ah ja, das kann sein, aber ich weiß nicht, ob Handhaben auch so befestigt werden konnten.
Also das geht schon. In der Vorgeschichte wurden die Keramiken “gebaut”, also aus langen “Würsten” übereinandergelegt und dann “verschmiert”. So hat man da auch die Handhaben eingezapft. Ich denke, das hat zu einer größeren Stabilität führt, als wenn man die Henkel nur aufgeklebt wird. Ich kann mir vorstellen, dass man das heute noch so macht.
Viele Grüße
Servus zusammen,
hier die nächste Ausbeute:
Wir haben zwei Randstücke unglasiert (1250&1251) und zwei glasiert (1252&1253). Fünf Wandstücke glasiert (1254 bis 1258) und 17 Wandstücke unglasiert (1259 bis 1275). Vier Bodenstücke (1276 bis 1279) und ein Stück vermutlich Ofenkachel (1280).
Ich möchte das Augenmerk auf 1252 richten.
Fragment 1252
Wieder ein Stück weiße Keramik (oder jedenfalls ein hoher Kaolin Gehalt). Die Scherbe ist hart gebrannt und nicht sehr stark gemagert. Die Magerungspartikel sind jedoch relativ groß (bis 1,2 mm) und bestehen aus roter Keramik und schwarzen Steinchen.
Ungewöhnlich ist die Glasur (vielleicht auch Engobe), da weiße Keramik (wie Grauware) nicht glasiert wird. Hier finden wir die Glasur aber beidseitig. Und auch die Form irritiert mich. Das Stück sieht sehr filigran aus, eher wie ein Deckel. Aber die Form finde ich für einen Deckel eher unpassend. Also eine sehr feine Schüssel oder ein Teller?
Was meint ihr dazu?
Gruß Shard
Servus zusammen,
und wieder ein paar neue Funde:
Wir haben diesmal zwei Randstücke glasiert (1281&1282). Sieben Wandscherben glasiert (1283-1289) und zwölf unglasiert (1290-1301). Zwei Bodenstücke (1302&1303) und zwei nicht ganz klare Stücke (1304&1305). Das letzte könnte eine Ofenkachel, Fliese oder vielleicht auch ein Rand sein. ![]()
Fragment 1285
Das Stück ist oxidierend hart gebrannt. Die Magerung ist mittel (Magerungspartikel bis 0,5mm), jedoch sind vereinzelt auch Quarzstücke bis zwei Millimeter zu erkennen. Der Glimmer ist sehr fein und wenig enthalten. Die Innenseite ist braun glasiert.
So weit nichts besonderes, jedoch sind auf der Außenseite zwei Rillen, welche noch rot nachgemalt wurden. Das ist für mich neu. Kennt jemand von euch diese Art der Verzierung und kann man das zeitlich einordnen?
Fragment 1304
Dieses Stück ist reduzierend hart gebrannt. Die Magerung ist sehr fein und Glimmer kann ich auch keinen erkennen. So ein ähnliches Stück hatten wir ja schon mal, nur kleiner und in schlechteren Zustand.
Könnte es vielleicht auch von einem Zackenrand sein? Ähnlich wie dieser hier?
Was meint ihr dazu?
Gruß Shard
Hallo Shard,
Fragment 1285: ich denke, es könnte so sein, dass auf das ungebrannte Gefäß eine rote Engobe aufgetragen wurde, dann kam der erste Brand, danach wurde eine farblose Glasur aufgebracht und mit einem zweiten Brand verfestigt.
Oberflächenabrieb nach Zerstörung des Gefäßes hätte dann die Glasur und die flächigen Teile der Engobe entfernt so das beides nur an wenigen, vertieften Stellen erhalten blieb. Ich kenne Scherben mit ähnlicher ‘Deko’ mit rotbrauner oder mit gelber Engobe und darüber liegender farbloser Glasur besonders aus der frühen Neuzeit. Vielleicht hat hier ein Töpfer versucht eine Warenart zu imitieren zu deren Herstellung der richtige Ton fehlte, deren äußeres Erscheinungsbild er aber auf diese Art imitieren konnte.
