Steinzeitlicher Fundkomplex (Diskussion)

Hallo zusammen!

Alle Funde stammen von einem Kirrplatz mit einer Fläche von ca. 5000 qm in leichter Hangneigung. Er befindet sich in Waldrandnähe auf einer Lahnterrasse (Geologisch nicht korrekt, es beschreibt die Lage aber gut) im Kreis Gießen. Die Bodenbeschaffenheit ist sehr karg, durchsetzt mit Grauwacke, Schiefer und wenig Quarz. Die Fläche ist wahrscheinlich seit den 60er Jahren offen und wird, seit ich sie begehe, 2-3 mal jährlich sehr flach bearbeitet, um Bewuchs zu entfernen.

Im Laufe von 20 Jahren und mehr als 1000 Suchstunden hat sich herausgestellt, dass 90 % der Silices auf einer Fläche von ca. 500 qm konzentriert sind. Die größeren Sandsteine waren mehrheitlich leicht oberhalb davon verbreitet.

Alles, was ortsfremd ist, wurde aufgelesen und wird hier gezeigt. Die gesamte Fläche hat sich als praktisch frei von jeglichen Zuträgen erwiesen, lediglich 3 neuzeitliche Keramikscherben von zwei Gefäßen. Sie ist auch hoch und weit genug von der Lahn entfernt, damit kein Kies hierher gefunden hat.

Kein Rohmaterial wurde gefunden, ausschließlich bearbeitetes Material. Insgesamt 30 Silices, 12 Sandsteine, 2 vorgeschichtliche Scherben und 5 Überraschungen.

Habe ich etwas vergessen?

Gruß

Marco

Das weiß ich nicht, aber ich bin schon sehr gespannt auf die Funde. :blush:

Gruß Shard

Ich beginne mal mit den Spitzen. Man kann hier schon sehen, dass mehr als eine Periode vertreten ist.

Es handelt sich um 2 längschneidige und zwei querschneidige Pfeilspitzen. Die schwarze Spitze ist ein Fragment, beidseitig retuschiert und 5mm dick (!), ich vermute eher keine Pfeilspitze, sondern Speerspitzen- oder Dolchfragment (?).

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Servus,

bei dem Stück an vierter Stelle habe ich Probleme es als Artefakt anzusprechen (was nicht heißen soll, dass es keins ist). Kannst du das vielleicht noch Mal im Detail von allen Seiten fotografieren?

Die anderen find ich sehr schöne Stücke. :blush:

Gruß Shard

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Hallo Shard,

tatsächlich habe auch ich dieses Stück sehr spät als möglichen Querschneider wahrgenommen.

Die Schneide ist fast papierdünn und sehr scharf, man könnte damit auch schneiden, und mit diesem winzigen Dorn sogar ganz fein sticheln.

Aber ich finde, da wurde sich bemüht, eine gut zu schäftende, abgeflachte Basis zu schaffen (letztes Foto). Dort kann man sogar schöne Wallner-Linien sehen.

Dennoch, unsicher.

Gruß

Marco

Nachtrag: Mit Unsicher meine ich die Einordnung als Querschneider

Moin,

die beiden linken Pfeilspitzen sind Sahnestücke. :+1:

Zu den anderen Teilen kann ich aufgrund unzureichender Abbildungen nichts sagen.

Die Vermutung “Speerspitzen- oder Dolchfragment” ist mutig. Dafür ist das Fragment schlicht zu klein.

Pfeilspitzen aus schwarzen Kieselschiefer gibt es, aber hierzu müssten gute Fotos markante Merkmale zeigen.

Gruß

Jürgen

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Ich mache gerne noch bessere Fotos, bekomme langsam Übung…

Um mal die meisterhaften Fähigkeiten der Besucher dieser Stätte aufzzeigen, hier ein Stichel, wie er zarter kaum noch sein kann. Der Pfeil zeigt die Arbeitkante mit Schneidrichtung an, auf Bild 1 Collage 2 sieht man die Stichelbahn (Ich hoffe, das ist der richtige Begriff).

Nachtrag: Beim Finden - das war eines der ersten Stücke - dachte ich an Bohrer, Stichel musste ich noch lernen.

Muss ich noch immer.

Hier sehe ich eine zufällige Geröllspitze.

@ Marco,

hast Du einen Plan, wie wir am Ende des Tages auf ein bestimmtes Foto oder Objekt zu sprechen können?

Ich meine, es wurde schon gesagt - jedes Fundstück muss einen eigenen Thread bekommen, sonst ist es unmöglich “… auf das dritte von rechts in der mittleren Reihe auf dem fünften Foto … … mit den Querschneidern auf dem zweiten Bild von oben bin ich nicht sicher …”

Du weißt, was ich meine?

Und noch wat - schau Dir bitte das mal an.

Gruß

Jürgen

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Dieser Thread ist dafür gedacht, den Fundkomplex unter einem Dach zu haben. Nichts spricht dagegen, bei Bedarf eigene Threads zu eröffnen, das mache ich sehr gerne. Aber auf keinen Fall werde ich unaufgefordert das Eingangstor des Forums mit massig Threads tapezieren.

Außerdem werde ich diesen Thread nicht auf einen Schlag mit allen Funden vollknallen. Das wird nach und nach passieren, ich werde versuchen das richtige Maß an Zeit für Diskusionen zu lassen.

Und was die Qualität der Abbildung und Erfüllung notwendiger Kriterien angeht - genau dafür mache ich das ganze ja… Eins nach demanderen, learning by doing.

