Scherben aus dem Mittelalter

So, jetzt wirds umfangreich. :sweat_smile:

Erst mal noch eine Übersicht aller Funde, die ich bisher im Garten gemacht habe:

Und dann legen wir auch schon los. Alles nur so weit ich es protokollieren konnte.

Fragment 600 ist ein Kragenrand.
Fragment 573 ist ins 13. Jhd datiert.
Fragment 403 ins 15. Jhd.
Fragment 404 ins 14. Jhd.

Die Fragmente 527, 700, 900, 300, 768, 677, 635 ins 16. Jhd.

Fragmente 309, 400, 579 u. 329 auf spätes Mittelalter.

Fragment 500 auf 18. bis 19. Jhd. und stammt von einem Krug.

Fragment 285 gehört zu einer Ofenkachel.

Fragment 308 ist aus der Neuzeit (evtl. SMA) und in einem erbärmlichen Zustand, evtl. wegen Wasser. (Eine herbe Enttäuschung für mich, hatte das älter geschätzt)

Fragment 651 hat er mir zugestimmt, könnte von einem Gefäß sein wie ich zu der Scherbe gepostet hatte und wäre damit eine Kopie aus dem Rheinland. Aufgrund der geringen Größe aber schwierig zu sagen.

Fragment 614 hat diese glänzende Glasur vermutlich aufgrund von Korrosion. Möglicherweise lag das Stück in Fäkalien (hmm, lecker :laughing:).

Fragment 800 ist eine Schusser (also Murmel).

Fragment 810 hat er als eher Grapenfuß eingeschätzt. Evtl. auch eine hornförmige Handhaben. Die Bläschen hält er für Gebrauchsspuren vom Einsatz im Feuer.

Fragment 750 war wieder ein Volltreffer. Noch eine ottonische Scherbe Typ Friedberg. Und da sie anders aussieht als meine erste, heißt das es gibt zwei Gefäße hier in der Erde.

Fragmente 717 und 389 sind weiße Keramik, welche im Raum Regensburg häufig vorkommt. Hier ist die wohl echt schön selten. Hoffentlich finde ich Mal ein Randstück.

Fragment 658 ist von einer Mineralwasser Flasche älteren Typs. Die neueren sind gepresst und haben keine Drehriefen mehr.

So, das war es dann wieder. Viel zu verdauen und demnächst darf ich anfangen zu puzzlen.

Gruß Shard

Edit: Schüssel in Schusser geändert. Diese Autokorrektur… Grml

Dank für die Rückmeldung! Das wird eine Weile dauern, bis ich die zugehörigen Scherben hier im Thread gefunden habe, also was für irgendwann mal, wenn ich mehr Zeit habe.:+1::+1::+1:

Liebe Grüße
Inez

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Ja, das war ein Haufen Scherben. :sweat_smile:

Kurz zusammengefasst: überwiegend spätes Mittelalter, viel Neuzeit und eine frühes Mittelalter.

Gruß Shard

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Hallo zusammen,

hier sind die nächsten Stücke:

Diesmal ein Randstück unglasiert (929) und eins glasiert (930). Elf Stücke glasiert (931 bis 941) und 35 unglasiert (942 bis 976).

Näher eingehen möchte ich auf folgende Stücke:

Fragment 950


Als ich das Stück aus der Erde geholt hatte, dachte ich zuerst ich hätte wieder ein Stück Typ Friedberg. Als ich es gewaschen hatte, traf das eher nicht mehr zu. Ich halte es dennoch für etwas älteres.
Das Stück ist relativ hart gebrannt mit ein paar weicheren Stellen. Die Magerung ist sehr grobkörnig (Partikel um 1mm und davon relativ viele). Glimmer ist so gut wie nicht vorhanden.
Was denkt ihr? Könnte etwas älteres sein?

