@ StoneMan
Gut, ich werde in meinen Aussagen in Zukunft verstärkt auf den Begriff der “Funde” abheben, weise hier aber daraufhin, dass ich im Rahmen einer persönlichen Meinungsäußerung jederzeit das Vorhandensein von “Artefakten” annehmen darf. Diesbezüglich bin ich im übrigen wesentlich zurückhaltender als es etwa Bucentaur ist, denn dieser behauptet durchaus häufiger mal, dass es sich bei diesem oder jenen Fund um ein “Geofakt” handelt und wartet mit solchen Aussagen ganz sicher nicht auf ein amtliches Dokument. Überhaupt wird der Begriff “Geofakt” hier im Forum nach meinem Dafürhalten mitunter auch sehr leichtfertig benutzt, denn anhand eines Fotos lassen sich in dieser Bestimmtheit eben keine abschließenden Beurteilungen vornehmen. Wir hatten diese Diskussion bereits vor ein paar Tagen.
@StoneMan
lässt Du “Einschätzungen” von Usern zu Funden grundsätzlich zu, ohne zu wissen,
wie es um deren Fachwissen bestellt ist?
Was die “Einschätzungen” von Usern betrifft, so entscheide ich für meinen Teil von Fall zu Fall, ob ich diese für berechtigt halte, oder nicht. Manches ist völlig absurd, anderes dahingegen sehr hilfreich. Anderes kann, oder will ich nicht beurteilen. Wie es aber tatsächlich um deren Fachwissen bestellt ist, lässt ich letztlich nicht beurteilen, denn ich kenne weder deren Bibliothek, noch deren Bildungshintergrund oder digitalen Bestände.
Im Grunde hängt vieles davon ab, ob man das verfügbare Material auch zu erreichen sucht und sich dann auch die Zeit nimmt es tatsächlich auszuwerten und abzugleichen. Dafür muss man sich dann halt in die Materie reinknien und selbst dann hat man noch so manches übersehen. Die Auswahl der zum Thema relevanten Beiträge ist oftmals schwierig, denn die Neuesten unter ihnen sind keineswegs immer die Besten - im Gegenteil. Wenn man seine eigene Einschätzung plausibel begründen kann, sollte man diese normalerweise auch ungehindert äußern dürfen. Manches von dem, was man erarbeitet oder erlernt hat, behält man besser für sich, denn die Früchte eigener Recherche sollte man nicht restlos verschleudern, denn es lässt sich zu Brot machen. Anderes dahingegen ist nicht länger opportun und gilt als abgelegt.
Ich würde die Benutzung älterer Quellen zudem nicht als nachteilig empfinden, denn die Autoren haben die Fundstellen noch persönlich vorgefunden und konnten die Fundstücke teils in situ bergen. Die darin gezeigten Artefakte dürfen häufig unter geringen Auflagen wiederveröffentlicht werden, wodurch wichtige Illustrationen teilweise erst möglich werden. Viele grundlegende Inhalte, die es bislang nicht in die digitale Welt geschafft haben, sind dort in diesen Jahren erstmals neu veröffentlicht worden und waren zwischenzeitlich fast unbekannt, obwohl sie das in den heutigen Werken mitgeteilte mitunter deutlich kompetenter untersuchen.
Für dieses Thema hier ist es zudem bezeichnend, dass die im nordwestdeutschen Flachland vorhandenen steinzeitlichen Gunstlagen, nämlich die für die Jagd geeigneten höheren Plätze, welche auch gegen Fliegen schützten, inzwischen gar nicht mehr vorhanden sind, denn die Dünen wurden zumeist abgebaggert.
Dadurch, dass diese Dünen, an deren Hängen sowohl zufällig, als auch bei gezielten Grabungen, teils reiche, archäologisch bedeutende Fundinventare gefunden wurden, heute also inzwischen zumeist im Straßenbau verschwunden und gar nicht mehr vorhanden sind, wird es verständlich, dass sich die dereinst einmal gemachten Funde in der Qualität und Zahl so nicht mehr einstellen, denn die Fundorte sind heute inzwischen verloren weil die markanten Gunstlagen abgebaggert, überbaut oder versiegelt wurden.
Es ist auch für den Nordwesten bekannt, dass so manche Altsammlung im Zuge der Kultivierung der Moorflächen entstanden ist, doch Drainagearbeiten sind heute vergleichsweise selten. Als die Feuerstein-Industrie der mit Pulver gezündeten Waffen entstanden ist, hatte diese für etwa 300 Jahre nochmals ein verstärktes Interesse am Flint hervorgerufen, diesen aber zugleich auch massiv verbraucht. Im Ergebnis wurde in der Vergangenheit also sehr viel Fläche gesichtet und entsprechend Material gefunden, nur bleiben diese Bestände häufig unbeachtet. Für Ergebnisse wie sie etwa Joachim Hahn erzielte, benötigt es nicht nur Freiraum, sondern auch ein entsprechendes Interesse an der erneuten Untersuchung dieser bereits erzielten Fundlage, doch das nimmt auch aufgrund des Personalmangels leider nicht zu.
Wie dem auch sei, der digitale Raum bietet im Verhältnis zu dem was es gibt bislang immer noch sehr wenig und von dem was real vorhanden und publiziert worden ist gilt vieles trotz seiner qualitativ hochwertigen Darstellungen als veraltet. Durch einen Verzicht auf Heranziehung älterer Publikationen wird der inzwischen allgemein werdende Mangel jedoch noch verstärkt und die Anstrengung und Aufwendungen für ihre Digitalisierung laufen zunehmend ins Leere. Ich für meinen Teil halte vor diesem Hintergrund die von Wilde Möhre gemachten Funde jedenfalls für ungewöhnlich und werde immer dort, wo neuere Quellen die jeweils zu untersuchende Fundsituation nicht angemessen genau zu interpretieren wissen, stets auch auf ältere Werke zurückgreifen, denn das, was in den Vitrinen der Museen als Artefakt gilt und dort in seiner Art als Gerät begrifflich zugeordnet und typisiert wurde, wie etwa die Raspel, sollte auch außerhalb von diesen so genannt werden dürfen.
Ich persönlich halte vieles von dem, was alt ist, nicht für verbraucht, sondern für originell und authentisch. Ich bin kein Freund von Tertiärliteratur. Wenn man mich selbst hier als User einschätzen will, sollte man diese Einstellung bitte berücksichtigen.
Gruß But