Lanzen-, oder Speerspitze?

Guten Morgen zusammen,
ich benötige fachliche Hilfe!
ich habe heute morgen hier im Acker das auf den Bildern gezeigte Objekt gefunden.
Sieht aus wie eine Speer oder Lanzenspitze.
Die Spitze ist Viereck, der Schaft vermutlich auch soweit man das erkennen kann.
Länge ca.160 mm,
Gewicht ca. 150 Gramm
Material: Eisen.
Fundort nördliches Münsterland, Hörstel, südlich OT Bevergern. In einer Tiefe von ca. 40 cm.
Kann das überhaupt eine Waffenspitzen sein, und wenn ja wie ist das zeitlich einzuordnen bzw. wo ist der Ursprung?
Kann mir hier jemand helfen und näheres dazu sagen?
Schon mal dankeschön im voraus.
Gruß Huesi




Servus Huesi,

das könnte ein Vierkantspeer sein, wie hier zu sehen:

Allerdings ist das schwer zu sagen bei dem Zustand. Könnte auch genau so gut eine Zaunspitze oder ein Teil von einer Egge sein. Auf einem Acker scheint mir letzteres wahrscheinlich.

Ich bin da kein Experte und ich glaube das würde ich vorsichtshalber trotzdem dem zuständigen Archäologen vorlegen.

Gruß Shard

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Hallo,
ich bin da eher bei landwirtschaftlichen Gerät.
Speer- bzw. Lanzenspitzen aus Eisen waren meines Wissen mit einer Tülle versehen in welche der Holzschafft eingefügt wurde.

Beste Grüße

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Hallo miteinander,

ja, das sieht jedenfalls der Spitze eines Pilums sehr ähnlich:


Da Hörstel genau auf dem Weg von Kalkriese zum Niederrhein liegt, könnte das ein sehr interessanter Fund sein und sollte unbedingt gemeldet werden.

Gruß, Timo

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Moin zusammen,
dankeschön für die schnelle Hilfe.
ja, das könnte das eine oder andere sein. Ich habe heute morgen natürlich auch sofort Google befragt.
Das Wort römisch wollte ich nicht sofort in den Mund nehmen.
Ich habe meine eigene Theorie dazu, die ich in einem anderen Beitrag hier im Forum schon mal kundgetan habe.
Aber natürlich könnte es sich auch um ein landwirtschaftliches Geräteteil handeln.
Auf jeden Fall werde ich es den Archäologen hier vorzeigen.
Zudem muss ich zügigst wieder zum Acker, die wollen das morgen wahrscheinlich Saat einbringen.
Und wer weiß, vielleicht finde ich ja noch was, was zeitlich ungefähr dazu passt.
Euch nochmals vielen Dank für die schnelle Hilfe.
Gruß Huesi

Hallo,
sorry das vergaß ich vorhin anzumerken, bei meinen seit Jahrzehnten regelmäßig stattfindenden Feldbegehungen fand ich mit Sicherheit ca. 10 bis 15 Stück derartiger Eisenzähne, allesamt ca. gleichlang wie dein vorgelegtes Fundstück.
Ganz klar wünsche ich Dir einen römerzeitlichen Fundbeleg.
Beste Grüße
Bucentaur

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Hallo Bucentaur,
das hoffe ich doch das der Fund römischen Ursprungs ist.
Vielleicht auch nicht, das macht aber nichts, das spornt nur an weiter zu suchen um die Theorie der Truppensammlung des Germanicus in der Nähe von Rheine zu unterstützen.
Ein Ziel muss man immer vorm Auge haben.:wink:
Gruß
Huesi

Das ist natürlich etwas ernüchternd, würde aber dazu passen, dass es schwer zu erklären wäre, warum die vermeintliche Pilumspitze ausgerechnet dort wo sie biegsam sein sollte abgebrochen wäre.

Wie bist du denn mit deinen Eisenzähnen verblieben? (Man könnte ja etwa an Zinken einer Egge denken, zumal wenn sie außerhalb von Siedlungen gefunden wurden — dazu sollte es doch Vergleichsfunde geben).

Nur als Brainstorming-Beitrag: wäre es denkbar, dass es sich um Pila handelte die ihr Ziel verfehlten und in den Boden eindrangen, dort verblieben, und in der Folge oberirdisch schneller korrodierten als die Spitze im Boden?

Falls es wirklich römisch wäre, könnte man allerdings auch an die letzten Überlebenden der Varusschlacht denken, die sich in Richtung Castra Vetera (Xanten) durchschlagen wollten. Die Richtung stimmt jedenfalls perfekt.

Gruß, Timo

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Hallo Bucentaur,
wäre dieser Zinken konstruktiv dann nicht etwas schwach ausgelegt?
Das wäre dann eine Sollbrustelle oder die Zinke würde wenigstens an der verjüngten Stelle verbiegen. ( Halt das gleiche System wie das Pilum😁)
Nur mal so ein Gedanke.
Gruß
Huesi

Servus,

Ne, von der Größe passt das schon. Die Zinken die ich bisher gefunden hatte, hatten eine ähnliche Größe. Und du darfst nicht vergessen, dass durch Korrosion auch noch einiges weniger an Material da sein könnte.