Zu dem anderen Stück kann ich nichts beitragen.
viel Spaß
Uwe
Servus Uwe,
danke für deine Einschätzung. Jedoch sieht es für mich nicht so aus, als ob nur in der Rille Farbe wäre. Die Rille sieht sehr ungleichmäßig aus, nicht so als ob sie auf der Drehscheibe gefertigt wurde. Und die Farbe ist wie ein Streifen der auch außerhalb der Rille ist.
Vermutlich kannst du das nicht sehen. Ich habe versucht noch ein paar bessere Bilder zu machen:
Ist erkennbar was ich meine?
Gruß Shard
Ja.
Moin,
aber einen Reim kann ich mir nicht machen.
Sieht aus, als wären es zwei Rillen. Wollte die jemand kaschieren?
Gruß
Jürgen
Oder hervorheben?
Gruß Shard
Hallo @Shard
Uwes Anmerkung, ein Töpfer könnte versucht haben etwas zu imitieren, könnte ich mir gut vorstellen.
Ähnliche Keramik habe ich schon ein paar Mal gefunden, die datieren alle ins 14./15. Jhd.
Allerdings war nur bei einer einzigen eine übermalte Rillenverzierung vorhanden, bei den restlichen waren nur die roten Linien aufgemalt.
Viele Grüße
Oli
Vielen Dank für deine Einschätzung Oli. Du hast nicht rein zufällig noch ein Bild einer solchen Scherbe?
Ja,Beine Imitation ist gut möglich. Ich bin auch mal gespannt was der Scherbenexperte dazu sagt.
Gruß Shard
Hab auf die Schnelle nur einen Screenshot (Keramik ohne Rillen)
Wenn ich den Rest finde, lade ich weitere hoch
Viele Grüße
Oli
Also nur aufgemalte rote Streifen? Ist die Rückseite glasiert? Danke für das Zeigen.
Gruß Shard
Ja, nur aufgemalt. Die Rückseite war braun glasiert.
Viele Grüße
Oli
Servus zusammen,
hier sind die nächsten:
Es sind drei Wandscherben unglasiert (1306-1308) und eine glasiert (1309). Neun glasierte Wandscherben (1310-1318) und 28 unglasierte (1319-1346). Eine Bodenscherbe glasiert (1347) und drei unglasiert (1348-1350). Und eine Ofenkachel (?)(1351).
Näher eingehen möchte ich auf die Ofenkachel.
Fragment 1351
Das Fragment ist ein alter Bekannter. Ich hatte schon mit Fragment 679 und Fragment 1061 Bruchstücke von dieser Keramik gefunden. Zur Wiederholung: Die Keramik wurde oxidierend hart gebrannt. Sie ist fein gemagert ( weniger Partikel bis 1mm sind dennoch vorhanden) und weist relativ viel Glimmer auf.
Das Bruchstück ist diesmal etwas größer und man kann die Verzierung besser erkennen. Es scheint ein Rautenmuster, ähnlich wie bei Pingsdorfer Keramik zu sein.
Hier nochmal zusammen mit den anderen Bruchstücken, die ich zuzuordnen zu können meine:
Meine Fragen dazu:
Ist das überhaupt Ofenkeramik? Gibt es überhaupt so flache Blattkacheln? Zum Beispiel als Abdeckung bei einem Kamin? Die Rückseite ist deutlich geschwärzt, deshalb bin ich überhaupt auf Ofenkachel gekommen.
Ist dieses Rautenmuster bei Ofenkeramik jemanden bekannt? Kann man das ganze zeitlich zuordnen?
Ich freue mich wie immer über rege Beteiligung!
Gruß Shard
Hallo Shard,
Blattkachel ist m.E. schon richtig, aber nicht vom verzierten Blatt, sondern von den darunter sitzenden, seitlichen Stegen.
Die Farbe dürfte beim Glasieren der Schauseite auf die Stege gelangt sein. Die Farbe der Glasur würde mich hier oben in Richtung Barock weisen.
