reeholz schrieb:
Und nur so als Überlegung: Theoretisch müssten - wenn ich das ganz richtig verstanden habe - alle evtl in Zukunft noch gefunden zu werdenden (Marsch-)Lager zu einem “Nullpunkt”-Lager in einer in Leugen (?) messbaren Entfernung liegen und mit einem dritten Lager zusammen ein rechwinkliges Dreieck ergeben?
Das einzige Marschlager, Sennestadt, lässt sich derzeit keinem Dreieck zuordnen. Alle anderen Lager östlich des Rheins scheinen längerfristig angelegt worden zu sein, und die kann man sämtlichst in dem vermuteten Netz unterbringen. Es scheint, als seien diese Stützpunkte mit Bedacht und im Hinblick auf eine zukünftige Provinzbildung ausgewählt worden.
reeholz schrieb:
Da wäre - wie schon von anderer Seite angesprochen - viel Vorplanung notwendig gewesen und dabei sind Hinterhälte, die den Vormarsch ausbremsen, und sonstige nicht berechenbar Gegebenheiten (Wetter etc) nicht ein errechnet…
Von daher wäre, wie sowohl die Fach-und Trivialliteratur es wiedergibt, das Vorrücken unter Zuhilfenahme von Spähern und Einheimischen zu gewissen (gegnerischen) Punkten und das Anlegen von Marsch- bzw festen Lagern dort und dann, wo es je nachdem, wie weit man kam und wo es die passende “Infrastruktur” (Wasser, Holz etc) gab, aber um einiges sinnvoller.
Drusus war gekommen, um zu bleiben. Wenn er, wie es angenommen wird, im Frühjahr 11 BCE den Rhein überschritt, dann hatte er den ganzen Sommer Zeit, das Land zumindest bis zur Weser/Werra (Barkhausen, [Höxter], Hedemünden) akribisch zu vermessen und dann auf dieser Grundlage im Spätsommer Oberaden als sein Winterquartier ausbauen zu lassen.
Was viel später in Frankreich (z.B. Meridianexpedition) und Deutschland (z.B. Gauß) mit ganz kleinen Teams Jahre dauerte, könnte eine große Militärmacht viel schneller bewerkstelligt haben. Und von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen (Sennestadt, Kneblinghausen, Oberbrechen) lagen alle Stützpunkte strategisch sinnvoll an Flüssen. Holz dürfte auch nicht das Problem gewesen sein, auch wenn Germanien nicht nur aus Wald bestand, wie es die römische Geschichtsschreibung gern darstellt.
Die Germania Magna bietet gegenüber den rechtsrheinischen Regionen den großen Vorteil, dass hier praktisch alles wie eingefroren vor uns liegt. Von den 50 Kastellen die Drusus am Rhein errichtet haben soll, lassen sich vielleicht noch ein Dutzend nachweisen. Dabei ist diese Zahl durchaus realistisch, wären das doch vom Bodensee bis an die Nordseeküste etwa alle 20 km ein Stützpunkt, was etwa einem Tagesmarsch mit Tross inklusive der sehr langsamen Ochsenkarren entspricht. Aber die meisten dieser Lager liegen heute unter Städten und wurden oft schon in spätrömischer Zeit mit neuen Festungen überbaut.
Östlich des Rheins können wir einen viel unverstellteren Blick auf die initiale römische Planung werfen — wobei auch hier schon mindestens zwei Phasen unterschieden werden müssen: die erste unter Drusus mit Oberaden als Zentrum und dann der zweite Anlauf nach dessen Tod mit Haltern als Hauptort im Norden und Waldgirmes im Süden.