Welchen zweck haben die Öffnungen im Boden eines Gewölbekellers

Hallöchen,

meine Eltern haben vor ein paar Jahren einen alten Fränkische Dreiseithof gekauft. Und wie sich das so gehört, hat auch dieser einen Gewölbekeller. Über diesem Keller befindet sich die Scheune, man geht davon aus, dass es um 1838 gebaut wurde, ist sich dem aber nicht sicher. Da das Objekt denkmalgeschützt ist, waren auch schon welche vom Denkmalamt da und haben sich den Keller angesehen. Es gibt so einige Sachen in dem Gewölbe, die keiner wirklich beantworten kann, für was die da sind und wofür die genutzt wurden. Da wir schon einige Zeit Rätseln, dachte ich mir ich Frage hier mal nach, vielleicht hat ja einer von euch eine Idee um was es sich handeln könnte.
Hier die drei Dinge die Rätsel aufgeben.

  • in der Mitte des Gewölbes am Boden gibt es eine Erhöhung die Unterhölt ist, Kanäle oder was auch immer?
  • In einer Ecke gibt es eine Vertiefung von der auch ein Schacht weg geht der aber mit Steinen zugemacht wurde.
  • und Trog/Wanne/Becken aus Beton wo nicht sicher ist für was der benutzt wurde.

Danke schon mal im Voraus, ich habe noch Bilder angehängt mit der Beschreibung, um den Sachverhalt besser zu verstehen.

Es handelt sich um diesen Gewölbekeller, rechts das Betoniert und in der Mitte ist schon etwas die Erhöhung zu erkennen.

Hier ist hinten link der Schacht die vertiefung zu erkennen.

Hier noch mal das Betonierte Becken

Jetzt kommen die Detail Fotos
Hier die Vertiefung mit dem zugemauerten Schacht. Vielleicht hat dies was mit Wasser zu tun weil durchs Dorf irgendwo auch ein Wasserschacht entlanglief.

So hier das größte Rätsel, von der Öffnung gibt es zwei Stück im Boden und man erkennt auch auf dem Foto gut das die eine Verbindung aus dem Gewölbe raus geht. Es sieht aus als ob da Gänge im Boden laufen. Wir haben absolut keine Idee für was die sein könnten.

und zum Schluss der Trog, Wanne, Behälter. Das Ziegel Mauerwerk kam erst später. Aber es sieht von Innen aus als ob das ganze auch erst mit Steinen gemauert wurde und später dann erst mit Beton/Mörtel Verputzt worden ist. Daher auch nicht sicher wie alt das Behältniss wirklich ist.

Moin Simco!

Was mir beim Betrachten der Fotos zu den „Löchern“ in den Sinn gekommen ist, sind sogenannte „Erdställe“ oder „Schratslöcher“, die oft unter alten Bauernhöfen gefunden wurden:

https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Erdstall

Weniger spektakulär wäre eine Nutzung als Eiskeller.

Wahrscheinlich hilft zur Klärung nur eine weitere Erkundung.

LG Barbara

Nachtrag: Erkundungen bitte nicht ohne vorherige Absprache mit der Denkmalpflege!

Hallo Barbara, 

von einem Erdstall habe ich ja noch nie gehört, klingt auf jedenfall spannend und grußelig. 
Meinst du das der Schacht und der Hügel in der Mitte etwas miteinander zu tun haben könnten, oder denkst du eher nicht?

Eiskeller glaube ich eher weniger, da die eine Seite des Kellers geöffnet ist zur Scheune, auf dem zweiten Bild zu erkennen. 

Lg Franzi

Hallo,
möglicherweise handelt es sich um den gefassten Zulauf einer Quelle. Damit hatte dem Gebäude ständig Frischwasser zur Verfügung gestanden.
Derartiges ist mir schon aus alten Gebäuden bekannt, heute noch öfter in alten Gebäuden Norditaliens zu finden.

Bucentaur

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Hallo Franzi,

ob der verschlossene Zugang und der Hohlraum unter dem Hügel etwas miteinander zu tun haben, kann ich nicht beurteilen. Und ob sich unter eurem Hof ein Erdstall befindet, kann ich auch nicht sagen. Aber auf dieser schon verlinkten Seite sieht man ein Foto von einem in späteren Zeiten verschlossenen Zugang (letztes Bild):
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Erdstall

In dem Loch unter dem Hügel meine ich Holz zu sehen. Vielleicht zur Abstützung des Hohlraums? Wenn da Wasser fließt oder geflossen ist, kann das auch zu der Erklärung von @Bucentaur passen.
Man wird wohl in jedem Fall den verschlossenen Schacht und das Loch öffnen und nachschauen müssen, um Funktionen zu erkennen.