Fragment 966


Das Stück gibt mir etwas Rätsel auf. Leider ist es sehr klein und deshalb wird es vermutlich schwer etwas dazu sagen. An der Innenseite ist die Wand zudem etwas abgebrochen. Das Stück ist oxidierend hart gebrannt. Die Magerung besteht aus vereinzelt gröberen Partikeln (0,5mm) und wenig Glimmer.
Weshalb das Stück jetzt hier gelandet ist? Der Rand knickt in einem ca. 45° Winkel ab.
Ist das ein Teil einer Ofenkachel? Oder warum dieser merkwürdige Rand?

Fragment 967


Vermutlich nur der Teil eines Ziegels. Das Stück ist oxidierend hart gebrannt und sehr fein gemagert. Also das allein deutet schon auf ein sehr junges Stück hin. Aber ist es Teil eines Ziegels gewesen (wofür es sehr dünn wäre) oder Teil einer Ofenkachel? Oder etwas ganz anderes?

Ich freue mich wie immer über rege Beteiligung.:grin:

Gruß Shard

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Hallo Shard,

hier meine unmaßgebliche Meinung zu den Stücken, die teils auf Bachgefühl basiert, also nichts Verlässliches, weißt du ja.

Scherbe 950: Wie alt meinst du denn mit “vielleicht älter”? Also, vorgeschichtlich würde ich sie jetzt rein optisch nicht schätzen, falls du das meinst.

Scherbe 966: Hatte ich auch erst so ähnlich, mit dem Rand und dem roten Ton … Mit dem kurzen Rand müsste sie eigentlich ja eher frühes Mittelalter sein.

Scherbe 976: Die würde ich neuzeitlich sehen, und ja, Ziegel könnte schon sein.

Hoffentlich sagen noch unsere Experten was dazu!

Liebe Grüße
Inez

Servus,

ich denke 950 würde gut zu den zwei Stücken Typ Friedberg passen. Also frühes Mittelalter.

976 ist Neuzeit, das war keine Frage. :sweat_smile: Die Frage ist von welcher Keramik.

Gruß Shard

ach so, sorry :grin: - welche Keramik das sein könnte, kann ich dir leider nicht sagen.

Liebe Grüße
Inez (die schon auf Kohlen sitzt, aber so richtig, bis es wieder losgeht auf den Feldern!)

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Servus,

hier sind die nächsten Funde:

Wir haben drei Randstücke unglasiert (977, 978 u. 1000) und eines glasiert (979). Zwölf Wandscherben glasiert (980 bis 991). Der Rest sind unglasierte Wandscherben.

Näher eingehen möchte ich auf 979 und 1000.

Fragment 979

Eigentlich nicht weiter spektakulär, allerdings sieht man hier sehr schön wie der Töpfer den Rand nach innen gefaltet hat. Deswegen hat es das Fragment doch zu den besonderen Funden geschafft.

Das Stück ist oxidierend hart gebrannt und fein gemagert. Glimmeranteil ist gering. Also typisch Neuzeit eben. Bei der Ansicht links kann man hervorragend die Faltung sehen.

Fragment 1000

Hier wird es schon spannender. Das Stück ist reduzierend hart gebrannt. Die Magerung ist sehr fein. Der Glimmeranteil relativ hoch, aber sehr fein. Das Spannende ist der im Detail markierte rote Fleck. Wurden hier oxidierend gebrannte, zerstoßene Scherben als Magerung hinzugefügt? Wie als würdet ihr das Stück schätzen? Spätes Mittelalter oder frühe Neuzeit?

Gruß Shard

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Hallo Shard,

ich hatte erst gestern auch so einen roten Fleck in einer Wandscherbe und musste gleich an deine hier denken. Warum sollte nicht alter gebrannter Ton als Magerung mit eingearbeitet worden sein, wurde ja schon in der Vorgeschichte so gemacht, oder ein Brösel lag noch irgendwo auf der Werkbank.

