...kratzer aus Lydit und eine kleine Spitze

Ehe der Verdacht aufkommt, ich könne ein Artefakt nicht erkennen, zeige ich gerne mal eines vorab. Vielleicht kann sich jemand daran erfreuen.

Ein Gerät, das typisch ist in Material und Machart für meine Region. Radiolarite gibt es hier in allen Formen und Farben. Feuerstein ist die ganz große Ausnahme.

Ich habe große Probleme mit Terminologie, weil ich mir alles selber beigracht habe. Was ich lese, vergesse ich meist wieder schnell. Wenn mir jetzt aber jemand sagt, wie man diesen Kratzertyp nennt, werde ich das nie vergessen…

Gruß

Marco

Nachtrag: Auf dem vierten Bild kann man an der Kante oben eine Pflugretusche sehen :frowning:

Änderung: Titel angepasst

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Hallo Marco,

ein eindeutiger Kratzer, auf Grund seiner zugerichteten Kratzerstirn. Ansonsten ist das Stück sehr außergewöhnlich. Abgesehen von dem für mich exotischen Material, ist das wohl ein Abschlag, wobei ich keine eindeutigen Merkmale sehe, was dem Gestein geschuldet sein sollte. Dorsal sehe ich nur ein Abschlagnegativ an dem Primärabschlag, das ungewöhnlicherweise von der Seite kommt. Ich würde ihn nur als Kratzer an Primärabschlag bezeichnen. Zum Alter: er wirkt sehr archaisch, könnte durchaus ins Paläolithikum passen, er könnte aber sicher auch ins Neolithikum gehören, gerade, wenn bei dir kein Feuerstein natürlich vorkommt. Gibt es denn gesicherte paläolithische Funde in der Gegend, die man zum Vergleich heranziehen könnte?

Viele Grüße

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Hallo Sven,

jetzt hast du mich aber überrascht. Im positiven Sinne - ich habe ehrlich gesagt mit mehr Widerstand gerechnet, um die Tür ins Paläolithikum aufstoßen zu können.

Aber ja, du liegst mit deiner Einschätzung vermutlich richtig. Auch wenn der Kratzer am Fundort mit Artefakten eigentlich aller Perioden vergesellschaftet war, bin ich mir, unter anderem aufgrund des Materials, Lydit, relativ sicher, dass er ins Paläolithikum gehört.

Und auch ja, es gibt gesicherte mittelpaläolithische Funde in meiner Gegend - ich habe sie selber gemacht. In der Literatur und auch sonstwo findet man leider sehr wenig über meine Region.

Später mehr.

Bravo, danke :head_shaking_vertically:
Gruß
Marco

Moin Marco,

vorweg zitiere ich mich selber:

Das war so und ist immer noch genau so.
Warum?

Mangelnde (keine) Erfahrung mit Artefakten aus Lydit.
Eigene Erfahrung mit Lydit-Funden, die alles Mögliche sein können.

Unten meine “Lydit-Karawane”, die sich inzwischen auf acht “Steinzeit-Spielzeuge” erhöht hat.


Zu dieser “Karawane” kommen viele weitere Funde aus Kieselschiefer, die die Fantasy anregt …
Spaß beiseite.

Ich sehe, was andere sehen, kann dies aber weder bestätigen noch dementieren.
Die “Pflugretusche” sehe ich sehr wohl, die ist frappierend.

@ Marco, war das Dein erhoffter Widerstand?

Gruß

Jürgen

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Moin Jürgen,

erhofft habe ich mir Widerstand ganz sicher nicht, ich hatte, ganz ehrlich, echte Angst davor. Und bin jetzt wirklich erleichtert.

Warum hast du die Lydite aus deiner Karawane mit nach Hause genommen, wenn ich fragen darf?

Gruß

Marco

Um das andere Ende des zeitlichen Spektrums dieser besonderen Fundstelle zu zeigen, wollte ich noch diese sehr feine Pfeilspitze hinzufügen. Material kann Hornstein oder auch Feuerstein sein. Jünger geht kaum noch, wenn ich das richtig einschätze.

Das war übrigens der Fund, mit dem ich mich damals endlich getraut hatte, mich ans Amt zu wenden. Bis dahin hatte ich lediglich diverse Funde, die man, was ich befürchtete, besser für sich behält.

Weiter als in den Verteiler des Veranstaltungskalenders konnte ich mit der Meldung jedoch nicht vordringen. Das war schon sehr frustrierend.

Es hätte also auch anders laufen können. Das ist jetzt 20 Jahre her…

Gruß

Marco

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Moin,

na, die feine Spitze hätte ja einen eigenen Thread verdient.

Sieht wie eine “Geflügelte” ohne Flügel aus - auf jeden Fall jung.
Fundregion ist obligatorisch.

Schau mal hier beim Erwin rein, vielleicht kannst Du die zuordnen.

Glückwunsch zu so einer prächtigen Spitze.

Gruß

Jürgen

PS die Mitnahme meiner Lydit-Karawane war meinem Enkel (derzeit ~ 3) zuschulden,
der im ersten sofort ein Fahrzeug sah.

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Wow, danke Jürgen,

eine so klare Einordnung hatte ich bisher noch nicht vor Augen. Die Spitze scheint ziemlich genau ein Mittelding zwischen einer Bandkeramischen- (3. v. li.))- und einer Bavans-Spitze (4. v. li.) zu sein.

Als so besonders habe ich die Spitze ehrlich gesagt nie empfunden, jedoch hat sie symbolisch eine sehr starke Stellung in meiner Sammlung eingenommen.

Wenn Spitzen so gut ankommen, mache ich gerne mal einen Thread dafür auf.