Gruß

Marco

Servus,

einen Fundkomplex in einem Thread darzustellen finde ich nicht problematisch, allerdings wäre es gut die Stücke in der Übersicht dann durch zu nummerieren, damit man sie auseinander halten kann.

Aber das wird schon. Du wirst feststellen, dass das Forum sehr gut ist für das Einbinden von Bildern und man damit schöne übersichtliche Posts machen kann.

Gruß Shard

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Hey,

logisch, durch zu nummerieren ist ein sehr guter Vorschlag.

Wie lange kann man Beiträge eigentlich bearbeiten? Wie groß dürfen/sollten Fotodateien sein?

Aber für heute ist gut,

Gute Nacht

Marco

Moin,

ziemlich lange, aber nicht allzu oft - weiß ich aber nicht definitiv.
Das sollte man auch vermeiden und wenn es wichtig ist, die Information zur Änderung herausstellen.

Fotos bei einer Größe von 1200 x 1600 mit 500 KB reichen meist.
Viele Fotos mit > 1 MB belasten den Server.

Gruß

Jürgen

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Moin,

na bei Fotos habe ich dann ja noch viel Luft nach oben was die Qualität angeht, ich habe bisher versucht unter 200 kb zu bleiben. Wie lange man editieren kann wäre schon gut, das genau zu wissen.

Ich werde in Zukunft die Fotos der Stücke mit 1 - 1.1 - 1.2 - 1.3 … , 2 - 2.1 - 2.2 … durch nummerieren, bei den bisherigen hole ich das noch nach.

Für Technikfragen werde ich übrigens mal einen Thread in der Plauderecke auf machen, der Übersicht wegen.

Gruß

Marco

Hallo,
prinzipiell ist es so, dass die Landesämter bzw. Denkmalschutzbehörden der Bundesländer sehr unterschiedliche Anforderungen an die Qualität von Fundmeldungen stellen! Dies dürfte unter anderem an der personellen Notsituation der Behörden liegen. Alleine wenn man sich vorstellt, dass bei intensiven Feldbegehungen einige hundert Artefakte aufgelesen werden und dies von jedem Ehrenamtlichen dann würden die Ämter in einer Flut von Fotos im wahrsten Sinn des Wortes ersaufen.
Auf Fundmeldungen mit Fotos sollte man beispielsweise in Bayern eigentlich verzichten, außer es handelt sich um außergewöhnliche Befunde oder eine Fundsituation bei der große Eile geboten ist z.B. bei Bauarbeiten droht die Zerstörung eines Denkmals.
Einfache Lesefunde wie Scherben, Silices, Klingen, Steinbeile, Pfeilspitzen usw. werden im Normalfall schriftl. gemeldet. Dazu stellt die Denkmalbehörde ein geeignetes Formular als PDF-Datei zur Verfügung in welcher die Anschrift des Finders, Fundsituation, Flurnummer, erste Einschätzung des bzw. der Fundstücke durch den Finder welche eingetragen wird.
[Denkmalpflege Themen 03 - Ehrenamt.indd]
(https://www.blfd.bayern.de/mam/ehrenamt_und_engagement/ehrenamt_bodendenkmalpflege/themen3_ehrenamt_k.pdf)
Da empfiehlt es sich im Vorfeld einer Fundmeldung erstmal Kontakt mit der Denkmalbehörde aufzunehmen um dann nachzufragen wie eine Fundmeldung gewünscht ist bzw. aussehen sollte um beiden Seiten unnötige Arbeit zu ersparen.
Grüße Bucentaur

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Danke erstmal auf die Schnelle, Bucentaur,

ich wäre aber sehr dankbar, wenn dieses Thema aus diesem Thread rausgehalten würde. Über gute Infos dazu freue ich mich natürlich weiterhin…

Gruß

Marco

Moin Marco,

das, was Shard schreibt, ist gut und richtig. Meine folgende Anmerkung soll auch kein Veto sein.

Siehe allein diesen Thread, wie er schon nach kurzer Zeit unübersichtlich wird (wie Du, Marco, gerade selber siehst). Das ist auch unumgänglich, wenn mehre Antworten, Fragen oder Einwände kommen, die dann immer wieder dazu führen, dass man erst einmal zurück auf “Los” oder “Seite vier” muss, wenn man bereits auf Seite 17 ist.

Davon abgesehen sind Nummern oder Buchstaben hilfreich die Fotos gezielt anzusprechen. Ich gebe meinen Fotos i.d. R. eh aussagefähige Dateibezeichnungen (003 Ansichten / 004 Zeichnung etc.)

Gruß

Jürgen

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Hallo,

wie Jürgen sehe ich hier auch nur ein Geofakt. Ein Stichel ist bislang das einzige Werkzeug, das ich selbst in einem Kurs hergestellt habe, und was ich dort an Vorgehensweise gelernt habe, sehe ich hier bei deinem Stück nicht umgesetzt.

LG

Inez

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Hallo Inez,

ich nehme das zur Kenntnis.

So einen Kurs wollte ich auch schon immer mal machen, aber leider finden die immer nur weit weg im Feuersteinland statt.

Hast du auch mal mit Radiolarit gearbeitet? Hast du zB die zentripetale Drucktechnik beherschen können? (Fachbegriffe bei mir stehts unter Vorbehalt!)

Gruß

Marco

Hallo Jürgen,

wenn ich den Komplex nicht in einen Thread packe, ist das Projekt sinnlos. Wie gesagt, auf Wunsch jederzeit gerne eigene Threads. Ich lasse immer ausreichend Zeit, die Stücke zu behandeln. Und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben :grimacing:

Dein Tip mit den Buchstaben ist prima.

Gruß

Marco