Scherben aus dem Mittelalter

Servus,

hier kommt die nächste Ladung:

Diesmal haben wir eine Randscherbe unglasiert (768) und eine glasiert (769). Fünf glasierte (770 bis 774) Wandscherben und 29 unglasierte.
Sowie eine Halbkugel (800), auf die ich jetzt näher eingehen möchte.

Fragment 800


Fragment 800 ist oxydierend hart gebrannt und fein gemagert. Nur ein wenig feiner Glimmer ist zu erkennen.

Ich könnte mir drei Sachen für das Stück vorstellen:

  1. Eine Applikation an einer Keramik
  2. Ein Stück einer Handhabe
  3. Eine Schusser/ Murmel

Ich tendiere zu letzterem. Was meint ihr dazu?

Gruß Shard

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Hallo Shard,
Ich würde die 800 auch als Rest einer Murmel deuten. Interessant finde ich auch die Reste des dunklen Auftrags, keine Glasur und wohl auch keine Bemalung, ein Tauchbad ?
Viel Spaß
Uwe

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Servus,

Ja, der Auftrag ist allerdings auch in der Bruchfläche. Ich denke er kam nachträglich über die Erde da hin.

Gruß Shard

Moin,

Murmel kann sein - Blähton vielleicht auch?

Gruß

Jürgen

Servus,

nein, Blähton ist es definitiv nicht. Das würde ich Anhand der Bruchfläche ausschließen.

Gruß Shard

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Servus zusammen,

hier sind die nächsten Funde:

Diesmal haben wir fünf glasierte Wandscherben (805 bis 809), eine Handhabe (810), ein Halsstück (837) und der Rest sind unglasierte Wandscherben.
813 ist das erste Mal eine Scherbe, die farblich zum Randstück 152 (das war der Bügelkannenrand mit Kerbverzierung) passen könnte.

Näher eingehen möchte ich jedoch auf 810.


Als ich 810 aus der Erde geholt habe, dachte ich zuerst an einen Grapenfuß. Als ich ein wenig die Erdreste entfernt hatte, dachte ich dann an Silexknolle (wegen der schwarzen Farbe und dem weißen Belag). Erst nachdem waschen war ich dann bei Handhabe.

Das Stück ist reduzierend hart gebrannt. Es ist fein gemagert und hat einen hohen Anteil sehr feinen Glimmer. Auffällig wären da noch ein paar Details. Zum einen der bereits erwähnte weiße Belag (Detail 2). Ich weiß nicht ob das Engobe ist oder Kalkablagerungen. Was meint ihr dazu?
Und dann noch die Blasen ganz nah zur Wand (Detail 1). Wodurch könnten sie entstanden sein?

Gruß Shard

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Hallo Shard,
Ich würde tippen, dass da beim Brennen der Keramik etwas schief gelaufen ist. Der Ofen war zu heiß, deswegen ist die Glasur verbrannt, nur noch blasige Reste. Dabei wäre auch eine reduzierende Atmosphäre entstanden, was zum grauen Scherben führte.
Es würde sich also um eine neuzeitliche helle Irdenware mit Glasur handeln, die beim Brand verfärbt wurde. Meine Einschätzung.
Viel Spaß
Uwe

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Hallo Uwe,

danke für deine Einschätzung! Würde so ein Fehlbrand noch verwendet oder gleich weggeschmissen?

Denkst du auch es ist eine Handhabe?

Gruß Shard

Moin,

könnten auch Verunreinigungen im Ton dazu führen?
Irgendwie sieht es wie “Schlacke” aus.

Interessanter Fund.

Gruß

Jürgen

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Servus,

gute Frage…

Meine Überlegung war, ob die Keramik im Feuer stand zum kochen und es dann zu den Bläschen kam. Weil die sind nur im unteren Teil der Handhabe zu finden (falls es denn eine ist).

Gruß Shard

Moin Shard,

bei einem fertig gebrannten Gefäß kann ich mir nicht vorstellen, dass durch die geringe Gebrauchstemperatur so etwas entstehen kann.

Derartige Bläschen beim Brennvorgang, wodurch auch immer, kann ich mir gut vorstellen.

Sagt jemand, der schon am Brennofen und Schmiedefeuer gestanden hat.

Gruß

Jürgen

Nachtrag.
Das muss beim Brennen ja nicht zu einem Bruch führen, sondern ist lediglich
erst durch den späteren Bruch sichtbar geworden.
Es ist auch quasi eine “Sollbruchstelle”.

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Hallo Burgenjunkie,

hast du dazu vielleicht ein Beispiel-Bild?

Liebe Grüße!

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Hallo Shard,
Es gab sicherlich verschiedene Güteklasse bei der Keramik. Ich habe in Lübeck mal eine Bodenscherbe eines ortsfremden Faststeinzeuges gefunden mit einem großen Brandriss, 2-3 mm breit.
Ob das Stück doch in Lübeck gebrannt wurde oder trotz der Beschädigung verkauft wurde habe ich nie herausgefunden.
Viel Spaß
Uwe

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Ja, das kann man heute auch kaum noch rausfinden. Vielleicht eine Nutzung als “Arbeitsgerät”. So wie wir manchmal gesprungene Keramik noch im Garten nutzen.

Gruß Shard

Servus,

hier kommen die nächsten Funde:

Diesmal sind es zwei Randstücke unglasiert (838 u. 839), fünf glasierte Wandstücke (840 bis 844), 17 Wandstücke unglasiert (846 bis 861), zwei Halsstücke unglasiert (862 und 863) und eine Ofenkachel (864).

Fragment 838 ist ein klassischer Karniesrand, wie ich ihn schon im Dutzend auf den Feldern gefunden habe.

So, aber nun zum eigentlichen Stück, welches wir heute näher betrachten:

Fragment 864


Das Fragment ist oxydierend hart gebrannt. Die Magerungspartikel sind bis ein Millimeter groß. Glimmer ist wenig und sehr fein vorhanden.
Die Ofenkachel ist schwarz glasiert und weist eine goldene Bemalung an mehreren Stellen auf.
Weiß jemand wann diese Art von Kachel in Mode war?

Gruß Shard

Hallo Shard,
ich kann zwar nichts Sachdienliches zu deiner goldenen Scherbe beitragen, aber meine Taschen sind auch immer mit genau denselben Sachen voll, wie du sie hier zeigst, und immerhin erkenne ich mittlerweile, dass ich in der Regel auf keinen Schatz gestoßen bin :grin:.
LG!

Ja, das Fundspektrum in meinem Garten entspricht etwa dem was man auf dem Acker findet. Inzwischen glaube ich sogar, dass es unmöglich ist eine Keramik nahezu vollständig zusammen zu bekommen. Bisher gleicht kein Randstück dem anderen.

Aber spannend ist es trotzdem und mach Mal weiter. Noch mache ich ja viele Funde.

Gruß Shard

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Hallo Shard,
Ich würde bei der ‘Ofenkachel’ im Berliner Raum an den Klassizismus denken, es könnte auch Baukeramik (ein Fries) oder Teil einer Prunkvase (vom eckigen Fuß) sein.
Die dunkelbraune Glasur verweist auf barocke Stücke, diese weisen aber keine Mehrfarbigkeit auf, soweit ich weiß.
Viel Spaß
Uwe

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Super, danke dir für die Info. Damit kann ich weiter recherchieren.

Gruß Shard

… und wie kommt die Berliner Kachel in deinen bayerischen Garten? :blush: