@magicus
Die grundsätzliche Frage die sich nun als nächstens stellt ist, wie können wir bestimmen, ob ein seit dem Mittelalter überlieferter Name rein alemannisch oder ursprünglich keltisch/galloromanisch ist, und dann deutsch nachgeformt-angepasst-übersetzt wurde…:
Ich erinnere nochmal an Deine eingangs gemachte Behauptung.
Da nun spätestens seit X. Delamarre bekannt ist, dass auch die vielen -ikon Namen keltisch sind und da es zahllose auch unbedeutende Käffer mit -ikon Namen gibt folgt daraus was?
Angesichts dessen müßtest Du eigentlich die Antwort auf obige “grundsätzliche Frage” fix und fertig parat haben. =:-O
Ich stelle jedenfalls nur Behauptungen auf, wenn ich dafür handfeste Begründungen habe. Warum sollten eigentlich die Alemannen den möglichen keltischen Vorgängernamen übersetzten ? Eine Auffassung ist, dass die Germanen zur “Römerzeit” bei Teileroberungen die vorhandenen Namen übernahmen ( Siehe die “Ach-Ortsnamen” aus "Iacum-Ortsnamen.) , aber später nach dem Abzug der Römer und der endgültigen Landnahme gründeten sie neue Siedlungen mit germanischen Namen.
Ein schönes Beispiel ist Straubing in Bayern. Der Name der vorherigen keltischen Siedlung ist uns lateinisiert als “Sorviodurum” überliefert. Die spätere bajuwarische Siedling hieß "Strupinga" nach dem Sippenführer “Strupo”.
Die zweite Frage ist, warum sollte das Verschleißsuffix eines eindeutig germanischen Ortsnamens “keltisch” sein ?
Ich nannte schon das Beispiel aus der Gegend von Soest welches beweist, dass hier ähnlich wie “-inc - hova” das Doppelsuffix “-ink-heim” ebenfalls auf “- icken” schrumpft. Siehe dazu in der Schweiz “-ikon, -iken, - igen”.
Bietigheim
Buticheim (1207), Biut - incheim , Bütenkeyn, Bit - icken, Bitingen
Hier ein paar andere Beispiele für den Wortverschleiß.
Adeleb - sen
Alte Bezeichnungen: 990 Ethelleues - huson , 1162 Adeleuissen, 1234 Adelevessen, 1241 Adelevessen, 1253 Adelewessen, 1258 Adelevesen.
Ahn - sen
Alte Bezeichnungen: 1256 to Adenh - husen , 1381 to Adenhusen, 1441 Adensen, 1591 zu Ansen
Amelgatzen
Alte Bezeichnungen: 993-996 Almagates - husun , 1146 Amelgoteshem, 1188 Amelgozen
http://www.ndr.de/ndr1niedersachsen/programm/ortsnamenforscher101.html
Sitten - sen
Alte Bezeichnungen: 1024-1028 Checc - inhusen , 1220 Chechinhusen, 1237-1246 Tzittenhusen, 1391 Tzittenhuß, 1719 Sittensenae
Hier ist sogar noch das ehemalige Doppelsufix " -in(g) - husen" ersichtlich.
http://www.ndr.de/ndr1niedersachsen/programm/ortsnamenforscher137.html
Balge
Alte Bezeichnungen: 1047 Balga , 1179 Baldinge, 1202 - 1235 Balche, 1215 Baldigge, 1221 - 1232 Baldinga , 1232 Balldinga, 1258 Balge, 1515/21 Balge, 13. Jhd. Baldige, um 1300 Baldighe / Baldige / Belingen(n) / Balgen,
Hier wird sogar deutlich, dass es zu verschiedenen Zeiten mal _“dialektverkürzt”? _oder " deutsch"? geschrieben wurde.
http://www.ndr.de/ndr1niedersachsen/programm/ortsnamenforscher103.html
Delligsen
Alte Bezeichnungen: 826-876 Dysieldeshusun, 826-876 Diseldashusen, 826-876 Disaldeshusen, 1016-1020 Dysileshusun, 1140 Dislessem, 1146 Diselisseim, 1182 Diseldeshem, 1183 Disildesheim, 1188 Diselesheim
Hier wird sogar vom Suffix “-husen” auf “heim” gewechselt.
http://www.ndr.de/ndr1niedersachsen/programm/ortsnamenforscher107.html
Die Sufixkürzung bis zur Unkenntlichkeit ist also kein “schweizer” Phänomen wie Du siehst.
Ich sehe deshalb keinen Grund “-ikon, - iken” und "- igen" als Schrumpfsuffix von "inchova = inghofen" anzuzweifeln und schon gar keinen es unbedingt als “keltisch” zu identifizieren.
Gruß
Kurti