des LB von einem Grab. Keramik und Metallfunde lagen dort ebenfalls schon obenauf.

Hallo

Ich habe auch noch einige Knochen bei den Scherben gefunden. sind die näher zu bestimmen ?

Außerdem noch ein Stück Metall

Und noch eine Scherbe, welche wie glasiert wirkt. Sollte diese zu den anderen Scherben gehören? Ist auf den Fotos schlecht zu erkennen.

Hier noch mal der gesamte Fund auf einem Blick.

Servus,

Der Knochen und das Eisenstück sind wohl nicht näher bestimmbar.

Gruß Shard

Hallo

Ok, vielen Dank

Ein sehr schönes Konvolut. Ich bin gespannt was die Amtsarchäologie dazu sagt.

Den Knochen kann ein Anthropologe sicherlich bestimmen. Das Eisenfragment könnte auch zu einer Bestattung gehören und Feuer abbekommen haben, genauso wie die Scherbe.

Sekundär gebrannte Keramik ist oft sehr leicht und fühlt sich wie Bimsstein an. Sie schwimmt auch auf Wasser.

LG Luci

Hallo,

bei den Scherben lässt sich einiges anhand der Wellenbandverzierung in einen spätslawischen Zusammenhang stellen. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber keine Brandbestattungen mehr.

Andere Stücke könnten neuzeitlich oder mittelalterlich sein, ein oder zwei Stücke erinnern mich auch an eisenzeitliche Keramik mit Schlickerauftrag. Das meiste scheint aber schlecht eingrenzbare UFG Ware zu sein.

Vielleicht hast du hier einen mehrperiodigen Fundplatz, mal Gräber, mal Siedlung, mal Acker mit Scherbenschleier.

Alles unter Vorbehalt, ich kenne nur die Fotos.

Viel Spass

Uwe

Hallo

Wie schon geschrieben…die Amtsarchäologen hatte ich benachrichtigt. Ich sollte den genauen Standort angeben und die Funde einschicken, oder vorbei bringen. Bisher hatte ich noch keine weitere Rückantwort.

Viele Grüße Andreas