Mit der zeitlichen Randzuordnung tu ich mich in solchen Fällen wie deiner zweiten vorgestellten Scherbe hier oft noch sehr schwer. Erst gestern habe ich eine Randscherbe gefunden, die einfach nur ganz glatt abgestrichen ist, keine Lippe, nichts nach außen gestrichen, müsste demnach also eigentlich recht alt sein, ist aber komplett hart gebrannt, dicht und fein gemagerter, also recht jung. Und auch wenn es vor- und frühgeschichtlich schon mal hart gebrannte und fein gemagerte Keramik gibt, die gehört sicher nicht dazu. Keine Ahnung, was das für ein Gefäß war. Außen noch zwei gekreuzte Striche im Ton, aber nicht besonders regelmäßig. Vielleicht einfach ein fauler Töpfer. :grin:

Streng genommen müsste deine Scherben ja laut der Typentafeln älter sein, sie sieht für mich aber jünger aus. Und sicher hat es hier und da auch mal untypische Randformen gegeben, warum auch nicht. Ich sag jetzt mal Hochmittelalter, um irgendwo in der Mitte zu landen, aber kann das nciht begründen. Vielleicht sagt ja noch einer der Keramikexperten was dazu.

LG

Inez

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Servus Inez,

die Typentafeln zeigen ja nur ab wann die einzelnen Formen auftreten. D.h. den Karniesrand gab es zum Beispiel ab den Mittelalter. Wenn du einen Karniesrand hast, dann wird er nicht älter als Mittelalter sein. Er kann aber deutlich jünger sein. Da brauchst du dann die anderen Faktoren wie Magerung oder Glasur um das näher bestimmen zu können.

Und um es noch komplizierter zu machen: Karniesrand ist nicht gleich Karniesrand. Der eine ist mehr gerundet, der andere mehr kantig. Der eine sehr schmal, der andere ausgezogen.

Deshalb hier auch meine Frage zu eurer Einschätzung. Ich kann das Stück zwar auf SMA bzw. FNZ eingrenzen, aber halt nicht genauer. Da braucht es etwas mehr Erfahrung.

Und natürlich interessiert mich hier, ob im SMA bzw. FNZ noch alte Keramik dazu gemagert wurde. Das wäre dann ein weiterer Faktor.

Danke für deine Antwort Inez. Solche Diskussionen wünsche ich mir hier. Dabei kann man unglaublich viel lernen.

Gruß Shard

genau das meinte ich ja, laut Typentafel kann ich ein wenig erkennen, wo ein bestimmter Rand zeitlich reinpasst. Dass das natürlich dann nciht das Ende vom Lied ist, ist klar. Das merke ich ständig an weichen Scherben - und teils hart gebrannten -, die ich finde, da ist es ja noch schwieriger, die einzuordnen, es gehen nur Mutmaßungen, solange der Kontext nicht eindeutig ist oder man eindeutige Ränder oder Verzierungen hat - siehe meinen glatt und gerade abgestrichenen Rand, der nicht gerade typisch für MA oder frühe Neuzeit wäre, soweit ich das jetzt weiß, aber es ist halt auch noch nicht so arg viel, was ich weiß. :slightly_smiling_face:

Ich denke trotzdem, dass auch mit SMA und der FNZ noch alte Keramik eingearbeitet wurde, vielleicht nicht grad für gehobenes Geschirr. Aber wenn der eine Person ein Gefäß auch mal selbst getöpfert hat aufgrund irgendwelcher Umstände, wegen der er eben nicht sein Geschirr kaufen konnte und er billig und mit dem arbeiten musste, was er hatte, dann wäre das doch plausibel. Soweit ich weiß, war es nicht üblich, das eigene Geschirr selbst herzustellen, aber das heißt ja nciht, dass es nicht doch vorgekommen ist.

LG

Inez

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ach noch was: Im BLfD hat man mir gesagt, dass sie ab MA so ziemlich alles in einen Topf werfen, weil es ab da dann so kompliziert wird mit den ganzen Formen, dass eine Unterscheidung sehr schwierig ist. Das habe ich praktischerweise gleich mal so übernommen😁, aber ich muss schon auch sagen, dass mich das Thema Keramik schon sehr gepackt hat und ich da gern mehr wissen würde.