Gruß
Marco

Und großen Dank an Erwin Cziesla

PS: Deinen Enkel hältst du hoffentlich bei der Stange. Wenn mein Opa nicht gewesen wäre, würde ich heute vielleicht mein Glück am Spielautomaten suchen…

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Moin,

hier noch etwas aus dem “Floss”:

Zitat - Auszug:
Nummer 19 flächig bis flächenretuschierte Dreieckspitze …
Nummer 33 Spätbronzezeitliche Spitze …

Gruß

Jürgen

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Danke für den Hinweis, Jürgen.

Den Floss habe ich natürlich, meine Spitzen war ich da aber bisher nur aus dem Kopf durchgegangen. Beachte die sehr geraden Seiten, da passt Bandkeramik und Bavans besser. Auch die geringe Größe im Auge behalten. Im Floss auf Seite 810 Nr. 5 und 6 z.B. (ist mir selber gerade erst aufgefallen).

Gruß

Marco

Moin Marco,

da ich nur Deine Fotos sehe, wäre ich mir mit Floss 5 u. 6 da nicht sicher (grundsätzlich mit allen bisherigen Beispielen), da Du die Größe nicht hast und ich zumindest eine Seite als voll retuschiert annehme.
Außerdem “denke” ich, Deine könnte mehr “Flügel” haben.

Da es auch auf den Fundort ankommt (Angabe obligatorisch) sehe ich die “Bestimmung” nicht als solche, sondern als Näherung.

Gruß

Jürgen

PS der Fundort soll natürlich ohne Koordinaten und nicht auf den Acker genau angegeben werden, bei mir ist in der Regel “Fehmarn” genau genug.

PPS
Für jedes Fundstück einen neuen Thread erstellen, sonst wird die Kommunikation
zur Sisyphus-Arbeit und wird per Stichwort nie gefunden.

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Fundort, klar, sorry. Alle meine Funde wurden in meinem Revier gemacht. Auen und Anhöhen an der Lahn bei Gießen. Ausnahme ist der vorgestellte Knochen, und eine handvoll Felsgesteinartefakte aus dem Nachbarkreis LDK, wo ich seit Kurzem wildere, weil ich mir dort mehr Chancen auf Altpaläolithikum ausrechne. Das fehlt mir noch.

Gruß

Marco

Moin Marco,

wie ich an anderer Stelle schrieb, stehe ich ob Deiner kryptischen Ausdrucksweise mitunter auf dem Schlauch. :innocent:

Zitat Mann_mit_Hund:

Das war übrigens der Fund, mit dem ich mich damals endlich getraut hatte, mich ans Amt zu wenden. Bis dahin hatte ich lediglich diverse Funde, die man, was ich befürchtete, besser für sich behält.
Weiter als in den Verteiler des Veranstaltungskalenders konnte ich mit der Meldung jedoch nicht vordringen. Das war schon sehr frustrierend.

Heißt das, dass die Spitze nicht gemeldet / inventarisiert ist?


Fundanzeige eines Denkmals Entgegennahme (Online erledigen):
Fundmeldung eines Bodendenkmals (Zufallsfund)

Gruß

Jürgen

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Hallo Jürgen,

die Spitze wurde beim LDA gemeldet. Die Meldung war damals zwar unförmlich, aber verbunden mit der Anfrage, ob Interesse besteht. Mit der Bitte um notwendige Formulare. Gegeben hat es die, das hatte ich späterl herausgefunden.

Deshalb glaube ich auch nicht, dass die Funde inventarisiert sind. Sie werden wohl nicht die Fotos der Email benutzt und meinen Wohnort dazugeschrieben haben…

Online-Meldung gab es damals nicht, heute aber auch nicht mehr.

Gruß

Marco

Ich gehe davon aus, dass das nicht die einzige Fundmeldung war (?), beim nächsten Kontakt, nächster Fundmeldung, reicht ja eine Nachfrage, um sicherzugehen.

In einem anderen Bundesland hatte ich auch mal durch personelle Widrigkeiten Probleme mit dem Melden von Funden - da musste ich auch dranbleiben.
Bei der nächsten Nachfrage habe ich dann wie im Berufsleben die nächst höhere Instanz mit als Empfänger (Cc) gesetzt - plötzlich lief alles ordnungsgemäß - und eine Entschuldigung gabs obendrauf.

Meine Fundmeldung bekam ich als Kopie mit dem Vermerk “Fund verbleibt beim Finder”.

Gruß

Jürgen

PS alle meine Kontakte in Deutschland senden mir die amtlichen Unterlagen als Kopien (PDF) zu. Schließlich müssen diese Dokumente den aufzubewahrenden Fundstücken beiliegen.

Ich mache alles per E-Mail.

Leider blieb das doch die einzige Fundmeldung. Ich glaube, ich hatte sogar um eine Nachforschungsgenehmigung gebeten, und weil jede Reaktion ausgeblieben war, habe ich aus Trotz fortan mein eigenes Ding gemacht. Hoffentlich wird mir das nicht allzu übel genommen…

Die Suche nach Bodendenkmälern ist zwar genehmigungspflichtig, aber ich bin ja kein Raubsammler, sondern edler Retter :wink:

Ich habe da zwar einen Zwinkersmiley hingesetzt, aber aber einige Sachen habe ich GANZ SICHER gerettet. Die wären nicht nur untergepflügt oder beschädigt worden, sondern inzwischen wahrscheinlich weggespült.

Alles wird gut jetzt, bin wieder optimistisch. Wenn das erst mal am Laufen ist, geht das schon seinen Weg.

Gruß

Marco