Ist dies das zweite Mal, dass ich ein Steinzeitliches Artefakt gefunden habe? Bevor ich nun zur Archäologin renne, wollte ich das mit Euch abgleichen. Gefunden habe ich diesen Stein in der Brandung des Weststrandes von Prerow.
ich würde mal - ohne Gewähr, da ich auch noch nicht so lang dabei bin - sagen, ja, das ist ein Artefakt. Ich sehe einen Bulbus, ich sehe, dass Abschläge gemacht wurden … müsste also bearbeitet worden sein. An den Rändern schon etwas abgerollt, aber wenn du es am Wasser gefunden hast, ist das ja auch nicht weiter erstaunlich. Die Profis melden sich sicher noch!
Ein interessantes Stück zeigst du hier. Ich kann mir vorstellen, dass das hier zu einer regen Diskussion führen wird. Einerseits scheint es typische Merkmale eines Abschlags, wie Ventral- und Dorsalseite zu haben, das heißt, eine Seite (dorsal), wo Abschlagnegative vorangegangener Abschläge zu sehen sind, als auch die Seite (ventral), wo das Stück vom Feuersteinkern gelöst wurde. Das Material ist schon das Richtige, Silex, Flint oder auch Feuerstein genannt, das in der Steinzeit bevorzugte Gestein für harte Geräte.
Nun ist der Bulbus (ventral) nicht typisch, zudem fehlt eine Schlagnarbe, die in der Regel vorhanden ist. Dorsal beginnt eine “Abschlagbahn” im “Nichts”, das heißt, sie kann nicht geslagen worden sein. Eine Weitere ist zu undeutlich, so dass man auch das Bulbusnegativ nicht erkennt.
Das ist meine Meinung. Ein “Quetscholith”, also durch nicht menschliche Kräfte, wie Eisdruck, entstanden.
na, da hätte ich doch lieber mal meinen Mund gehalten, bevor ihr euch zu Wort gemeldet habt! Sorry, Nico - immerhin hatte ich “ohne Gewähr” geschrieben …
ich hatte auch zuerst gedacht das sieht nicht schlecht aus. Wallner Linien deutlich zu erkennen, vermeintliche Schlagbahnen,…
Aber was mich stutzig gemacht hat war die Form. Was für ein Werkzeug könnte es mit dieser Form sein? Aber gibt halt auch verrückte Sachen und scheinbar ist das Stück ja auch abgerollt.
Hallo,
nochmal,
es handelt sich um keinen Abschlag, ein Abschlag würde ja bedeuten, er wäre von Menschenhand gemacht und das trifft bei diesem Stück nicht zu.
Bucentaur
Vielen Dank für die Auflösung und die rege Beteiligung. Schade, dann ist es halt nur ein Quetscholith (schöne Bezeichnung, das merk ich mir).
Da die Frage kam, wofür es hätte gewesen sein können…. da dachte ich an eine Art Schaberklinge, für die Lederbearbeitung, ich hatte mir das ungefähr so vorgestellt:
(Sogar eine ergonomische Daumenablage wäre vorhanden)
Wie bereits erwähnt, habe ich aber tatsächlich mal eine altsteinzeitliche Klinge gefunden und diese von der Silex Expertin im Landesamt für Archäologie Leipzig bestimmen lassen und die möchte ich wenigstens mal kurz zeigen
Hier möchte ich doch noch kurz was sagen, auch wenn zumindest du, Shard und ich wirklich von einem Abschlag ausgegangen sind. Gestern hab ich auch dem YT-Kanal der Prehistoric Guys (sehr empfehlenswert, aber auf Englisch. Wen es interessiert, hier der Link dazu: https://www.youtube.com/watch?v=lS5M_7w6FGY) ein Video mit Dr. James Dilley, einem Silex-Experten und flint knapper, gesehen, in dem er erklärt, wie man Artefakt von Geofakt unterscheidet. Jetzt werdet ihr sagen: “Liebe Inez, das erklären wir dir ja auch schon seit einem Jahr!” Und recht habt ihr. Trotzdem war das interessant, weil er auch recht anschauliche Stücke gezeigt hat. Worauf ich aber rauswill - und das fand ich absolut einleuchtend -: Er erzählte, dass ihm Leute natürlich auch immer wieder Stücke zeigen, die man wirklich für ein Artefakt halten könnte, die es aber nicht sind. Und er hört dann immer wieder: “Hätte ein Mensch damals nicht diesen Stein trotzdem aufheben und für eine bestimmte Tätigkeit verwenden können, er liegt doch so schön in der Hand, hat eine Spitze etc.?” Worauf er i. d. R. antwortet, dass das mit ziemlicher Sicherheit nicht so ist, außer, jemand hat gerade einen Stein gebraucht, um etwas zu zerquetschen. Er meinte auch, dass ein richtiges Werkzeug in Nullkommanichts angefertigt werden konnte, wenn man die Fähigkeiten und die Erfahrung hatte, warum also sollte man stattdessen einen Stein benutzen, der so ähnlich wie ein Werkzeug aussieht, wenn man in 20 min eine Handaxt anfertigen kann.