LG

Inez

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Wohl wahr, wobei das FMA nochmal ein Sonderfall ist. Da wurde noch nicht mit der schnellen Drehscheibe gearbeitet und der Aufbau erfolgte von Hand. Die Keramik wurde dann nur nochmal auf einer Scheibe nachgedreht.

Das hat zur Folge, dass die Wandstärke etwas dicker ist (0,8 bis 1cm). Auch vom Brennen her sind die Scherben weicher. Also schon eine deutliche Abgrenzung zum HMA und SMA. Die Randform war da auch noch nicht so vielfältig.

Das FMA ist auf jeden Fall eine sehr spannende Zeit. Zumal es da auch noch viele Lücken gibt in der Forschung. Im FMA wurden keine Keramiken mehr als Grabbeigaben gegeben, deshalb entstand die Lücke. Man hat da relativ wenig ganzes gefunden.

Ich bin ziemlich Happy da bereits zwei kleine Stücke gefunden zu haben (vielleicht jetzt auch drei :grin:). Laut meinem Scherbenexperten ist das schon viel.

Mal sehen wie es weitergeht.

Gruß Shard

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ich habe eher von vorgeschichtlichen weichen Scherben gesprochen, aber natürlich hast du recht, was das FMA betrifft. ich weiß da ehrlich gesagt mehr über die angelsächsische zeit als die hier bei uns, und da gibt es auch so gut wie keine Scherben, nichtsdestotrotz muss es ja auch Gebrauchskeramik gegeben haben, die aber wahrscheinlich nochmal volatiler rumgelegen hat.

LG

Inez

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Hallo Shard

Ich würde die 1000 ins 16.Jh setzen, ans Ende der Entwicklungsreihe. Das Material ist sehr homogen, sehr gut bis zu einer einheitlich hellbraun Farbe gebrannt, eine homogene Brennhaut in einem leicht bläulich-metallischen Farbton. Wenn du sie mal mit einem alten dicken Kugeltopfrand vergleichst, siehst du, was sich verändert hat.

Zur Magerung: der rote Einschluss könnte ein Mineral sein, Backstein, Dachziegel, Gefässkeramik, …..? Magerung mit Backsteinbruch kommt häufiger bei Schmelztiegeln oder Ofenkacheln vor. Es könnte aber auch in der Magerung oder im Ton gesteckt haben. Hast du mal ein Mikroskop eingesetzt?

Viel Spaß

Uwe

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Danke, Uwe, solche Postings bringen mich weiter (Shard sicher auch)!

LG

Inez

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Servus,

da muss ich Inez zustimmen. Ich hoffe jedesmal dass auch eine Antwort von Uwe kommt, da sie mich so gut wie immer weiterbringen. Danke dafür, Uwe. (Und nicht zu vergessen, auch @Munigis und @Burgenjunkie )

Was das Mikroskop angeht, da hab ich leider derzeit keines verfügbar.

Gruß Shard

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Hi Shard,

jetzt muss ich nochmal nachhaken, immer dieser Karniesrand … den gab es doch aber auch schon vorher? Bei den Römern, sogar in der Latène-Zeit, wenn ich mich total irre. Im MA war er halt vorherrschend.

Erleuchtet mich mal bitte!

LG

Inez

Shard, das wollte ich eigentlich schon vorher sagen. Ich finde es absolut super, wie du die Zeichnungen hinkriegst und das insgesamt machst! Ich nehme mir das immer vor, und dann fehlt einfach ständig die Zeit, aber die fehlt mir ja zurzeit ständig, hab schon so die Nase voll und steh kurz vorm Burn-out. Na, besser als keine Arbeit, zumindest noch, bevor mich KI arbeitslos macht.

LG

Inez

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Vielen Dank für das Lob!

Was den Karniesrand angeht, so steht in Balismink, dass er erstmals im FMA auftrat, in Deutschland aber erst Ende HMA.

Bitte beachten, für den Karniesrand ist die Hinterschneidung entscheidend. Heißt wenn ein Tropfen den Rand runter läuft, muss er unten abtropfen. Ränder die diese Hinterschneidung nicht haben sind Leistenränder.

Gruß Shard

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