Zur Idee mit der Nutzung des Gewölbekellers als Eiskeller:

Eiskeller kenne ich aus einem Dorf Thüringen. Dort wurden sie in Abhänge hineingebaut und gemeinschaftlich genutzt. Euer gemauertes Becken könnte zur Lagerung von im Winter „geerntetem“ Eis gedient haben. Siehe Foto: Eiskeller einer Brauerei.

Den dazugehörigen Artikel habe ich für 1 Euro gekauft. Zitat aus dem Artikel:

Stadtarchivar Paul Hornemann weiß mehr: „Dort, wo heute der Rewe-Markt steht, gab es große
Teiche, die im Winter mit Hahnenbachwasser geflutet wurden. Wenn durch den Frost eine dicke
Eisschicht entstanden war, schlug und sägte die Brauereibelegschaft Eisblöcke heraus und lagerte sie
in den Kellern. Bevor im Winter das Eis eingebracht wurde, mussten die Eisräume bei Frost geöffnet
werden, sodass sie ausdünsten und abkühlen konnten. Die Eisstücke mussten dicht gelagert werden.
Durch Aufschütten von Salz auf jede Schicht froren sie fest zusammen. Fleisch durfte nicht in die
Eisräume kommen oder auf das Eis gelegt werden, weil es beschlagen und schimmeln würde.“

LG Barbara

Simco

Hallo Simco,

wo Barbara gerade den Stadtarchivar erwähnt, wende dich doch mal an die zuständige Gemeinde.
Es gibt sicher einen Heimatpfleger der sich mit den Dingen auskennt und sich die Sache mal anschaut.
Der Amtsarchäologe wäre auch eine gute Adresse, allerdings kann es da wegen chronischer Unterbesetzung mal etwas länger dauern bis du eine Antwort bekommst.
Ich finde, dass sowohl Eiskeller wie Wasserzulauf passen könnten.

Gruß
Kurti 

Hallo Simco, mit Erdställen würde ich mich ein wenig auskennen. Im Bayerischen Wald z.B. komm es häufig vor, dass sich Zugänge zu sog. Erdställen in Kellern von älteren Bauernhöfen befinden. Die jeweiligen “Zugänge” sind natürlich immer ein wenig unterschiedlich. Von den Bildern her könnte es also schon sein. 
Aber auch Quellen bzw. sog. Wassergänge sehen so aus.

Mich würde interessieren, in welcher Gemeinde/Ort das Gebäude steht, denn es gibt bei der Verbreitung der  sog. Erdställe schon so etwas wie Konzentrationsgebiete.

Die Trockenmauer ist ja nicht vermörtelt oder so. Evtl. läßt sich eine Endoskopkamera durch die Ritzen schieben (Gibt es online für wenige Euro und ist zerstörungsfrei.)
Hinweise zu Erdställen findest du auch hier:
https://www.erdstallforschung.de/
Ansonsten auch gerne über PM.

Schönes Wochenende
Richard

Wow, danke für die vielen Antworten.

Im Gemeindearchiv war ich schon leider ist dort über das Haus sehr wenig bis Garnichts zu finden.

Das Gebäude befindet sich in Unterfranken, Gemeinde Schonungen. Eher eine Gegend, in der Erdställen selten vorkamen. 
Meine erste Vermutung war auch irgendetwas mit Wasser. Jetzt bin ich auf jeden Fall richtig neugierig geworden, und mir bleibt wahrscheinlich nichts anderes übrig, als reinschauen.

Das mit der Endoskopkamera ist eine tolle Idee, dass nächste mal wenn ich zu meine Eltern komme, werde ich das Ausprobieren. Leider Wohn ich weiter weg und komm nicht allzu oft in die Heimat.

Ich melde mich, sobald ich was Neues rausgefunden habe, vielleicht auch mit neuen Bilder der Endoskopkamera. Freu mich natürlich auch noch über weitere Tipps und Ideen.

Vielen lieben Dank und liebe Grüße

Franzi

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Hallo Franzi,

dann viel Spaß beim Erforschen! 

Übrigens: In Niederwerrn (westlich von Schweinfurt) gibt es tatsächlich einen als Bodendenkmal eingetragenen Erdstall. Der wäre jetzt nicht wirklich weit weg. Ich werde in meinen Unterlagen mal nachsehen, was ich dazu noch finde.

Viele Grüße
Richard

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Ergänzung: Der Erdstall in Niederwern wurde nach der Auffindung “zugeschüttet”.
Quelle: Der Erdstall Heft 7 Jahr 1981.
Also leider keine besonderen Hinweise…