Scherben aus dem Mittelalter

Hallo Shard,

ich bin jedes mal erstaunt was dein Garten alles hergibt :grinning_face: .
Wie immer schön präsentiert :+1: .

Bei dem “Daumen” würde ich auf ein “Lösskindel” tippen.
(Kalkkonkretion / Kalk der in Lössböden durch Regenwasser gelöst wird und in unten liegenden Schichten abgelagert wird. Oft auch Konkretionen um organische Objekte wie z.B. Wurzeln)

Viele Grüße

Oli

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Servus,

ja, ich bin auch immer wieder überrascht. Ich kann mich durch die volle Palette vom FMA bis Moderne arbeiten.

Danke für deine Einschätzung. Ich tendiere auch eher zu nicht keramisch, werde es aber dann doch vorsichtshalber zum Scherbenexperten mitnehmen.

Gruß Shard

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Hallo Shard,

Die Grauware WS dürfte, wie du erkannt hast, von einer langsamen Scheibe stammen. Die gelbe Engobe würde ich der normalerweise glasierten NZ gelben Irdenware zuordnen, vielleicht eine lokale Adaption oder Kopie. Das rote Stück würde ich ähnlich sehen.

Es wurde immer Neues ausprobiert, nicht alles hat sich durchgesetzt.

Viel Spaß

Uwe

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Servus Uwe,

danke für deine Einschätzung!

Bis zur welchen Zeit wurde die langsam drehende Drehscheibe genutzt?

Welches Stück meinst du mit gelber Engobe?

Das mit roter Engobe ist 1090?

Gruß

Shard

Hallo Shard,

Das eine Foto würde ich als eine gelbe, das Andere als eine rote Engobe beschreiben. Der Ton wirkt beim ersten Bild für mich hell, leicht gelblich, beim Zweiten eindeutig reduzierend gebrannt.

Du kennst das Original, ich nur die Fotos.

Viel Spaß

Uwe

Ach so, sorry! Du meinst 1090. Das ist beides das gleiche Stück. Das rötliche ist eher die tatsächliche Farbe. Es ist schwierig die Farben immer Farbegetreu hinzubekommen…

Gruß Shard

Servus,

hier sind die nächsten:

Wir haben ein Randstück unglasiert (1121) und eins glasiert (1122). Vier Wandstücke glasiert (1123 bis 1126). Zwei Bodenstücke (1144 und 1145). 1149 ist möglicherweise ein weiteres Teil der Ofenkachel die ich immer wieder finde. Rest sind unglasierte Wandscherben.

Fragment 1121

Das Stück ist oxidierend hart gebrannt. Die Magerung ist mittel fein (viele Partikel bis zu einem halben Millimeter). Glimmer ist fein und mittel vorhanden.

Bei dem Stück musste ich sofort an eine Napfkachel denken. Als ich jedoch Napfkacheln angeschaut habe, musste ich feststellen, dass diese diesen kleinen Huppel an der Ecke nicht haben. Also doch etwas anderes?

Fragment 1132

Die Scherben ist reduzierend hart gebrannt. Fein gemagert und der Glimmer ist sehr fein und mittel vorhanden. Das Stück wollte ich einfach nur zeigen, weil verzierte Grauware einfach nur schön ist und ich selten so große Stücke finde. :heart_eyes:

Fragment 1150

Das Fragment ist hart gebrannt, vermutlich reduzierend. Die Magerung ist fein und auch hier ist der Glimmer sehr fein und mittel vorhanden.

Das Stück ist ein Wandstück das abknickt. Ich musste an eine Knickwandkeramik denken, aber die gibt es ja seit dem hohen Mittelalter nicht mehr und die im frühen Mittelalter waren schwarz. Außerdem dürfte der Knick stärker ausfallen. Ich habe den Winkel des Knicks mit 140° gemessen. Gab es so kleine Knicke häufig ab dem hohen Mittelalter?

Gruß Shard

Servus zusammen,

hier die nächsten Funde:

Diesmal viele sehr große Funde, aber leider nichts zueinander passendes. Wir haben sechs Randstücke unglasiert (1151 bis 1156). Die letzten beiden sind vermutlich Deckelstücke. Dann drei glasierte Wandstücke (1157- 1159). Ein Halsstück (1181). Eine Ofenkachel (1183), die möglicherweise zu der Ofenkachel mit schwarzer Glasur und Goldverzierung passt. Allerdings hab ich auf dem neuen Fund kein Gold gefunden, daher Fragezeichen. Vier Bodenstücke (1184-1187). Ein Mini-Stück, welches ich nicht zuordnen kann (1182). Der Rest sind unglasierte Wandscherben.

