Scherben aus dem Mittelalter

Servus Timo,

man könnte tatsächlich meinen, dass ist das Scherbenspektrum eines Ackers. Die Scherben stammen allerdings aus meinem Garten. Die Erde ist eine Mischung aus der Erde von dem Gelände (was einst mal der Dorfmittelpunkt war) und Erdaushub (von wo auch immer).
Ich habe es inzwischen aufgegeben auf die Scherben einer kompletten Keramik zu hoffen. Aber mal ein passendes Randstück zu finden habe ich noch nicht aufgegeben.

Wie auch immer, lehrreich ist es allemal. Ich habe quasi das Scherbenspektrum vom frühen Mittelalter bis heute.

Gruß Shard

Servus!

Hier, wie versprochen, die nächsten:


Diesmal gilt Masse statt klasse.leider keine besonders erwähnenswerte Stücke dabei. Der Vollständigkeit halber poste ich sie trotzdem.
Wir haben ein Randstück unglasiert (1424) und zwei glasiert (1425&1426). 16 Wandscherben glasiert (1427-1442) und 56 unglasiert (1443-1498). Drei Halsstücke unglasiert (1499-1501). Sowie drei Bodenstücke glasiert (1502-1504) und eins unglasiert (1505).

Ich hoffe die nächsten werden wieder etwas spannender.

Gruß Shard

Servus,

hier sind die nächsten:

Wir haben zwei Randscherben glasiert(1506&1507) und eine unglasiert (1508). Zwei Wandscherben glasiert (1509&1510) und 25 unglasiert (1511 -1535).

Näher eingehen möchte ich auf 1506 und 1520.

Fragment 1506


Wir haben ein Randstück von weißer Keramik vorliegen. Das Stück ist hart gebrannt und fein gemagert. Glimmer ist nur sehr wenig bzu erkennen. Auffällig ist die Form von oben betrachtet. Das Stück macht nicht den typischen Bogen den man erwarten würde, sondern fast schon ein S. Die Frage die sich mir stellt: warum? Ist das Fragment Nähe der Stelle wo die Handhaben angedrückt wurde? Oder ist es vom Ausguß? Oder gar von einer ganz anderen Keramik?

Fragment 1520



Das Stück ist reduzierend hart gebrannt. Die Magerung ist sehr fein, aber es sind durchaus größere Partikel vorhanden. Ein Stück zerstoßene Keramik mit etwas 4mm war in den Bruchflächen zu erkennen. Glimmer ist sehr fein und sehr stark vertreten.
Das Stück ist leider beim umgraben zu Bruch gegangen, aber ich konnte alle Teile bergen und zusammen kleben.

Auffallend bei diesem Stück sind die starken Fingerrillen. Das wäre auch meine Frage zu dem Stück: Nennt man die Fingerrillen? Ich erinnere mich an ein Stück ziemlich am Anfang meiner Funde, das hatte auch Fingerrillen. Die waren allerdings fertigungsbedingt auf der Innenseite. Bei diesen Rillen sieht man jetzt einen deutlichen Unterschied. Die Kanten scheinen nochmals extra verrundet worden sein.

Ich freue mich wie immer über jegliche Beteiligung!

Gruß Shard

Hallo Shard,

wieder einiges zu Tage gekommen :grinning_face:

Die “Fingerrillen” nennt man auch “Drehspuren” oder “Drehrillen”

(Prodiktion auf der Drehscheibe)

Viele Grüße

Oli

Servus Oli,

ich meinte das auf die Verzierungsrillen bezogen. Gibt es da keine eigene Bezeichnung dafür? Also wenn du den Finger stufenweise tiefer eindrückst.

Gruß Shard

Hallo Shard,

sorry, das hab ich wohl falsch verstanden :innocent: .

Das sieht für mich nach einer Rillenverzierung aus (umlaufende Rillenzier)

Viele Grüße und schönen Abend

Oli

Hallo Shard,

bei 1506 dürfte es sich wieder um einen Steg von einer Blattkachel handeln, Material und Glasurfarbe würde ich ins 16. Jh. oder jünger packen.

Bei 1520 ist es schwieriger. Der Scherben hat einen roten Kern, ist also ursprünglich oxydierend gebrannt und dann in einer reduzierenden Atmosphäre. Ob beabsichtigt oder nicht kann ich nicht sagen.

Die Wandgestaltung würde ich als waagerecht kanneliert bezeichnen, sie scheint auf der Scheibe vorgenommen worden zu sein, mit wechselseitigem Druck von Außen und Innen. Ich habe so etwas nur selten gesehen und kann es nicht zuordnen.

Hoffe das es dir weiterhilft

viel Spaß

Uwe

Hallo Uwe,

vielen Dank für deine Einschätzung!

Gruß Shard

Servus,

kleines Update:

Ich habe die folgende Scherbe in der Nachbarschaft gefunden:


Hier kann man gut sehen, etwas die Hälfte ist grün glasiert und die andere Hälfte ist in der gold glänzenden Farbe wie ich sie einmal hatte. Der Scherben Experte meinte damals das wäre vermutlich durch eine Reaktion mit Fäkalien. Mit diesem neuen Fund kann ich mir das gut vorstellen.