Da ich genau dieselben ahnungslosen Fragen schon gestellt habe, ging mir danach wirklich ein Licht auf. ich werde sie somit nicht mehr stellen und künftig wieder sehr genau anschauen, was jemand hier zeigt oder ich finde. Ich habe mir daraufhin nochmals deinen Nicht-Abschlag angeschaut, Nico, und mir nochmal die Kriterien ins Gedächtnis gerufen, die er im Video erwähnt (und die ihr mir auch schon x-mal dargelegt habt, wie gesagt), und sie einzeln durchgegangen. Eine gute Übung!
Das Ding ist, es kann ja durchaus sein, dass ein Steinzeitmensch ein Stück für irgendwas verwendet hat. ABER! So lange man das nicht eindeutig erkennen kann, ob er das tatsächlich getan hat, ist das Stück halt einfach nur ein Stein. Weil ansonsten wäre jeder Stein ein Artefakt und dann können wir mit dem Radlader die Artefakte zum Amt fahren.
mei, klar kann prinzipiell jeder prähistorische Mensch jeden erdenklichen Stein aufgehoben haben, aber er sagt ja: Wenn man ein Werkzeug braucht, wird man es (in kürzester Zeit) herstellen und sich eben nicht mit einem Stein zufriedengeben. Darum ging es, nicht darum, ist es ein Artefakt oder nicht.
schön, dass du auch deinen ersten Fund zeigst. Von einer Klinge würde ich hier nicht sprechen, die sollte mindestens doppelt so lang wie breit sein, das kann ich nicht erkennen. Aber ein Abschlag wird es schon sein, wobei du die dafür wichtige Ventralseite nicht zeigst. Aber da ist dorsal mindestens ein eindeutiges Abschlagsnegativ erkennbar.
Da muss ich aber noch nach den Fundumständen fragen: Region, Lesefund vom Acker, vom Ufer eines Gewässers oder aus einem Kieshaufen? Wie hat Frau Birgit Fischer? das Stück datiert? Es wirkt durch seine Färbung und Verrollung sehr alt.
Hi Sven,
sehr gerne! Ich erinnere mich leider nicht mehr an die Datierung es ist schon lange her, aber ich glaube Frau Fischer hat das Artefakt auf 65.000 Jahre datiert. Ich hab es am Ufer des Cospudener Sees gefunden. Es ist ein Kies-Ufer, Endmoränen Kies. Aber 65.000 Jahre ist ja deutlich jünger als die große Eiszeit.
Damals, bevor ich Frau Fischer aufgesucht habe, hab ich das Stück in einem Facebook Forum gezeigt um vorher sicher zu gehen. Dort hieß es, der “Markkleeberger Schotter” sei reich an Artefakten. Mehr kann ich leider nicht sagen, der digitale Brief von Frau Fischer ist seit einem PC Wechsel verloren…sehr ärgerlich.
Das ist doch das, was wir immer wieder hervorheben - und auch von mir mehrmals gepostet.
“Wie erkenne ich ein steinzeitliches Artefakt”?
Das Thema, “Erkennen von Artefakten”, ist zu komplex, als dass es mit nur einem Satz
beantwortet werden kann.
Viele Artefakte aus der Steinzeit bestehen aus diversen Gesteinsarten. Die Spaltbarkeit und das Bruchverhalten der Gesteinsarten sind unterschiedlich.
Der gut spaltbare Feuerstein war ein beliebter Rohstoff. Doch selbst der Feuerstein weist je nach Qualität unterschiedlich ausgeprägte Merkmale auf.
Häufige Abschlagmerkmale sind Schlagflächenrest, Bulbus und Wallnerlinien. Vielfach sind aufgrund nachträglicher Modifikation Retuschen vorhanden.
Gelegentlich sind Schlagpunkte auf den Schlagflächen, Schlagnarben am Bulbus oder Lanzettsprünge auf den Abschlagbahnen erkennbar.
Die meisten Merkmale, die durch Schlag oder Druck auftreten, können sowohl mit Absicht vom Menschen, als auch durch natürliche Prozesse ähnlich entstehen.
Demgemäß kann und darf sich die Beantwortung dieser Frage nicht nur auf das Vorhandensein ein paar typischer Merkmale beschränken. Dies könnte dazu führen, dass der Finder Artefakte verwirft, weil sie keine typischen Merkmale aufweisen.
Natürlich erleichtern Merkmale wie Schlagflächenrest, Bulbus und Retuschen die Bestimmung eines Fundobjektes, der Einsteiger muss jedoch wissen, dass sie nicht zwingend erforderlich für ein Artefakt sind.