Fragment 1154

Ihr werdet euch jetzt fragen, was ist jetzt das? So hab ich auch erst Mal geschaut. Als ich es in der Erde gefunden hatte, dachte ich erst an ein Stück Kabelmantel, beim Waschen würde allerdings klar, dass es das nicht ist. Ich dachte dann als nächstes an ein Stück Beton aus der die Armierung rausgerostet ist. Als nächstes dachte ich an ein Stück Betonzuberrand. Erst als es dann trocken war, war ich mir sicher ein Grauwarerand mit Zementkontamination vor mir zu haben. Die Beschreibung des Stückes ist durch die Kontamination etwas schwierig. Ich will es trotzdem versuchen.

Das Stück ist reduzierend hart gebrannt und sehr fein gemagert. Glimmer ist nur wenig zu erkennen. Das Stück scheint innen geglättet zu sein. Aus diesem Grund würde ich das Stück in der frühen Neuzeit vermuten.

Fragment 1155

Das Fragment ist oxidierend hart gebrannt. Die Magerung ist sehr fein mit einigen Partikeln bis ein Millimeter. Glimmer ist relativ viel vorhanden, aber nur sehr fein.

Von der Randform her dachte ich an einen Deckel. Mir ist allerdings dann aufgefallen, dass der Rand schon sehr steil nach oben geht und dachte dann vielleicht auch eine Schüssel. Nachdem ich es gezeichnet hatte war ich wieder beim Deckel. Bin aber noch etwas unsicher…

Was meint ihr? Deckel oder Schüssel? Und aus welcher Zeit?

Fragment 1186


Das Fragment ist ein Beleg dafür, dass ein Töpfer schon ziemlich Pech haben kann.:sweat_smile:

Das Stück würde offenbar erst reduzierend gebrannt. Der Boden hatte aber wohl Sauerstoff abbekommen und ist daher oxidierend gebrannt. Dadurch war das Stück nicht wasserfest und der Töpfer entschied sich wohl eine Innenglasur zu machen, um das Stück abzudichten. Auch hier wieder Pech: scheinbar ist weiter oben etwas zerbrochen und dann in die Glasur runter gefallen und festgebrannt. Kann mir vorstellen, dass dies sehr ärgerlich war.

Die Scherben ist hart gebrannt und fein gemagert (weniger Partikel bis einen halben Millimeter). Glimmeranteil ist mittel und sehr fein.

Viel Spaß beim anschauen und ich freue mich wie immer über Kommentare.

Gruß Shard

Hallo Shard,

nachdem niemand sonst Anmerkungen zu deinen Funden hatte, kommen jetzt ein paar von mir.

Auffällig finde ich Nr. 1157, glasierte Wandscherbe. Es sieht auf dem Foto aus wie eine Scherbe eines Fayencegefäßes, also eine dünne weiße Zinnengobe plus blaue Bemalung. Wenn es Fayence ist, wäre das ein Hinweis auf eine etwas jüngere Datierung deines Fundkomplexes.

Nr. 1154 - ich hatte mal polychrome Ofenkacheln als Zwischenschicht in einem Fundament vermauert, das sah sehr ähnlich aus

Nr. 1155 - da würde ich auch eher auf einen Deckel tippen, bei einer entsprechend tiefen Schale würde ich einen steileren Rand vermuten

Nr. 1186 würde ich im Norden in den Komplex der Weser-Werra Keramik (Malhornware, ‘Bauernkeramik’) einordnen. Der reduzierend gebrannte Kern könnte auf eine ungleichmäßige Brennatmosphäre hindeuten. Die etwas zu dick aufgetragene Bemalung saß unter der Glasur und wäre bei der Nutzung (Hitzespannungen im Gefäß, mechanische Abnutzung beim Rühren) ausgebrochen. Entsprechende Bodenscherben mit Ausbrüchen in der Glasur sind hier im Norden nicht so selten.

Ich hoffe es hilft weiter

viel Spaß

Uwe

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Moin,

@ Shard,

zu Deinem Rand 1155 schau Dir mal mein Randprofil an.

Mein Deckel hat einen Durchmesser von ~ 200 mm.

Zum Beitrag.

Gruß

Jürgen

Servus Jürgen,

ja, die Form kommt ganz gut hin. Ungewöhnlich ist allerdings, dass der Deckel so steil noch oben geht. Das kenne ich so nicht. Bisherige Funde waren alle deutlich flacher. Aber ich bin da bei euch, ich denke auch dass es ein Deckel ist.

@Schottesatze

Kann man Fayence verwechseln? Oder ist reduzierend gebrannt mit weißer “Glasur“ darauf Fayence? Ich mache bei Gelegenheit bessere Bilder.

Was sind polychrome Ofenkacheln und warum vermauert man diese im Fundament? Eine Ofenkachel scheint das Stück übrigens nicht zu sein. Es hat einen deutlichen Randstück von Topf oder ähnlichem Charakter.

Danke für eure Beiträge!

Gruß Shard

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Hallo Shard,

Fayence ist eigentlich eine helltonige Keramik mit Zinnglasur und - häufig - blauer Bemalung, so eine Art chinesisches Porzellan für Arme. Es ist häufig kopiert oder imitiert worden, je nach Wissen und Können. Nicht Alles kam dabei nach dem Glasurbrand aus dem Ofen wie erhofft, aber wenn es von außen nicht zu sehen war ….