Gruß Shard

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Moin Timo,

wo hast Du denn Dein Pilum gefunden?

Gruß

Jürgen

So, die vorläufige Fundmeldung an die zuständigen Archäologen des LWL in Münster ist rausgegangen.
Vielleicht besteht ja eine Verbindung zu dem Spielwürfel aus Blei, vorgestellt in einem vorherigen Beitrag. Der Fundort des Würfels ist ganz in der Nähe des aktuellen Fundobjektes .
Gruß Huesi

Hallo Jürgen,

auf Wikipedia :wink:

https://de.wikipedia.org/wiki/Pilum#/media/Datei:Bent_pilum_tip-transparent.png

https://de.wikipedia.org/wiki/Pilum

Ich bin leider noch nie im Museum in Kalkriese gewesen, aber müsste es da nicht reichlich Vergleichsstücke geben?

Gruß, Timo

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Hallo,
ich bin Steinzeitler,
meine römerzeitlichen Fundstücke gehen allesamt über den Tisch der Facharchäologen beim Landesamt, von daher verlasse ich mich auf die Expertisen.
Beste Grüße
Bucentaur

Hallo Bucentaur,
ok. —

Es kommt halt gar nicht so selten vor, dass zerbrochene Pilumeisen gefunden werden. Hier ist zum Beispiel ein Exemplar aus dem Rheinland, das dem Fund von @Huesi sehr ähnlich sieht:

Dieses Exemplar aus Niederösterreich (3-D-Modell):

Oder hier aus Kalkriese:

Gruß, Timo

Hallo zusammen,
Ich habe von den Archäologen aus Münster eine Antwort bekommen.
Auf dem ersten Blick eine Zinke einer Egge. Allerdings haben diese Zinken Gewinde wo die auch brechen würden.
Eine Lanzen-, oder Speerspitze schließt man erstmal aus da diese eine Tülle hätten.
Allerdings sieht das Fundobjekt genauso aus wie eine römische Katapultspitze. Mit bitte um Zusendung nach Münster zum LWL Archäologie zur näheren Begutachtung.
Ich halte euch auf dem laufenden.
Gruß Huesi

Der ist gut! :grin: — Das Pilum aus Kalkriese oben im Bild zeigt ganz deutlich, dass hier eine andere Art der Befestigung gewählt wurde und es daher gar keine Tülle gab.

Und bei Modellen mit Tülle befand sich diese einige Dezimeter weiter südlich.

Wenn ich das lese, würde es mich nicht wundern, wenn auch schon die von @Bucentaur gefundenen ‘Eisenzähne’ als wertlos im Altmetall entsorgt wurden. :angry:

Katapult- oder Pilumspitze, beides würde passen und wäre darüberhinaus an diesem Fundort alles andere als eine Überraschung.

Gruß, Timo

PS: Gibt es überhaupt sichere archäologische Hinweise auf vierkantige Eggenzinken? Die handgeschmiedeten Eggen aus dem 19. Jahrhundert die ich kenne haben jedenfalls die auch heute üblichen flachen, eher messerartigen Zinken.

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Servus,

also ich ich hab in meinem Garten einen Vierkanteggenzinken gefunden. War auch noch nicht so verrostet, dass man das eindeutig erkennen konnte. Ich glaube tatsächlich die Eggenzinken sind in sehr vielfältigen Formen vorhanden.

Gruß Shard

Edit: Google Mal Eggenzinken, da siehst wie vielfältig es die gibt. Und wenn du das über die Jahrzehnte siehst, sind das noch viel mehr.

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@Geognost
da ich kein Spezialist für die römische Kaiserzeit bin lasse ich meine Funde ausnahmslos von entsprechenden Facharchäologen begutachten.
Bei mir wandert nichts ungesehen ins Altmetall das ist im übrigen eine ganz üble Unterstellung!

@Shard

Alle vierkantigen Eggenzinken die ich gefunden habe sind modern und sehen ganz anders aus als eine Pilumspitze.

@Bucentaur

Verzeihung, damit hatte ich nicht dich gemeint!

Wenn man aber hört, dass von Fachleuten etwas das einer Pilumspitze mehr ähnelt als einer Eggenzinke wegen fehlender Tülle (!) für letzteres gehalten wird, kommt man schon ins Grübeln.

Nahezu identische Vergleichsstücke hatte ich doch oben aufgeführt, viele davon ebenfalls abgebrochen, und am Exemplar aus dem 40 km von Hörstel entfernten Kalkriese sieht man deutlich, dass es konstruktionsbedingt gar nicht über eine Tülle verfügte.

Hier die verschiedenen Verbindungsarten, die zur Zeit der Germanienfeldzüge gebräuchlich gewesen sind:

[PDF] Das Pilum, O. Dahm - Bonner Jahrbücher, 1895
https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/bjb/article/download/31280/24981

Hier noch einige Pila aus Xanten:


Und aus Haltern:

Gruß, Timo

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