Gruß Shard

Servus,

Hier die neusten Funde:

Wir haben ein Randstück glasiert (1536). Acht Wandscherben glasiert (1537-1544) und achtzehn unglasiert (1545-1562). Ein Halsstück glasiert (1563) und ein Bodenstück unglasiert (1564).

Auf die ersten beiden Stücke möchte ich näher eingehen.

Fragment 1536

Das Fragment ist oxidierend hart gebrannt, fein gemagert und weißt wenig Glimmer auf. Das Stück ist offensichtlich ein Teller mit Innenglasur. Ist das eine Form von Malhornware? Zur Verdeutlichung habe ich die farbigen Anteile in entsprechenden Farben nachgezeichnet.

Fragment 1537


Das Fragment ist oxidierend hart gebrannt und fein gemagert. Der Glimmer ist sehr fein und relativ stark vorhanden. wobei das auch täuschen könnte, da es auch Glasurreste sein könnten. Die Glasur ist nur deutlich in den Innenkanten zu erkennen.
Das Stück ist die erste Applikation die ich gefunden habe.

Wie immer gilt: Ich freue mich über jeden Beitrag

Gruß Shard

Servus,

hier die nächsten Funde:

Wir haben zwei Randscherben unglasiert (1565 und 1566, letzterer ein schöner Deckel. Zehn Wandscherben unglasiert (1567-1569 und 1573-1579) und neun glasiert (1570-1572 und 1580-1585). Sowie ein Bodenstück mit Engobe (1586), zwei Halsstücke unglasiert (1587 und 1588) und ein Bodenstück glasiert.

Heute möchte ich den Schwerpunkt auf 1567 legen.

Fragment 1567


Das Fragment ist reduzierend hart gebrannt und fein gemagert und damit definitiv in der Neuzeit einzuordnen. Das besondere an dem Stück ist die Verzierung, welche übrigens auch nochmal auf die Neuzeit hindeutet.
Der Hafner hat an dem Stück eine Glätteverzierung angebracht, in Form von Linien die vom Rand nach unten verlaufen. Von oben gesehen würde das ein sternförmiges Muster ergeben. Da man die Linien auf den Bildern nicht so deutlich erkennen kann, habe ich sie nochmal mit rot nachgezogen.

Ich habe noch zwei weitere Fragmente (1568 und 1569) gefunden, welche ich dieser Keramik zuordnen würde. Sie lassen sich leider nicht anfügen, aber die Linien verlaufen hier auch sehr eng, so dass die Fragmente wohl von weiter oben sind. 1568 würde ich sogar dem Hals zuordnen.

Mich würde jetzt natürlich brennend interessieren wie so etwas komplett ausgesehen haben könnte. Hat jemand schon mal etwas vergleichbares gesehen?

Über Beiträge jeglicher Art würde ich mich wie immer freuen.

Gruß Shard

Hallo Shard,

ich würde die Scherben hier im Norden früher ansetzen.

Zum Einen zeigt der Bruch einen oxydierend gebrannten Kern unter einer reduzierend gebrannten Schale und die Oberfläche erinnert teilweise schon an Faststeinzeug (höhere Brenntemperatur).

Zum Zweiten kenne ich verzierte Harte Grauware nur in seltenen Fällen, hier oben i.d.R. in Kontaktsituationen zwischen slawischer und christlicher Kultur. Einfach gesagt wurde die überlegene Form- und Brenntechnik eingesetzt andererseits aber die Dekorfreude der einheimischen Keramik beibehalten.

Hier sieht man einen Ausschnitt aus den präsentableren Funden, viele Scherben hatten aber auch nur Teilpolitur, Glättstreifen oder eingeritzte Wellen/Bänder.

Ein besonders hoher Anteil wurde zu der Zeit erreicht als Burg Meyenburg als Pfand im Besitz eines slawischen Fürsten befand, 14. Jh., auf dessen Besitz eine Töpferei mit ähnlichen Verzierungen gefunden wurde, ebenfalls 14. Jh., Ralf Mulsow, Drei spätmittelalterliche Töpfereiabfallgruben aus Wredenhagen und Kieve, Kreis Röbel. in: Bodendenkmalpflege in Mecklenburg 1990, 167-202

Wie weit ist bei dir das slawische Gebiet entfernt?

viel Spaß

Uwe

Hallo Uwe,

vielen Dank für deine Einschätzung!

Ja, wie weit ist das slavische Gebiet von mir entfernt… Das ist eine gute Frage. Gibt es da eine Karte, wo das Gebiet zu sehen ist? Ansonsten kann ich nur meinen Ort als Punkt nennen.

Gruß Shard

Hallo Shard,

bei Wikipedia, Suchbegriff: Bavaria Slavica, Kap. namenskundliche Quellen gibt es eine Karte mit Ortsnamen.

Viel Spass

Uwe

Hallo Uwe,

nach dieser Karte wäre Schrobenhausen relativ weit weg von den slavischen Gebieten. Zu Fuß sicherlich ein paar Tagesreisen.

Gruß Shard

Der rote Punkt links unten auf der Karte bezeichnet Windischhausen. Von dort sind es rund 66 km nach Schrobenhausen, die ein geübter Wanderer an einem Tag zurücklegen kann.

Gruß, Timo