Polychrom bemalte Ofenkacheln sind Blattkacheln mit mehrfarbig gemalter Ansichtsseite

Datierung grob renaissancezeitlich, die Stücke werden oft mit hohem Sozialstatus in Verbindung gebracht. Die gezeigten Scherben wurden nach der Nutzung im Ofen in zerscherbtem Zustand im Fundament eingemauert. Warum das passiert ist, weiß ich auch nicht, es ist auch der einzige Fall, der mir bekannt ist. Das könnte jedenfalls erklären warum du Mörtelspuren an deiner Scherbe hast.

viel Spaß

Uwe

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Danke für die Erläuterungen!

Gruß Shard

Servus,

Hier noch die Bilder von Fragment 1157:

Gruß Shard

Hallo Shard

Das sieht doch stark nach einer Fayence-Imitation aus, mit heimischen Mitteln für die gemacht, die sich echtes Porzellan oder Fayence nicht leisten konnten.

Viel Spaß

Uwe

Servus,

Danke für deine Einschätzung! Wie grenze ich Fayence zu weißer Glasur ab?

Zum Beispiel dieses Stück:

Ich nehme Mal an, das fällt nicht unter die Kategorie Fayence?

Gruß Shard

Hallo Shard

Der Zyniker würde wohl sagen, was ich als Fayence verkauft kriege, ist Fayence. Dabei ist natürlich die spanische Fayence eine andere Nummer.

Ich tippe, dass der 2. Brand, der Glasurbrand, nicht den kompletten Auftrag verglast hat. Vermutlich entstand aber eine komplett glasierte Oberfläche, für den Kunden war also kaum ein Unterschied sichtbar. Später reichte dann eine glasierte Oberfläche aus, der günstigere Preis oder die bessere Verfügbarkeit sorgten schon für den Absatz.

Viel Spaß

Uwe

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Danke für die Erläuterung!

Gruß Shard

Servus zusammen,

hier sind die nächsten Funde:

Wir haben ein Randstück glasiert (1188) und eins unglasiert (1189). Acht Wandstücke glasiert (1190 bis 1197). 14 Wandscherben unglasiert (1198 bis 1209, sowie 1214 und 1215). Zwei Bodenscherben glasiert (1217 und 1218) und drei unglasiert (1210, 1219 und 1220). Ein Deckelknauf (1216), ein Halsstück (1213) und zwei nicht mehr zu identifizierende Fragmente (1211 und 1212).

Fragment 1189

Das Randstück ist reduzierend weich gebrannt. Leider ist es etwas mitgenommen, so dass eine Durchmesserbestimmung nicht möglich war. Die Lage ging aber noch zu bestimmen, deshalb gab es trotzdem eine Zeichnung.

Die Magerung ist mittel (so ca. einen halben Millimeter) und der Glimmer ist gering (die wenigen Partikel sind aber Recht groß (1mm)).

Auf welches Alter würdet ihr das Randstück schätzen?

Fragment 1216

Der erste Deckelknauf den ich hier im Garten gefunden habe, leider unvollständig. Er könnte zu dem Deckelrand den ich neulich vorgestellt hatte passen.

Das Stück ist oxidierend hart gebrannt und fein gemagert. Der Glimmer ist sehr fein und mittel vorhanden.

In welche Zeit würdet ihr das Stück stellen?

Fragment 1218

Das erste brauchbare Stück sogenannter weißer oder heller Keramik aus meinem Garten. Der Ton hat einen hohen Anteil an Kaolin (welches auch für Porzellan genutzt wird) und dadurch seine helle Färbung. Die Keramik wurde im Zeitraum von 1300 bis 1600 im Raum Regensburg gefertigt (Inez müsste das theoretisch öfters finden). Ich scheine gerade an der Exportgrenze zu sein, da man davon noch relativ viel in Ingolstadt gefunden hat, aber nichts in Augsburg.

Ich nehme an, dass die weiße Keramik reduzierend gebrannt ist, da sie in der Regel unglasiert ist. In diesem Fall ist die jedenfalls hart gebrannt und grün glasiert. Sie ist fein gemagert und Glimmer ist nicht erkennbar (macht vermutlich keinen Sinn bei so heller Keramik).

Die Frage an euch: wie weit in den Norden würde die Keramik exportiert? Habt ihr schon Mal etwas davon gefunden?

Freue mich wie immer über rege Teilnahme. :blush:

Gruß Shard

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Hallo Shard,

relativ viel würd ich nicht sagen, was die grün glasierte Keramik angeht. Mein Hauptfeld hat kaum eingetragenes Matetial, erstaunlich genug. Aber auch sonst nicht so arg viel neuzeitliche Stücke.

Deine weiche Scherbe sieht aus, als wäre etwas rote Farbe drauf, täuscht mich das?

LG

Inez

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