Ganz einfach, es ist keine Berliner Kachel. Uwe kommt aus dem Berliner Raum und hat das Stück lediglich aus seiner Perspektive gedeutet. Die Mode ist oftmals übergreifend, besonders wenn man weiter in die Neuzeit kommt.
Das heißt, dass eine bayrische Kachel auch gleich aussehen kann wie eine Berliner. Sie muss aber nicht und könnte zum Beispiel goldene Verzierungen haben. Die Verzierungen wären damit eine regionale Ausprägung.
Also kompliziert das ganze. Mir hilft jedenfalls der zeitliche Rahmen bei der weiteren Recherche. Auch die Hinweise auf andere Keramiken sind hilfreich. Damit hab ich wieder ein paar offene Richtungen in die ich recherchiere.
Wir haben zwei glasierte (?) Randstücke (865 und 866), acht glasierte Wandstücke (867 bis 874), 21 unglasierte Wandscherben (875 bis 885) und jeweils ein glasiertes (887) und unglasiertes (886) Bodenstück.
Randscherbe 874
Eigentlich nichts spektakuläres, aber hier ist ein Stück der Glasur abgebrochen und so konnte man ein paar Details sehen, die ich euch nicht vorenthalten wollte.
Deutlich zu erkennen ist auch die weiße “Grundierung”, welche ich auch schon bei anderen glasierten Scherben bemerkt hatte. Hier die Frage , was hat es damit auf sich?
Das Fragment ist hart gebrannt und sehr fein gemagert. Glimmer ist keiner zu erkennen. Das Stück ist innen glasiert und außen unglasiert. Der Durchmesser ist mit hundert Millimetern relativ klein. Von was könnte das sein? Ein Krug/Kanne? Welche Zeitstellung?
Endlich wieder Mal ein Match. Fragment 866 hat zu Fragment 839 gepasst.
Insgesamt ist das Stück fein gemagert, aber einige wenige Magerungspartikel sind relativ groß (knapp über 1mm). Es ist viel feiner Glimmer vorhanden und das Stück ist hart gebrannt.
Das Stück hatte wohl Mal eine braune Innenglasur, aber davon ist nicht mehr viel vorhanden.
Überrascht hat mich, was ich erst mit der Zeichnung erkannt habe, dass die Keramik wohl sehr flach war. Also eine Schüssel? Was ist eure Meinung dazu und in welche Zeit würdet ihr das Stück schätzen?
Ja, ich habe da auch schon gewisse Schätzungen im Kopf… Ich werde mich auch bald wieder mit dem Keramik Experten treffen. Dann kann ich dir sagen ob du einen Treffer gelandet hast.
sorry, ich bezog mich auf Fragment 866. Bei den anderen Scherbe ist sicher auch Frühmittelalter dabei, würde ich sagen. Bitte unbedingt Rückmeldung, mich interessant das auch sehr, wie du weißt!
ich bleibe bei Hochmittelalter, ich sehe auch Drehrillen auf der Innenseite, meine ich zumindest. Ich finde toll, dass du wirklich Matches bekommst, das ist bei meinen Futzelscherben definitiv nicht drin.
LG
Inez (die sich schon wieder lieber hier rumtreibt, als zu arbeiten, obwohl sie sowieso schon im Rückstand ist )
Ja, bei dir dürfte auch das Problem sein, dass die Scherben weich gebrannt sind und du damit keinen klaren Bruch mehr hast durch Abrollung. Bei meinen weichen Scherben hab ich auch das Problem.
Wobei das bei mir auch nicht so einfach ist. Das ist als ob ich 900 Puzzleteile von hundert unvollständigen Puzzles habe, welche aber zum Teil noch beschädigt oder durch Sonne verblasst sind. Und ich versuche da ein paar passende zu finden.
ja eben - ich bewundere deine Ausdauer! Da hab ich es leichter mit meinen 4-8 mutmaßlich vorgeschichtlichen Scherben, die vielleicht zu 2 oder 3 Gefäßen gehören, ich brauch es also gar nicht versuchen
Das sehr ich anders: Mein Gebiet ist mein Garten mit etwas Wiese drum herum, wo ich unbekümmert buddeln kann. Dein Gebiet ist ein riesiger Acker, wo du nur an der Oberfläche zu bestimmten Zeiten sammeln kannst. Da hab ich es leichter.