Hoffe das hilft viel Spass
Uwe
Servus Uwe,
ah, das wäre möglich. Du meinst die Schauseite wurde glasiert und dann ist die Farbe runter gelaufen. Möglicherweise wurde dann noch die Kachel noch gedreht und die Farbe lief in eine andere Richtung. Dadurch entstand dann das Rautenmuster.
Fragment 1280 wäre da möglicherweise ein Kandidat.
Gruß Shard
Servus zusammen,
hier die aktuellen Funde:
Wir haben vier Mal Rand unglasiert (1352-1355) und einmal glasiert (1356). Zehn Wandstücke glasiert (1357-1366) und zwanzig unglasiert (1367-1386). Ein Halsstück unglasiert (1387). Ein Bodenstück unglasiert (1388) und eins glasiert (1389).
Fragment 1352 scheint von der selben Machart wie Fragment 1090. Der gleiche reduzierende Brand und die gleiche rötliche Engobe, jedoch passt die Form des Randes nicht so ganz.
Fragment 1357 scheint eine Glasur zu haben, die ganz gut zu der Handhabe passt, welche ich einmal auf dem Acker gefunden hatte und bei den Beifunden gepostet hatte.
Näher möchte ich jetzt jedoch auf die Fragmente 1355 und 1356 eingehen.
Fragment 1355
Fragment 1355 ist oxidierend hart gebrannt. Die Magerung ist fein (Partikel bis 0,2mm) mit wenig Glimmer (auch bis 0,2mm). Das Stück wurde auf der schnellen Drehscheibe gedreht und die Farbe ist am besten mit Ocker zu beschreiben.
Der Scherben kommt mir einerseits sehr jung vor, aber andererseits auch wieder recht alt (also SMA/FNZ). Ich habe da Schwierigkeiten ihn einzuschätzen. Was meint ihr dazu?
Fragment 1356
Das Stück ist oxidierend hart gebrannt und grob gemagert (Partikel bis über 1mm). Glimmer ist mittel, aber sehr fein vorhanden.
Noch so ein Kandidat der Rätsel aufgibt. Ich dachte zuerst an eine Ofenkachel, aber dann habe ich den Rand bemerkt, der nicht so wirklich zu einer Ofenkachel passen will. Glasur außen passt wiederum nicht zu Gebrauchsgeschirr. Also ein Blumentopf oder Blumenkasten? Aber spricht da nicht die grobe Magerung dagegen?
Was meint ihr dazu?
Freue mich wie immer über rege Beteiligung!
Gruß Shard
Servus zusammen,
die neusten Stücke:
Wir haben neun Randstücke glasiert (1390-1398). Drei glasierte (1399- 1402) und vierzehn unglasierte Wandscherben (1403-1416). Ein Bodenstück glasiert (1417) und zwei unglasiert (1418&1419). Drei Halsstücke (1421-1423). Und ein Stück das ich nicht so ganz einordnen kann (1420).
Diesmal dachte ich es wären zueinander passende Randstücke dabei, aber leider wieder Fehlanzeige. Es passt keins zu den bisher gefundenen.
Bei 1390 hab ich ganz in der Nähe noch ein Bruchstück gefunden, welches gepasst hätte. Hab die beiden dann gleich verheiratet und als ein Stück dokumentiert.
1400 ist wohl ein typischer neuzeitlicher Blumentopf.
Und 1420 sieht aus wie weiße Keramik, aber ist sehr globig. Vielleicht auch nur eine Fliese?
Das war es erst mal. Allerdings geht es gerade Schlag auf Schlag und ich hab hier noch über zehn nicht dokumentierte Wandscherben. Über das Wochenende werde ich sicher nochmal einiges finden.
Ich halte euch auf dem laufenden.
Gruß Shard
Hallo @Shard ,
findest Du diese vielen Scherben vorwiegend konzentriert an einer oder mehreren mutmaßlichen historischen Müllkippen — oder eher zufällig flächig auf Äckern verstreut?
Gruß, Timo





