Und wenn du jede Scherbe mitnehmen würdest, dann hättest bestimmt genau so viel wie ich.
Letzten Endes geht es ja auch gar nicht mehr darum etwas komplett zusammen bekommen, sondern möglichst viel dabei zu lernen. Ich freue mich genauso sehr ein neues Stück zu finden, was ich noch nie so hatte, wie ein passendes Stück zu finden.
Diesmal haben wir drei Randstücke unglasiert (898, 899 und 900), sieben glasierte Wandstücke tücke (901 bis 907), ein Halsstück unglasiert (908), 19 unglasierte Wandscherben (909 bis 927) und ein Bodenstück unglasiert (928).
Näher eingehen möchte ich auf die Randstücke 899 und 900.
Ein kleines Fragment eines Kragenrandes (oder fällt das noch unter Leistenrand?). Oxidierend hart gebrannt. Die Magerung ist relativ fein und der Glimmer ist sehr fein, aber relativ stark vorhanden. Ich sehe weiße Reste an manchen Stellen, was mich glauben lässt, dass auf dem Stück Mal Glasur war.
Was meint ihr zu dem Stück? Wie würdet ihr es schätzen?
Dieses Stück ist reduzierend hart gebrannt. Die Magerung ist sehr fein mit ein paar größeren Partikeln ( bis 1mm). Glimmer ist etwas weniger drin, allerdings einige wenige Partikel sind etwas größer (bis zu einem halben Millimeter). Die Unterkante des Randes ist abgeflacht.
ich hatte erst kürzlich ein ähnliches Stück wie dein Fragment 900. ich sinniere hier nur ein wenig, eher für mich selbst, denn ich weiß ja noch nicht viel: Durch den längeren Rand eher jünger als älter, spätes MA, denke ich? Fragment 899 auch eher in diesem zeitlichen Rahmen? Mehr fällt mir leider noch nicht ein, ich hoffe, auf klärende Beiträge der Profis!
Aber mich würde noch Scherbe 927 näher interessieren - was meinst du zu der?
Das Stück ist reduzierend hart gebrannt. Sehr fein gemagert mit hohem feinen Glimmeranteil. Auf der Innenseite könnte Glasur sein. Habe es zu den nicht glasierten Stücken geordnet, da ich mir nicht sicher war.
ah danke! Das sah auf dem Sammelbild schwärzer aus und hat mich ein wenig an meine vorgeschichtlichen Stücke erinnert. Du hast recht, innen sieht es wirklich etwas nach Glasur aus.
Sag mal, hast du dich nicht bald nach Neuseeland durchgegraben? Oder eher den Pazifischen Ozean, wie ich mir hab sagen lassen?
ich habe dir heute nochmal einige meiner Randstücke fotografiert (und - wer hätte das gedacht? - dabei zwei Scherben gefunden, die sogar zusammengehören, wenn auch nicht direkt).
Vielleicht erkennst du ja auch Ähnlichkeiten zu deinen?
PS: Ich hatte vorhin alle fein säuberlich richtigrum gedreht, und jetzt wieder das!
Ach ja, und manche sind einfach schon derart abgerollt, dass man den Rand nur noch erahnen kann (oder die Stücke sind so filigran) - sind aber alles Ränder (bis auf 1 Bodenstück, dass sich eingeschlichen hat)
tatsächlich sind manche ähnlich zu meinen und doch unterschiedlich. Faszinierend wie unterschiedlich die sind obwohl die Distanz zwischen uns nicht so groß ist. Bei dir müsste es auch weiße Keramik zu hauf geben. Davon hab ich hier nur drei Krümel gefunden.
weiße habe ich bislang nur ganz wenig gefunden, das Allermeiste ist Grauware, muss ich sagen, überall, wo ich suche.
Ich muss aber auch sagen, dass die MA-Keramik schon ihren eigenen Charme hat.
Eine Tüte Ränder hab ich noch, die gibt’s morgen.